Landesweit haben Polizeibeamte am Wochenende Razzien durchgeführt, um gegen den IS vorzugehen. | Bildquelle: AP

Nach Anschlag in Indonesien Polizei nimmt ein Dutzend Verdächtige fest

Stand: 18.01.2016 10:52 Uhr

Nach dem Anschlag in Indonesiens Hauptstadt Jakarta geht die Polizei gegen Anhänger und Unterstützer des IS vor. Bei Razzien wurden zwölf Verdächtige festgenommen. Die Terrormiliz versuche, Indonesien als IS-Zentrale im südostasiatischen Raum auszubauen.

Von Udo Schmidt, ARD-Studio Singapur

Razzien auf der Insel Sulawesi, in der indonesischen Provinz Kalimantan auf Borneo und auf Java mit der Hauptstadt Jakarta - die indonesische Spezialeinheit Densus 88 war am Wochenende landesweit im Einsatz, um gegen mutmaßliche Unterstützer der Terrorgruppe "Islamischer Staat" vorzugehen.

Bislang wurden zwölf Verdächtige in verschiedenen Regionen des Landes festgenommen, sagte Indonesiens Polizeichef Bardodin Haiti. Sie alle hätten Verbindungen zu den Anschlägen vom vergangenen Donnerstag. Bei mehreren Explosionen in Jakarta waren mindestens sieben Menschen getötet worden, darunter auch mutmaßliche Angreifer.

Indonesien als "Herzstück" des IS?

Experten kritisieren allerdings, dass die Polizei zwar effektiv gegen Terrorzellen auf dem Land - etwa in entlegenen Regionen von Sulawesi - vorgehe. Über die Netzwerke um die Hauptstadt Jakarta hätten die Beamten jedoch zu wenig Kenntnis.

Klar ist: Der IS hat sich das moderate muslimische Indonesien als Einflussgebiet in Südostasien ausgesucht: "Es sind zwei Länder, die das Herzstück des IS in Südostasien werden sollen: die Philippinen und Indonesien", sagte Polizeisprecher Anton Charliyan. "Die Radikalen in Indonesien sind jedoch entschiedener in ihrem Bemühen, die IS-Zentrale zu bilden. Deswegen müssen sie jetzt ihre Macht zeigen."

Es sind jedoch nicht die aus Syrien zurückkehrenden Anhänger des IS, die Anschläge im Namen ihrer Religion planen. Es sind die alten Mitglieder der indonesischen Terrorgruppe Jemaah Islamyiah - 2002 für die Bali-Anschläge verantwortlich - die nun unter der schwarzen Flagge des IS Attentate planen und verüben. So gesehen sind die Explosionen und die Toten vom vergangenen Donnerstag auch ein innerindonesisches Problem.

Angst vor Ressentiments wächst

Die Muslime im Land wehren sich gegen den radikalen IS, Indonesien will nicht zur asiatischen Basis der Terrorgruppe werden. Rizal Pahlevi wohnt in Jakarta. Aus seiner Sicht repräsentiert der IS nicht den Islam. Die Terroristen "nutzen nur den Islam als Fassade für ihre eigenen Zwecke. Unser Prophet hat uns nicht gelehrt, so etwas zu tun".

Die Angst vor Ressentiments gegen den Islam, die ganz Indonesien treffen könnten, ist groß. "In internationalen Reaktionen werden jetzt alle Muslime für die Anschläge verantwortlich gemacht. Diese Anschläge haben doch nichts mit dem Islam zu tun, aber die Welt scheint genau das jetzt zu denken", sagte Ronny Siantury. Er lebt ebenfalls in der Hauptstadt Jakarta.

Die Menschen in Jakarta wollen wieder zum normalen Leben zurückkehren - das ganze Land wird es noch nicht können.

Fahndung nach Terroristen in ganz Indonesien
U. Schmidt, ARD Singapur
18.01.2016 09:55 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 18. Januar 2016 um 05:47 Uhr im Deutschlandfunk.

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