Irans Präsident Ruhani bietet auf einer Pressekonferenz dem Irak Hilfe an (Bildquelle: dpa)

Kampf gegen ISIS-Truppen im Irak Iran bietet Irak Unterstützung an

Stand: 14.06.2014 14:04 Uhr

Die Menschen in Bagdad haben Angst, denn die ISIS-Kämpfer sind auf dem Weg in Iraks Hauptstadt. US-Präsident Obama stellte zwar Hilfe in Aussicht, allerdings unter schwer erfüllbaren Bedingungen. Iran sicherte dem Nachbarland Unterstützung zu.

Von Nina Amin, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Hunderte irakische Männer haben sich freiwillig zum Kampf gegen die vorrückenden Islamisten gemeldet, nachdem der schiitische Großajatollah Ali al Sistani zum Kampf gegen die Terroristen aufgerufen hat: "Wer in der Lage ist, eine Waffe zu tragen und die Terroristen zu bekämpfen, der sollte sich freiwillig melden", ließ das geistliche Oberhaupt der Schiiten nach dem Freitagsgebet verkünden.

Sistanis Forderung könnte die Spaltung zwischen Sunniten und Schiiten noch weiter verschärfen. Aus Kerbala, der Hochburg der Schiiten, südlich von Bagdad, machen sich die Männer auf den Weg in die Hauptstadt, um dort gegen die sunnitischen ISIS-Truppen zu kämpfen, falls deren Kämpfer Bagdad erreichen.

Nach einer Blitzausbildung von einem Tag wollen die Freiwilligen dann gegen die Islamisten kämpfen, die im Norden des Landes mehrere Städte regelrecht überrannt und eingenommen haben. "Wir werden die Islamisten bekämpfen, unsere Heimat und Gebiete verteidigen", sagen sie. "Die ISIS-Kämpfer können uns nichts anhaben, wir opfern unser Leben für den Irak."

Bagdad bereitet sich auf Islamisten-Angriff vor
N. Amin, ARD Kairo
14.06.2014 12:14 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Maliki holt zum Gegenschlag aus

Iraks Ministerpräsident al Maliki. (Bildquelle: AP)
galerie

Iraks Ministerpräsident al Maliki kündigt ein härteres Vorgehen gegen die ISIS-Milizen an.

Die irakische Armee kann Verstärkung gebrauchen. Viele Soldaten sind desertiert. Der irakische Regierungschef Nuri al Maliki stand dem Blitzangriff völlig hilflos gegenüber. Seit Tagen hat er sich nicht mehr öffentlich geäußert, wie er die Islamisten stoppen und das Land vor dem Auseinanderbrechen bewahren will. Jetzt veröffentlichte er eine Erklärung im Internet.  Er habe umfassende Vollmachten vom Kabinett bekommen für den Kampf gegen die Islamisten. Heute will die irakische Armee zu einem Gegenschlag ausholen. Soldaten und Polizisten seien in der Umgebung von Samara, rund 110 Kilometer, nördlich von Bagdad eingetroffen, so Maliki.  

Bagdad bereitet sich auf Islamisten-Offensive vor
tagesschau 11:15 Uhr, 14.06.2014, Thomas Aders, ARD Kairo

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Iran: "Wir werden nicht einfach zusehen"

Die Furcht vor den sunnitischen ISIS-Kämpfer bringt auch Bagdad und Teheran näher. Irans Präsident Hassan Ruhani hat der irakischen Regierung Unterstützung zu gesagt: "Wir werden nicht einfach zusehen. Wir werden keine Gewalt und keinen Terrorismus tolerieren. Wie schon gesagt: Wir sind bereit, Terroristen und Extremisten in der Region und darüber hinaus zu bekämpfen."  

Arabische Medien und das "Wall Street Journal" melden, drei Bataillone der Al-Kuds-Brigaden - das sind die Eliteeinheiten der iranischen Revolutionsgarden -  befänden sich schon seit Tagen im benachbarten Irak. Ruhani wies das zurück. Noch seien keine Truppen im Land. 

Der Iran kann sich auch eine Zusammenarbeit mit den USA vorstellen, um die Islamisten zu bekämpfen. US-Präsident Barack Obama hat den Einsatz von Bodentruppen gestern zwar ausgeschlossen, über andere Optionen werde aber in den nächsten Tagen beraten. Jede Unterstützung der irakischen Sicherheitskräfte müsse jedoch "vom ernsthaften Versuch der irakischen Regierung begleitet werden, konfessionelle Spannungen zu überwinden, die Stabilität im Land zu fördern und weiter daran zu arbeiten, eine schlagkräftige Armee aufzubauen", so Obama.

Während die USA noch über mögliche Einsätze beraten, bereitet sich die irakische Hauptstadt Bagdad auf mögliche Angriffe von Islamisten vor. Soldaten und Polizisten patrouillieren durch die wichtigen Straßen, zudem wurden zusätzliche Kontrollposten in der ganzen Stadt eingerichtet. Die Einwohner kaufen Lebensmittel und Wasser, aus Angst, was sie in den nächsten Tagen oder Stunden erwartet.

Darstellung: