Die Infantin Cristina, Schwester von König Felipe VI. | Bildquelle: dpa

Prozessauftakt in Palma de Mallorca Infantin Cristina erstmals vor Gericht

Stand: 11.01.2016 17:25 Uhr

Erstmals wird einem Mitglied des spanischen Königshauses der Prozess gemacht: Infantin Cristina, Schwester von König Felipe, soll ihrem Mann beim Steuerbetrug geholfen haben. Heute erschien sie vor dem Gericht in Palma.

Von Daniel Sulzmann, ARD Madrid, zzt. Palma de Mallorca

Ankunft der Angeklagten vor dem Gerichtsgebäude: Das Auto fährt vor, Iñaki Urdangarin und seine Frau Cristina steigen aus, mit sehr ernsten Gesichtern, ein scheuer Gruß. Das war's. Kein Wort zu den wartenden Reportern, der ganze Vorgang dauert 14 Sekunden. Dann sind die beiden im Gerichtsgebäude verschwunden.

Steuerhinterziehung, Geldwäsche, Betrug, Untreue, Bestechung - all das spielt eine Rolle im Verfahren in Palma de Mallorca mit weiteren 16 Angeklagten. Cristina de Bourbon y Grecia, wie die Schwester des Königs offiziell heißt, soll ihrem Mann zumindest bei der Steuerhinterziehung geholfen haben.

"Die kommen ungeschoren davon"

Jeder auf Mallorca und heute in Spanien interessiert sich für den Prozess. "Das ist das Thema heute", sagt diese Frau. Und das Zimmermädchen im Hotel ergänzt: "Die werden ganz ungeschoren davonkommen, gar nichts wird denen passieren, diese Leute werden mit ihnen gar nichts veranstalten."

Urdangarin, der mit seiner Sportstiftung sechs Millionen Euro öffentlicher Gelder mit Scheinrechnungen veruntreut haben soll, drohen 22 Jahre Haft. Cristina, die Schwester des Königs, hatte immer gesagt, dass sie unschuldig sei. Sie habe die Papiere und Rechnungen ihres Mannes einfach unterschrieben.

Mögliches Schlupfloch für Cristina

Ein Schlupfloch für Cristina - das erste Mitglied des spanischen Königshauses, das vor Gericht steht - könnte die Doktrin "Botin" sein. Derzufolge kann das Verfahren eingestellt werden, wenn der Staatsanwalt keine Anklage erhoben hat. Genau das ist bei ihr der Fall.

So kann Cristina de Bourbon y Grecia darauf hoffen, nicht ins Gefängnis zu müssen. Das liegt pikanterweise in Sichtweite des Verhandlungssaals - so als ob die Justiz den Angeklagten schon mal zeigen wollte, was da auf sie zukommen kann. Der Prozess dauert aber vermutlich noch bis Juni. Die Angeklagten haben bis zum 9. Februar Zeit, mit den Anklägern einen Deal einzugehen.

Prozessauftakt gegen Schwester des spanischen Königs
D. Sulzmann, ARD Madrid
11.01.2016 16:53 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 11. Januar 2016 um 13:21 Uhr im Deutschlandfunk.

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