Gewalt im Irak Grab mit mehr als 50 Leichen entdeckt

Stand: 09.07.2014 12:05 Uhr

Irakische Polizisten haben südlich von Bagdad die Leichen von mindestens 50 gefesselten Menschen entdeckt. Die Opfer in Zivilkleidung seien in der Nähe der Stadt Hilla erschossen worden, hieß es aus irakischen Sicherheitskreisen. Die Identität der Toten sei unbekannt. Unklar ist auch, wer für die Tat verantwortlich ist.

Hilla, rund 100 Kilometer südlich von Bagdad gelegen, ist eine überwiegend von Schiiten bewohnte Stadt, die wiederum in einer sunnitisch geprägten Gegend liegt. Im Februar 2005 ereignete sich in Hilla einer der blutigsten Anschläge im Irak. Bei einem Autobombenanschlag starben damals 125 Menschen.

Eine Tat der ISIS?

Seit Beginn des Vormarsches der sunnitischen Terrorgruppe "Islamischer Staat" (ISIS) Anfang Juni leidet der Irak unter massiver Gewalt, der immer wieder auch Zivilisten zum Opfer fallen. Im Norden und Westen des Landes kontrollieren ISIS-Kämpfer bereits große Gebiete. Die Gruppe hatte vor mehr als einer Woche ein "Islamisches Kalifat" im Irak und in Syrien ausgerufen. Auch im benachbarten Bürgerkriegsland beherrscht die Terrorgruppe weite Gebiete. Erklärtes Ziel der Extremisten ist die Einnahme Bagdads.

ISIS-Milizen sind nach Erkenntnissen der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch für mehrere Massenexekutionen verantwortlich. So sollen sie in der Stadt Tikrit mindestens 160 Menschen erschossen haben. Aus mehreren Orten gab es Berichte über Hinrichtungen.

Frühere Chemiewaffenanlage unter ISIS-Kontrolle

Die irakische Regierung bestätigte derweil, dass die ISIS eine frühere Chemiewaffenanlage im Nordwesten Bagdads unter ihre Kontrolle gebracht hat. "Bewaffnete Terrorgruppen" seien in der Nacht zum 11. Juni in den Komplex von Muthanna eingedrungen, teilte der irakische UN-Botschafter Mohammed Ali Alhakim in einem Brief an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mit. "Überreste des früheren Chemiewaffenprogramms" befänden sich noch in der Anlage. Videoaufzeichnungen zeigten, dass Teile der Ausrüstung von den Rebellen geplündert worden seien.

Das US-Außenministerium hatte am 19. Juni erklärt, es sei unwahrscheinlich, dass die Aufständischen aus dem in Muthanna gelagerten Material noch Chemiewaffen herstellen könnten. Die Anlage 72 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Bagdad wurde nach Angaben des US-Geheimdienstes CIA unter dem irakischen Machthaber Saddam Hussein in den 1980er Jahren zur Herstellung von Senfgas und anderen Giftgasen wie Sarin verwendet.

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