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Attacken auf NATO-Soldaten

Gefahr von innen in Afghanistan

Die NATO-Soldaten in Afghanistan werden zunehmend von afghanischen Sicherheitskräften angegriffen, in diesem Jahr gab es bereits 51 Opfer. Das wird zu einer Belastung für die Strategie der NATO, bis Ende 2014 die Verantwortung für die Sicherheit im Land ganz auf die heimischen Kräfte zu übertragen.

Von Birgit Schmeitzner, SWR-Hörfunkstudio Brüssel

"Insider-Attacken", Innentäter - so bezeichnet es die NATO, wenn afghanische Soldaten oder Polizisten ihre ausländischen Ausbilder angreifen. Zwischenfälle, die zunehmen. Und die, so NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen, das Vertrauen untergraben haben. Eine Entwicklung, die nach Ansicht der Militärs allerdings nicht aus dem Nichts kommt.

"Es war für uns immer absehbar, dass diejenigen, die verhindern wollen, dass Afghanistan zu einem befriedeten Land wird, sich den Zeitpunkt für solche Angriffe genau aussuchen", sagt General Manfred Lange, Chef des Stabes im NATO-Hauptquartier für Europa. "Sie wollen Zweifel säen, sie wollen die Ausbildung verhindern, sie wollen Misstrauen säen. Dass das nicht vor zwei oder drei Jahren so intensiv geschah, sondern heute - das ist für uns nicht überraschend."

Jeder Zwischenfall sät Misstrauen

Aber dennoch: Jeder Verwundete, jeder Tote ist ein Problem. Jeder Zwischenfall sät Misstrauen, und wird zu einer Belastung für die Strategie der NATO, bis Ende 2014 die Verantwortung für die Sicherheit im Land ganz auf die heimischen Kräfte zu übertragen.

Afghanische Soldaten übernehmen das Kommando
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In sieben Regionen haben bereits die afghanischen Sicherheitskräfte das Kommando übernommen.

Schon werden bei Experten für Krisenmanagement Befürchtungen laut, dass das Land nach dem Abzug der kämpfenden NATO-Soldaten im Chaos versinkt. Anlass zur Sorge sieht auch der deutsche Verteidigungsminister Thomas de Maizière: "Die Strategie der Taliban soll ins Herz der Ausbildung und des Partnering treffen und soll die ganze Strategie unterminieren", sagt der Minister. "Die wissen schon, was sie tun. Umso mehr darf dieses Vorgehen keinen Erfolg haben."

An der Strategie der NATO - ein Auslaufen der Kampfmission, die Übergabe der Verantwortung an die Afghanen bis Ende 2014 und eine Ausbildungsmission im Anschluss - wird also nicht gerüttelt. Dieser Prozess wird sich hinziehen, das Problem der Innentäter muss aber bald in den Griff bekommen werden.

Haben die Taliban die afghanischen Sicherheitskräfte infiltriert?

Als erste Maßnahme wurden gemeinsame Einsätze von NATO-Soldaten mit afghanischen Soldaten stark eingeschränkt. Es wird überprüft, ob beim Betreten und Verlassen von militärischen Einrichtungen genug auf Sicherheit geachtet wird, Und ob man bei der Rekrutierung von afghanischen Soldaten oder Polizisten deren Vorleben gründlich genug durchleuchtet hat. "Wir müssen alles uns Mögliche tun, unsere eigenen Soldaten zu schützen", sagt de Maizière. "Dafür gibt es entsprechende Regeln, nicht alle davon sind öffentlich zu machen. Wir werden die Sicherheitsüberprüfung auch der afghanischen Sicherheitskräfte erhöhen. Und es wird sehr genau untersucht, ob es Gemeinsamkeiten bei der Tatausführung gibt."

NATO berät über Problem der Insiderattacken
B. Schmeitzner, BR Brüssel
10.10.2012 06:01 Uhr

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Wenn sich da Muster ergeben, so ist sich Verteidigungsminister de Maizère sicher, kann man Konsequenzen ziehen und sich leichter schützen. Die Nato hatte lange Zeit Insiderattacken als Einzelfälle dargestellt, sie mit individuellen Problemen der Täter erklärt, mit kulturellen Missverständnissen. Mit der Häufung der Fälle kam aber immer lauter die Frage auf, ob es den radikalislamischen Taliban nicht doch gelungen ist, die afghanischen Sicherheitskräfte zu infiltrieren.

Dieser Beitrag lief am 10. Oktober um 07:33 Uhr bei Deutschlandradio Kultur

Stand: 10.10.2012 05:54 Uhr

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