Archiv: Gerettete Flüchtlinge | Bildquelle: picture alliance / dpa

Viele Tote vor Jemens Küste Schlepper stößt Flüchtlinge über Bord

Stand: 10.08.2017 00:58 Uhr

Vor der Küste des Jemen hat sich nach UN-Angaben ein außergewöhnlich schwerer Fall von Schlepperkriminalität ereignet. Ein Mann habe 50 Flüchtlinge über Bord eines Bootes gestoßen, berichten Augenzeugen. Mindestens 29 Menschen ertranken.

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind vor der Küste des Jemen mindestens 29 Flüchtlinge ums Leben gekommen. Sie seien ertrunken, nachdem ein Schlepper sie ins Meer gestoßen hätte, erklärte die IOM unter Berufung auf Augenzeugen.

"Schockierend und inhuman"

"Der Schlepper hat die Migranten absichtlich ins Wasser gestoßen, weil er fürchtete, beim Erreichen der Küste aufgegriffen zu werden", teilte die IOM mit. Dann sei der Schlepper wieder nach Somalia zurückgekehrt, um neue Migranten an Bord zu nehmen, sagten die Überlebenden nach Angaben des Leiters der IOM-Mission im Jemen, Laurent de Boeck.

Die UN-Behörde nannte die Tat "schockierend und inhuman". Nach Einschätzung der IOM waren die Flüchtlinge auf dem Boot im Schnitt 16 Jahre alt. Unter den Toten und Vermissten sind demnach viele Kinder.

Die überlebenden Flüchtlinge hätten die Leichen notdürftig an einem Strand in der südlichen Provinz Schabwa verscharrt. Mindestens 22 Menschen würden noch vermisst. Insgesamt befanden sich auf dem Schiff demnach mehr als 120 Flüchtlinge aus Somalia und Äthiopien.

Viele Flüchtlinge im Bürgerkriegsland Jemen

Im Jemen kämpfen seit Jahren schiitische Huthi-Rebellen gegen Truppen der sunnitischen Regierung. Der Bürgerkrieg hat das bitterarme Land auf der arabischen Halbinsel in eine schwere Krise gestürzt. Dennoch kamen nach IOM-Schätzungen bisher rund 55.000 Migranten vom Horn von Afrika über das Rote Meer und den Golf von Aden. Teils hoffen sie auf Arbeit in den wohlhabenden Golfstaaten, teils flüchten sie vor Konflikten in ihren Heimatländern.

Schlepper sollen Flüchtlinge vor der Küste des Jemen ins Meer gestoßen haben
Michael Lohse, ARD Kairo
10.08.2017 13:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. August 2017 um 06:00 Uhr.

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