Polizisten kontrollieren ein Fahrzeug in Bagdad. (Bildquelle: AP)

Bagdader fürchten ISIS-Vormarsch "Wir leben in ständiger Angst"

Stand: 13.06.2014 04:51 Uhr

Angesichts des rasanten Vormarsches der ISIS-Kämpfer im Irak haben US-Unternehmen ihre Mitarbeiter nördlich von Bagdad vorsorglich evakuiert. In der Hauptstadt selbst geraten die Bewohner zunehmend in Panik. Sie fürchten die Ankunft der Terroristen.

Von Nina Amin, ARD-Hörfunkstudio Kairo

In Bagdad decken sich die Menschen mit Gemüse, Reis und Wasser ein. Aus Angst, was sie in den nächsten Tagen erwarten wird. Aus Angst vor den militanten Islamisten, die auf dem Weg in die Hauptstadt sind.

Auch Um Mustafa ist auf dem Markt, um Vorräte einzukaufen: "Die Lage wird immer schlechter. Wir haben Angst um die Sicherheit unserer Kinder. Wir haben gehört, dass die Lebensmittelpreise steigen, aber wir wissen nicht warum. In den Provinzen finden Kämpfe statt und wir haben im Fernsehen gehört, dass die Islamisten sich auf dem Weg nach Bagdad befinden. Wir leben in ständiger Angst."

Ihre Angst ist nicht unbegründet. Irakische Medien berichten von Gefechten zwischen Sicherheitskräften und Islamisten - 60 Kilometer nördlich der irakischen Hauptstadt.

Angst vor den Islamisten in Bagdad
N. Amin, ARD Kairo
13.06.2014 04:22 Uhr

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Zudem ruft Abu Mohammed al Adnan, der Sprecher der Terrorgruppe "Islamischer Staat im Irak und Syrien", (ISIS), die Kämpfer in einer Audiobotschaft auf, in die Hauptstadt zu ziehen: "Marschiert nach Bagdad, ins Kalifat Bagdad! Wir haben eine Rechnung zu begleichen, die schon lange offen ist. Es ist an der Zeit, sie auszugleichen. Trefft die Schiiten im Morgengrauen an den Stadtmauern und lasst sie nicht zu Atmen kommen." Wie glaubwürdig die Drohung ist, ist schwer überprüfbar. Sie wurde auf einer extremistischen Webseite veröffentlicht.

Die Terrorgruppe ISIS hat aber in den vergangenen Tagen gezeigt, wie ernst sie es meint. Innerhalb weniger Tage haben die Kämpfer große Gebiete des Landes eingenommen. Die zweitgrößte Stadt Mossul haben die Extremisten förmlich überrannt. Irakische Sicherheitskräfte sind vor ihnen geflohen.

Sunnitische Extremisten offenbar kurz vor Bagdad
tagesschau24 10:00 Uhr, 13.06.2014, Wibke Harms, ARD-aktuell

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Am meisten leidet die irakische Bevölkerung. Eine Million Menschen sollen laut Hilfsorganisationen im ganzen Land auf der Flucht sein. Allein aus der von Islamisten besetzten Millionenstadt Mossul im Norden sind Hunderttausende auf der Flucht - so wie Aliya Mohammed: "Es ist schrecklich. Wir konnten nicht schlafen. Jede Nacht haben wir Kämpfe, Flugzeuge und Mörsergranaten gehört. Der Strom fiel aus. Und es gab kein Wasser mehr. Deshalb sind wir aus Mossul geflohen."

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Die Massenflucht aus der irakischen Stadt Mossul

Flucht aus Mossul

Mehr als eine halbe Million Menschen sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) auf der Flucht aus der Region um die zweitgrößte irakische Stadt Mossul. (Bildquelle: REUTERS)

Sunniten und Kurden meiden Schiit Maliki

Regierungschef Nouri al Maliki scheint dem Vorrücken der Islamisten hilflos gegenüber zu stehen. Gestern scheiterte er mit dem Versuch, den Ausnahmezustand verhängen zu lassen. Vor allem Abgeordnete der sunnitischen und kurdischen Fraktionen boykottierten die Parlamentssitzung, in der die Verhängung des Notstands beschlossen werden sollte. Sie kamen erst gar nicht.

Denn - wie viele Iraker - wollen sie Maliki gar keine weiteren Befugnisse zusprechen. Sie fürchten, dass er sie nachher nicht mehr abgeben will. Schon zu oft hat der Schiit die Sunniten seines Landes diskriminiert. Das hat den Extremismus erst befördert. Und die militanten Islamisten, die selbst sunnitisch sind, erst richtig stark gemacht.

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