Moskitos in einem IAEA-Labor bei Wien | Bildquelle: dpa

IAEA-Labor macht Mücken unfruchtbar Wie Atomforscher im Kampf gegen Zika helfen

Stand: 14.02.2016 03:19 Uhr

Die Lösung für das vor allem in Brasilien grassierende Zika-Virus könnte in der Nähe von Wien liegen - in einem Labor der Atomenergiebehörde IAEA. Denn die Forscher nutzen ihr Know-how auch, um Insekten unfruchtbar zu machen, die Krankheiten übertragen.

Von Stephan Ozsváth, ARD-Studio Wien

Der Leiter des IAEA-Labors, Marc Vreysen | Bildquelle: dpa
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Marc Vreysen ist Leiter des IAEA-Labors.

Marc Vreysen zeigt auf ein zwei Meter hohes Metallgestell. Darin sind Plastikschalen, 100 pro Quadratmeter. Hier züchten die 45 Forscher der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA Moskitos. Die Bedingungen sind ideal - wie in einer Regentonne in Brasilien: Hohe Luftfeuchtigkeit, bei etwa 30 Grad. Hier fühlt sich die Brut der Ägyptischen Tigermücke wohl, die das Zika-Virus überträgt.

"Wenn Sie pro Tag zehn Millionen sterile Männchen produzieren wollen, brauchen Sie drei solcher Räume. Wir haben eine Methode entwickelt, um sehr viele Moskitos zu züchten, mit wenig Aufwand", erklärt Vreysen, der Leiter des IAEA-Labors zur Kontrolle von Insektenplagen.

Netzkäfige, in denen Moskitos gehalten werden, in einem IAEA-Labor bei Wien | Bildquelle: dpa
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In den Käfigen von der Größe eines Schuhkartons schwirren die Moskitos

Nur über Schleusen lassen sich die Räume des Labors in Seibersdorf, etwa 40 Kilometer südlich von Wien, betreten. Es ist warm, süßlich-fauliger Geruch hängt in der Luft. Plastikvorhänge dichten die kleinen Labors ab. In einem winzigen Raum hängen mit Gaze verkleidete Paneele, in Schuhkarton-großen Käfigen schwirren Moskitos.

Unfruchtbar durch Bestrahlung

Die Weltgesundheitsorganisation hat wegen Zika den Notstand ausgerufen. Denn in Brasilien werden immer mehr Babys mit zu kleinem Gehirn geboren. Schuld daran soll das Zika-Virus sein.

Im Kampf gegen Zika und andere Tropenkrankheiten wirbt die Atomenergiebehörde für ihre Methode. Dabei werden zuerst die Mücken gezüchtet, anschließend werden Männchen und Weibchen getrennt. In einem eigenen Raum des IAEA-Labors werden die Männchen dann mittels Radioaktivität unfruchtbar gemacht und später frei gelassen.

"Das ist Geburtenkontrolle, eine Art Familienplanung"

"Wir wollen, dass sie in Konkurrenz zu wilden Männchen treten und sich mit Weibchen paaren", erklärt Mikrobiologe Konstantinos Bourtzis. "Da sie steril sind, gibt es keine Nachkommen. Anders ausgedrückt: Das ist Geburtenkontrolle, eine Art Familienplanung."

Moskitos in einem der Käfige | Bildquelle: dpa
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Weibchen und Männchen müssen in einem komplizierten Prozess getrennt werden.

"Eine Herausforderung für uns ist, dass wir die Weibchen zu hundert Prozent herausfiltern müssen, da sie die Krankheiten übertragen", erklärt Laborleiter Vreysen. "Wir wollen nur die Männchen freilassen. Das ist ein mühsamer, langer Prozess."

Aber wie filtern die Forscher die männlichen Tiere heraus? Eine Methode ist: Filtern nach Größe. Wissenschaftler Hamidou Maiga aus Burkina Faso schüttet Wasser mit Larven zwischen zwei Glasscheiben, der Spalt kann mittels Schrauben verkleinert werden. "Sie sehen hier die Larven", sagt er. "Erst die Männchen in der ersten Linie, mit entsprechender Größe - und dann die Weibchen, die sind größer." Eine andere Art ist: Weibchen mit präpariertem Blut vom Schlachthof füttern. Denn nur die Weibchen saugen Blut und sterben dann.

Seit über 50 Jahren schon forschen IAEA und das UN-Agrarprogramm FAO an Insekten wie Fruchtfliegen, Tsetsefliegen oder Mücken. Plagen, die nicht nur die Landwirtschaft schädigen, sondern auch den Menschen. Denn die Tiere übertragen Malaria, Dengue-Fieber, Zika und Schlafkrankheit. Die Bestrahlungstechnik funktioniert, das haben Tests bewiesen. Sansibar etwa ist seit 20 Jahren frei von Tsetsefliegen.

Mit Radioaktivität gegen Zika
S. Ozsváth, ARD Wien
14.02.2016 00:36 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 14. Februar 2016 um 12:50 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

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