Instant-Nudelsuppe in China | Bildquelle: picture alliance / dpa

China Fertig-Nudelsuppe in der Krise

Stand: 12.01.2018 12:38 Uhr

In China gehört die Fertig-Nudelsuppe zum Alltag. Doch immer mehr Menschen verlieren den Appetit auf das unkomplizierte Gericht.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Die Fertig-Nudelsuppe ist quasi das belegte Brötchen Chinas: klassischer Snack und überall zu bekommen. Hungrige kaufen die Instant-Nudelsuppe meist gefriergetrocknet in einem großen Pappbecher und gießen sie mit heißem Trinkwasser auf. Die Chinesen essen die Suppe einfach überall - bislang.

Jetzt schlägt die "World Instant Noodle Association" Alarm: Die Verkäufe seien seit 2013 um fast 20 Prozent eingebrochen. Um rund acht Milliarden Verkaufs-Pakete ist der Konsum von Instant-Nudelsuppen zurückgegangen. In China werden zwar immer noch rund 38 Milliarden Packungen jährlich verkauft, aber echte Fans wie die 30-jährige Guo Yan werden weniger. Sie sitzt zum Mittagessen in einem Schnellrestaurant in Peking. "Ich habe regelmäßig das Verlangen danach, Fertig-Nudelsuppen zu essen. Gerade am vergangenen Freitag. Da wollte ich einfach nichts anderes essen", sagt sie. "Aber zugegeben: als ich jünger war, war mein Verbrauch an Fertig-Suppen noch deutlich höher."

Absatz sinkt

Für Schüler, Studenten, Bahnreisende und vor allem Wanderarbeiter gehört die Fertig-Nudelsuppe in China zum Alltag. Kochendes Trinkwasser ist leicht zu bekommen. Und jeder kleine Laden, ob am Bahnhof oder am Flughafen, verkauft die günstigen Nudel-Pakete. Aber der Absatz geht stetig zurück, sagt Zhao Ping, Direktorin an der Akademie für Handel in Peking. "Der wichtigste Grund ist das sich ändernde Konsumverhalten. Viele Chinesen wollten heute frische Sachen essen, nahrhaft und gesund. Aber Instant-Nudeln sind einfach Fastfood", sagt sie. Die Konsumenten in China aber wollten frisches Fleisch und frisches Gemüse. "Die Fertigsuppe ist den Leuten nicht mehr nahrhaft genug."

Instant-Nudelsuppe in China | Bildquelle: picture alliance / Phanie
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Der Absatz von Fertig-Nudelsuppen in China sinkt.

Chinesen essen bewusster

Die Chinesen sind gesundheitsbewusster geworden. Auch, weil viele es sich heute leisten können. Bis zu 400 Millionen Menschen zählen in China mittlerweile zur Mittelschicht. Die wirtschaftliche Entwicklung ist auch in der Küche angekommen, sagt Expertin Zhao Ping. "Wenn die Leute mehr Geld haben und reicher werden, essen sie auch gesundheitsbewusster. Viele Kunden verabschieden sich deshalb von den Instant Nudeln."

Gut essen wird einfacher

Es geht nicht mehr nur darum satt zu werden, sondern gut zu essen. Und gut essen ist in China so einfach und bequem wie noch nie. Alles kann per Smartphone-App bestellt werden und kommt in wenigen Minuten. Zur Mittagszeit muss man in Peking aufpassen, nicht von einem der vielen Essensauslieferer auf ihren lautlosen Elektrorollern umgefahren zu werden.

Auch Guo Yan bestellt mittlerweile mehr per Handy als dass sie fertige Nudelsuppen schlürft. "Essen per Lieferservice – das ist heute in China die beliebteste Art, an Essen zu kommen." Man müsse nicht mehr raus, alles werde einem gebracht. "Das ist bequem und spart Zeit.“ Beides Faktoren, die auch für Fertig-Nudelsuppen gelten. Aber wenn gesundes Essen für wenige Yuan in 15 Minuten gebracht wird – dann hat es die Tütensuppe schwer. Ein Ende der Krise ist nicht in Sicht. Denn in China sinkt auch die Zahl der Wanderarbeiter, das waren bislang die treuesten Kunden.

Abgeschmiert: Chinas Fertig-Nudelsuppen in der Krise
Axel Dorloff, ARD Peking
12.01.2018 12:42 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 12. Januar 2018 um 07:16 Uhr.

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