Ägyptens Präsident Al-Sisi | Bildquelle: AP

Al-Sisi zu Terrorbekämpfung "Deutschland kann mehr Druck ausüben"

Stand: 14.06.2017 08:52 Uhr

Deutschland soll den Druck auf Staaten erhöhen, die Terrorismus unterstützen. Das forderte der ägyptische Präsident Al-Sisi im ARD-Interview. Ob er konkret Katar meinte, ließ er offen. Ägyptens Führung wirft dem Emirat Terrorismus-Unterstützung vor.

Von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo, z.Zt. Berlin

Lächelnd, freundlich und ruhig - so zeigte sich Ägyptens Staatsoberhaupt Abdel Fattah al-Sisi im Interview. Das stand ganz im Zeichen der Konferenz G-20-Afrika-Partnerschaft, zu der Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Berlin eingeladen hatte. Es ging um illegale Migration von Afrika über das Mittelmeer nach Europa, Fluchtursachenbekämpfung und wirtschaftliche Entwicklung von Staaten wie Nigeria, Burkina Faso, Senegal oder eben Ägypten.

Korrespondenten von ARD und Deutschlandfunk im Gespräch mit dem ägyptischen Präsidenten Al-Sisi.
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Korrespondenten von ARD und Deutschlandfunk im Gespräch mit dem ägyptischen Präsidenten Al-Sisi.

Al-Sisi sprach allerdings auch über die Menschenrechte in seinem Land sowie über die Presse- und Meinungsfreiheit. Zentrales Thema des Interviews, das der Präsident ARD und Deutschlandfunk gab, war der islamistische Terrorismus. Al-Sisi wandte sich direkt an die deutsche Öffentlichkeit, um sie vor Terrorismus zu warnen.

Terrorismus nicht nur militärisch bekämpfen

Dabei sei es wichtig, nicht allein an den IS zu denken; jede Form extremistischen Gedankengutes sei eine Bedrohung. Daher dürfe es auch nicht allein darum gehen, den Terrorismus mit militärischen Mitteln zu bekämpfen, so al-Sisi. "Es geht nicht nur um eine militärische Bekämpfung des Terrorismus, nicht darum, militärische Unterstützung aus Deutschland zu bekommen", so der Präsident. Deutschland könne Druck ausüben auf die Länder, die diese extremistischen Gruppen finanzierten und unterstützten.

Interview mit dem ägyptischen Präsident Al-Sisi (gekürzt)
B. Blaschke, ARD Kairo
14.06.2017 08:52 Uhr

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"Denn woher haben diese Gruppen oder Organisationen ihr Geld? Woher bekommen sie illegal die Waffen und die Sprengstoffe? All das kostet viel Geld. Woher bekommen sie all diese Gelder, Geräte und Ausstattungen?", so al-Sisi. "Wichtig ist, dass wir eine klare und starke Botschaft an all die Länder senden, die diese Organisationen unterstützen. Wir müssen Mechanismen entwickeln. Da muss es auch einen internationalen Willen geben, den Terrorismus, die radikalen Gruppen und das extremistische Denken nicht zu finanzieren.“

Finanzflüsse austrocknen

Die Finanzflüsse für die Terrororganisationen müssten ausgetrocknet werden, so Ägyptens Präsident weiter. Und einzelne Staaten, die extremistische Gruppen unterstützten, sollten davon abgebracht werden: "Die Länder, um die es geht, wissen, wer gemeint ist". Er nenne keine bestimmten Länder, aber durch die Arbeit der Geheimdienste wissen alle Länder, woher diese Unterstützung und die Finanzierung für das extremistische Gedankengut und die Terrororganisationen kämen, sagte al-Sisi. "Es sollte im Interesse der internationalen Gemeinschaft sein, klare Mechanismen zu entwickeln, um diese Länder zu kontrollieren, damit das Geld nicht mehr in die Hände von Terror-Organisationen gelangt."

Al-Sisi will Katar im Interview zwar nicht direkt benennen, aber sowohl Ägyptens Führung als auch einige arabische Herrscher werfen Katar Terrorismus-Unterstützung vor. Genau deshalb brach vor kurzem diese Allianz - zu der auch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate zählen - die diplomatischen Beziehungen zu Katar ab.

Außerdem sperrten diese Staaten ihre Lufträume für Flugzeuge von Qatar Airways. Und nicht nur das: Saudi-Arabien, mit dem sich Katar seine einzige Landgrenze teilt, hält die Schlagbäume geschlossen; weder Pkw noch Lkw kommen mehr durch. Aber droht der Region nicht durch diese Blockade-Politik weitere Destabilisierung? Diese Einschätzung teile al-Sisi nicht. "Das wäre ein großer Fehler. Die Einheit und Stabilität der Länder ist wichtig. Aber noch wichtiger ist es, den Terrorismus zu bekämpfen."

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel warnte vor wenigen Tagen, die Krise am Golf könnte in einen Krieg münden. Ägyptens Präsident hatte da eine andere Meinung: "Nein. Ich erwarte keinen Krieg."

Das gesamte Interview mit Präsident al-Sisi zum Nachhören:

Interview mit dem ägyptischen Präsident Al-Sisi
B. Blaschke, ARD Kairo
14.06.2017 08:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Juni 2017 um 08:16 Uhr.

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