Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.

28.05.2012

ARD-Logo

Suche in tagesschau.de

Hauptnavigation
Multimedia
Inhalt
Ausland
Hintergrund-Banner
Internet und SMS im US-Wahlkampf
Internet und SMS im US-Wahlkampf

Obama, der Datensammler

MyBarackObama.com - für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Obama ist die Website zentraler Bestandteil seiner Kampagne. Rund eine Million Anhänger haben sich dort mit Maildresse oder Handynummer registriert: ein Datenschatz, dessen Wert Marketing-Experten auf 200 Millionen Dollar schätzen.

Von Jan Hendrik Becker für tagesschau.de

Vielleicht gelang es Barack Obama bei seiner Rede vor 80.000 Zuhörern im Stadion von Denver die Ruhe zu bewahren, weil er sein Publikum kannte. Von den meisten Anwesenden hatte er die Telefonnummer. Ganz ähnlich war es vor gut einer Woche, als vor einem Restaurant in Chicago wartende Journalisten ihre Mobiltelefone über dem Kopf schwenkten wie aufgeregte Teenager beim Konzert einer Boyband und riefen "Wo ist die SMS?" Auch sie hatten zuvor ihre Telefonnummern an den im Restaurant sitzenden demokratischen Präsidentschaftskandidaten und dessen Kampagne weitergegeben. Das Versprechen: Sie würden so als erste erfahren, wen Obama sich als Vizepräsidenten ausgesucht hatte.

Obama akzeptiert Präsidentschaftskandidatur (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Obama in Denver: Der demokratische Präsidentschaftskandidat und sein Stab setzen im Wahlkampf verstärkt auf moderne Informationstechnologien. ]
Vom Nachrichtensprecher bis zum Obama-Fan in Texas - mehr als eine Million potenzieller Wähler hatten sich deshalb bereits vor dem Parteitag der Demokraten auf MyBarackObama.com (MyBO) registriert. Auch wenn am Ende die Fernsehsender die Nachricht doch als Erste brachten: Die 26 Wörter, mit denen Obama Joe Biden vorstellte, waren für die Analysten von Nielsen Marketing "die größte mobile Marketing-Aktion der Geschichte". Insgesamt seien 2,9 Millionen Menschen damit erreicht worden, schätzen sie.

"Strenge Sicherheitsrichtlinien"

Obamas Website Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Barack Obamas Internetauftritt: Kein Problem, sich für SMS-Wahlkampfmitteilungen registrieren zu lassen. ]
"Die Menschen haben sich einfach dafür entschieden, dass sie es uns ermöglichen wollen, mit ihnen per SMS oder Email in Kontakt zu treten", erklärt Obamas Kampagnenmanager Nick Shapiro im Gespräch mit tagesschau.de. Das Anmeldeverfahren ist dabei so einfach wie bei den populären Netzwerk-Plattformen MySpace oder Facebook: Namen, Telefonnummer, Wohnort, Email - und schon ist man Teil des bunten Netzwerks: Mehr als 75.000 über die Plattform organisierte Events, über 200 Millionen Dollar online gesammelten Spenden: Da kommt einiges an persönlichen Daten zusammen. "Unsere Datenverarbeitung folgt strengen Sicherheitsrichtlinien, verschlüsselt Daten und speichert weder Kreditkarten- noch Sozialversicherungsnummern" erklärt Shapiro. Er zitiert damit fast wortgleich die Datenschutzerklärung der Website. Damit seien die persönlichen Daten auch gegen unberechtigte Zugriffe von Außen geschützt.

Shapiros Vorsicht hat einen Grund: Jeder Fehler würde großes Aufsehen erregen, erklärt Sicherheitsexperte Bruce Schiefer: "Daher hoffe ich natürlich, dass sie ihr Möglichstes tun." Aber "die Jungs - sind ganz generelll gesagt - technisch auf der Höhe", meint er. Das Grundkonzept von MyBO stammt dabei aus dem Jahr 2004, aus dem Werkzeugkasten der Kampange des gescheiterten demokratischen Präsidentschaftsbewerbers Howard Dean. Barack Obamas Team fasste SMS-, Telefon- und Spendenfunktionen auf einer Seite zusammen und passte die Website an die veränderte Internetlandschaft an, in der mehr Menschen dauerhaft und mit schnellen Anschlüssen online sind. 55 Prozent der amerikanischen Haushalte verfügen nach Angaben der Stanford University inzwischen über einen Breitband-Zugang, doppelt so viele 2004.

JohnMcCain.com: 2000 vorn - jetzt fast verwaist

John McCains Website Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: John McCains Website: Der designierte republikanische Präsidentschaftskandidat schreibt, wie er selbst, sagt keine E-Mails. ]
Auch die Kampagne von John McCain kommt an diesen Tatsachen nicht vorbei. Bei den republikanischen Vorwahlen im Jahr 2000 hatte McCain technologisch vor seinen Wettbewerbern gelegen und unter anderem eine Online-Spendenaktion abgehalten. 2008 bietet seine Website JohnMcCain.com natürlich auch soziale Netzwerk-Funktionen an. Allerdings sagt der Kandidat von sich selbst in Interviews, dass er keine E-Mails schreibt. Sein Netzwerk bezeichnen Blogger dementsprechend als "unmöglich zu nutzen und größtenteils verlassen".

Daten dürfen weitergeben werden

Auch wenn die Daten der Seiten von McCain und MyBO gegen Zugriffe von außen ähnlich gesichert sind wie kommerzielle Seiten - die Nutzungsbedingungen schließen eine Weitergabe von Namen, Telefonnummern und Spendensummen an Dritte ausdrücklich nicht aus: "Um unsere Ziele zu unterstützen, können persönliche Daten auch anderen Organisationen mit ähnlichen politischen Ansichten und Zielen zugänglich gemacht werden", heißt es bei MyBO. Eine ähnliche Formulierung findet sich bei JohnMcCain.com.

Für sich genommen seien Namen, Spendensummen und Telefonnummern relativ wertlos, erklärt Tim Sparapani, Experte für Datensicherheit der amerikanischen Bürgerrechtsorganisation ACLU: "Gerade die im Internet aktiven Nutzer haben schon viel digitale DNA im Netz hinterlassen." Erst wenn die einzelnen Angaben sinnvoll miteinander in Beziehung gesetzt werden, verwandeln sich die Ziffern und Zahlen zu Gold in der Datenbank. "Eine Website, die das einfache Ernten, Auswerten und in Bezug setzen von Daten ermöglicht - das ist die Zukunft der politischen Kampagne“, sagt Sparapani.

Der Schatz für die nächste Phase

SMS (Foto: t info GmbH) [Bildunterschrift: Post von Obama? Wer bislang viel für den Wahlkampf gespendet hat, könnte in Kürze häufiger Nachrichten bekommen ]
Der große Vorteil der Demokraten: In der kommenden Phase des Wahlkampfs kann die Kampagne die öffentlich erhältlichen Informationen über die Wähler mit den eigenen Daten von MyBO kombinieren. Für Nutzer, die viel gespendet und vielleicht sogar eine Barack-Obama-Party zu Hause organisiert haben, wird es deshalb wohl noch häufiger "Sie haben Post" heißen. Ob per Email oder Anruf - wahrscheinlich ist, dass sie nun aufgefordert werden, die zwar bei MyBO registrierten, aber weniger aktiven Mitglieder in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft persönlich anzusprechen, damit diese auch im November zur Wahl gehen.

Direkt gefragt, drückt sich Kampagnenmanager Shapiro zurückhaltend aus: "Dieselben Menschen die in dieser Kampagne mitgeholfen haben, werden auch in Zukunft helfen, den Wandel zu bringen, den wir brauchen."

Daten für 200 Millionen Dollar

Der Republikaner Bill McIntyre, Vizepräsident von Grass Roots Inc., einer Marketing-Firma in Washington, die auf die Beratung von politischen Kampagnen spezialisiert ist, schätzte im Interview mit dem Wirtschaftsdienst Bloomberg, dass die gesammelten Daten der Demokraten bis zu 200 Millionen Dollar wert sind. Dieser Schatz in der Datenbank wird sicher auch nach dem Wahltag eingesetzt, erwarten Experten - für Spendenaufrufe und Aufforderungen, Senatoren in bestimmten Fragen direkt anzuschreiben zum Beispiel.

Dank der sozialen Netzwerke kennen die Demokraten ihre Unterstützer besser als je zuvor - und das kostengünstiger als es jemals per Befragung möglich war. So wird ein Versprechen der Kampagne in jedem Fall wahr: "Es ist sicher, dass die Beziehungen, die Barack Obama zu seinen Unterstützern und die Unterstützer untereinander aufgebaut haben, nicht mit dem Tag der Wahl enden werden". Das gilt auch für die Daten.

Stand: 19.09.2008 18:07 Uhr
 

© tagesschau.de

tagesschau.de ist für den Inhalt externer Links nicht verantwortlich.

Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW