Die beiden verurteilten Indoneser sind mit Handschellen gefesselt. | Bildquelle: dpa

Urteil in Indonesien 85 Hiebe für die Liebe zwischen Männern

Stand: 17.05.2017 10:53 Uhr

Zwei Männer in Indonesien sind zu 85 Peitschenhieben verurteilt worden - weil sie eine Beziehung führten. Es ist das erste Mal, dass ein solches Urteil in dem Land gesprochen wurde. Dabei gilt der Islam als moderat - doch der Radikalismus nimmt zu.

In Indonesien sollen zwei junge Männer öffentlich ausgepeitscht werden: Jeweils 85 Hiebe sollen sie erhalten, auf Anordnung eines Gerichts. Der Grund: Die 20 und 23 Jahre alten Männer sind schwul und haben ihre Beziehung wohl auch sexuell ausgelebt.

Im März waren sie in der Hauptstadt der Provinz Aceh festgenommen worden. Der Nachrichtenagentur dpa zufolge wurden sie von Nachbarn regelrecht aus einem Zimmer gezerrt, das sie privat angemietet hatten, und dann der sogenannten Religionspolizei übergeben. Die Agentur AP berichtete, die Verurteilten seien direkt von einer Bürgerwehr aufgegriffen worden.

Urteil fiel am Internationalen Tag gegen Homophobie

Im folgenden Prozess forderte die Staatsanwaltschaft jeweils 80 Peitschenhiebe für die Männer. Hintergrund ist ein Gesetz, dass seit zwei Jahren in Aceh gilt. Es stellt Sex außerhalb der Ehe unter Strafe, dazu zählen auch homosexuelle Beziehungen. Als Höchststrafe sind 100 Peitschenhiebe festgeschrieben.

Das Religionsgericht ging mit seinem Rechtsspruch sogar über die Forderungen der Staatsanwaltschaft hinaus. Es ist das erste Mal, dass ein solches Urteil in Indonesien gefällt wird. Die Verurteilung erfolgte am Internationalen Tag gegen Homophobie. Mehrere Menschenrechtsorganisationen hatten den Umgang mit den Männern wiederholt als erniedrigend kritisiert und die sofortige Freilassung gefordert.

Zentralregierung segnete Scharia-Rechtssprechung ab

Die Region Aceh gilt als besonders konservativ. Es ist landesweit die einzige Provinz, in der die Scharia - das religiöse Rechtssystem des Islam - per Gesetz angewendet werden darf. Eigentlich gilt der Islam in Indonesien als relativ moderat. Doch in einigen Gebieten gewinnen radikale Kräfte zunehmend an Einfluss.

Die Scharia

Die islamische Rechts- und Lebensordnung Scharia beruht auf dem Koran und Überlieferungen über die Lebenspraxis des Propheten Mohammed. Dadurch ist sie kein eindeutiges festgeschriebenes Werk, sondern es gelten vielmehr unterschiedliche Auslegungen, die auf verschiedene sunnitische und schiitische Rechtsschulen zurückzuführen sind. Im Westen wird die Scharia vor allem mit drakonischen körperlichen Strafen wie Auspeitschung oder Steinigung assoziiert.

Neben Rechtsfragen regelt die Scharia auch gesellschaftliche Verhaltensweisen und die Glaubenspraxis. Ursprünglich meint der arabische Begriff den Pfad in der Wüste, der zur Wasserquelle führt.

Doch die Rechtssprechung nach der Scharia erfolgt mit den Segen der Zentralregierung des Landes. Bis 2005 tobte in der Provinz Aceh ein jahrzehntelanger Konflikt mit Tausenden Todesopfern. Schließlich gelang es der Regierung mit den Rebellen ein Friedensabkommen auszuhandeln. Damit die Rebellen in der Region nicht trotzdem weiter nach Unabhängigkeit streben, erklärte die Regierung die Scharia in Aceh 2006 für rechtskräftig.

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