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Indiens Finanzminister Pranab Mukherjee

Indien wählt einen neuen Präsidenten

Vom ungezogenen Jungen zum Vorzeigepolitiker

In Indien wird heute ein neues Staatsoberhaupt gewählt. Als Favorit gilt Finanzminister Mukherjee, der für die regierende Kongresspartei ins Rennen geht. Er gilt als fleißiger Vorzeigepolitiker. Früher habe er seiner Mutter hingegen viel Ärger gemacht, sagt der "Bengel aus Bengalen".

Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Südasien

Genausowenig wie in Deutschland treten in Indien die Menschen an die Wahlurnen, wenn in ihrem Land ein neuer Präsident gekürt wird. Das erledigen die Parlamentarier der Zentralregierung und der Einzelstaaten für sie. Was aber nicht heißt, dass diese Wahl die Inder völlig kalt ließe.

Ein Einwohner Delhis meint, dass der Präsident direkt von den Bürgern gewählt werden sollte. Der Präsident sollte jedenfalls jemand sein, der sich unsere Probleme anhört und sich um uns kümmert. Er sollte das Land voranbringen und alle Teile der Gesellschaft im Auge haben.

Paul Pietraß (ARD Neu Delhi) über die Bedeutung der Präsidentenwahl
tagesschau24 10:00 Uhr, 19.07.2012

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Finanzminister großer Favorit

In Indien - auch das eine Parallele zu Deutschland - ist die Macht des Präsidenten sehr eingeschränkt. Das weiß auch der Mann, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als Sieger aus der Abstimmung hervorgehen wird, der bisherige Finanzminister Pranab Mukherjee: "Der amerikanische Präsident ist ein Präsident mit Regierungsgewalt. Der französische auch. Die machen Politik, aber für den indischen Präsidenten sieht das die Verfassung nicht vor."

Zweifel daran, ob der 76-jährige Mukherjee der Richtige für das Amt ist, hegt eigentlich kaum jemand. Der Bengale ist Polit-Profi durch und durch. Er gilt als Lexikon auf zwei Beinen und als einer, der ein fotografisches Gedächtnis auch für das Kleingedruckte hat. Was es äußerst schwer mache, ihn in Debatten kleinzukriegen, gestehen selbst politische Gegner ein. Mukherjee ist im Grunde seit vier Jahrzehnten Parlamentarier, dem man nachsagt, kaum je eine Sitzung geschwänzt zu haben. "Es kursierte der Witz unter meinen Freunden", berichtet Mukherjee, "dass Pranab vor allen anderen ins Parlament geht, um deren Sitze zu putzen. Und wenn alle weg sind, bleibt er noch da und macht wieder sauber."

"Ungezogener Junge"

Ohne Demokratie, mahnt Mukherjee, sei eine Karriere wie die seine nie möglich gewesen. Er stammt aus einem Dorf in West-Bengalen, er berichtet, wie er früher barfuß täglich fünf Kilometer in die nächstgelegene Schule lief. Und Mukherjee berichtet, wie er als erstes an seine Mutter denken musste, als ihn seine Partei für das Amt des Präsidenten nominierte: "Ich war ein sehr ungezogener Junge und machte ihr viel Ärger, das hätte sie kaum vorhersehen können, dass dieser ungezogene Junge von einer großen Zahl der Parteien dieses Landes eines Tages vorgeschlagen würde, Präsident zu werden."

Nun kann es sogar sein, dass der "Bengel aus Bengalen" bald eine ganz besondere Rolle als Präsident spielen wird. Derzeit erwartet nämlich niemand, dass es angesichts der Unzufriedenheit in der Bevölkerung eine der Parteien schafft, eine eindeutige Mehrheit bei den nächsten Wahlen 2014 zu ergattern. In dem Fall ist es der Präsident, der entscheidet, welche Partei aus seiner Sicht am ehesten dazu in der Lage ist, eine Regierung zu formen.

Ein Einwohner Delhis betont, Mukherjee sei ein Politiker der Kongress-Partei. "Die Partei liegt ihm sozusagen im Blut." Er erwarte, dass Mukherjee im Fall der Fälle seine eigene Partei damit beauftragt, eine Mehrheit für einen Premier zusammenzuschmieden. Viele von Mukherjees Parteifreunden dürften eine ähnliche Erwartungshaltung haben.

Stand: 19.07.2012 01:55 Uhr

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