Dilek Mayatürk-Yücel im Interview | Bildquelle: ARD-Studio Istanbul

Yücel in türkischer Haft "Es muss endlich etwas passieren"

Stand: 29.11.2017 16:20 Uhr

Wann kommt Bewegung in den Fall des in der Türkei inhaftierten Journalisten Yücel? Seit März wartet er auf einen Prozess. Yücels Ehefrau schildert die Lage ihres Mannes und die eigenen Sorgen, dass die Einzelhaft Spuren hinterlassen könnte.

ARD-Studio Istanbul: Wann konnten Sie Ihren Mann zuletzt sehen und wie geht es ihm?

Dilek Mayatürk-Yücel: Am Montag habe ich ihn besucht. Es geht ihm ganz gut. Er versucht, sich immer zu beschäftigen, macht Sport, liest Bücher. Aber es gibt immer noch keine Anklageschrift, keinen Prozess - darauf warten wir. Daher ist die Situation schwierig. Aber Deniz sagt immer: Ich hab meinen Job sehr gut gemacht und deswegen bin ich hier. Wir unterstützen ihn, alle seine Freunde, das gibt ihm viel Kraft.

ARD-Studio Istanbul: Wie sieht der Gefängnisalltag für Ihren Mann aus?

Dilek Mayatürk-Yücel: Deniz sitzt seit dem 1. März in Einzelhaft. Das heißt: Er sitzt allein in seiner Zelle, er macht alleine Sport. Er darf nur uns, also die Familie und seine Anwälte sehen, niemanden sonst. Einzelhaft ist wie Folter, und das könnte natürlich langfristige Auswirkungen auf ihn haben.

ARD-Studio Istanbul: Viele Leute schreiben Briefe an Ihren Mann. Kommen die bei ihm an?

Dilek Mayatürk-Yücel: Das ist ein wenig kompliziert. Eigentlich müsste er alle Briefe bekommen. Aber die Kommission, die die Briefe überprüft, hat gesagt, die Briefe müssen auf Türkisch sein. Deswegen lässt die Welt (Anm. d. Red.: Tageszeitung "Die Welt" für die Deniz Yücel arbeitet) die Briefe übersetzen und schickt sie dann an Deniz.

Ich weiß genau, wie viele Briefe bisher an ihn geschrieben wurden, aber er erhält nicht alle - nur ab und zu bekommt er welche. Ich selbst schreibe zehn Briefe in einer Woche.

ARD-Studio Istanbul: Was schreiben die Leute Ihrem Mann?

Dilek Mayatürk-Yücel: Deniz schreiben viele Leute, die ihn persönlich gar nicht kennen. Das ist wirklich sehr wichtig für ihn. Überlegen Sie mal: Leute, die Deniz gar nicht kennen, schreiben von irgendwo auf der Welt, um ihm zu zeigen, dass sie ihn unterstützen. Das gibt ihm Kraft.

ARD-Studio Istanbul: Mittlerweile ist die Stellungnahme der Türkei vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingegangen. Dort hatte Ihr Mann Beschwerde gegen seine Inhaftierung eingelegt. Damit könnte Bewegung in den Fall kommen.

Dilek Mayatürk-Yücel: Nach fast 300 Tagen ist das nur ein erster Schritt. Unsere Anwälte haben alles, was in der Türkei möglich war, unternommen und trotzdem gibt immer noch keine Anklageschrift. Die Isolationshaft ist ein Verstoß gegen die Menschenrechte. Es muss endlich etwas passieren.

Das Interview führten Oliver Mayer-Rüth und Katharina Willinger

Über dieses Thema berichtete der NDR am 15. November 2017 um 23:20 Uhr in der Sendung "ZAPP". Am 06. Dezember 2017 um 22:45 Uhr befasst sich die ARD in einem "Weltspiegel extra" mit diesem Thema.

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