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Sanitäre Unterversorgung

Indiens Schulklos - Symbol für ein nationales Problem

Indien hat ein großes Toilettenproblem. Etwa die Hälfte der rund 1,2 Milliarden Inder kann nicht auf eine Toilette gehen - weil es entweder keine gibt, oder weil die vorhandenen Klos so dreckig sind, dass man sie besser nicht benutzt. Und viele Schüler in Indien machen genau das.

Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi

Besuch in einer staatlichen Schule am östlichen Stadtrand von Delhi: Hier lernen vormittags fast 1700 Mädchen, nachmittags dann noch einmal genauso viele Jungen. Für beide Schichten gibt es zehn Toiletten. Auch in Deutschland können Schulklos eklig sein. Aber immerhin gibt es sie an allen Schulen, und es gibt genug davon. Das ist in Indien nicht der Fall, vor allem auf dem Land gibt es viele Schulen ohne Klos.

"Die Klos sind eklig und dreckig. Ich benutze sie nie. Es gibt noch nicht einmal Mülleimer", erzählt ein kleines Mädchen. "Lügnerin", sagen die anderen Mädchen. Sie behaupten, dass die Toiletten total sauber sind - und gucken dabei ihre Lehrerin an.

Eine völlig verdreckte Schultoilette in Indien.
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Eine völlig verdreckte Toilettenkabine.

Schließlich kommt die Direktorin. Sie gibt Kommandos, verjagt die Kinder und will offizielle Papiere sehen, die den Besuch ihrer Schule erlauben. Während dessen drehen eine Putzfrau und ein älterer Herr, der eigentlich das Schultor bewachen soll, auf den Toiletten alle Wasserhähne auf. Dann holt der Mann einen Schlauch und spritzt die Wände und den Boden ab. Es stinkt. Die braune Brühe auf dem Boden ist eindeutig.

Toiletten in Indien sind eine Seltenheit
S. Petersmann, ARD Neu-Delhi
18.11.2012 17:27 Uhr

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Die Putzfrau erzählt, dass sie morgens um sechs Uhr anfängt und dann bis nachmittags immer wieder die Toiletten putzt. Die Direktorin nickt bestätigend. Aber danach sehen die Toiletten nicht aus. Einige sind kaputt. Andere sind mit Spinnweben überzogen und mit Kot und Urin verdreckt.   

"Wir versuchen, es den Kindern beizubringen"

Ein kleines Mädchen hockt sich vor einer offenen Toilettentür auf den Boden und verrichtet ihr Geschäft. Die Direktorin entschuldigt sich. "Diese Kinder haben keine Toiletten zu Hause. Ihre Eltern sind arm. Sie leben in den Slums, viele in Hütten aus Blech und Pappe. Wir versuchen, den Kindern beizubringen, wie man ein Klo benutzt. Sie verdrecken die Toiletten trotzdem."

Eine völlig verdreckte Schultoilette in Indien.
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Ungewohnte Toiletten: Ein kleines Mädchen hockt sich vor einer offenen Tür auf den Boden.

Aber das erklärt noch lange nicht, warum die meisten Klos in einem so erbärmlichen Zustand sind. Der Besuch in einer zweiten Schule bestätigt das Bild: Auch hier gibt es Klos - einige sogar mit Sitz und Wasserspülung. Aber die meisten sind Plumpsklos zum Hinhocken, in denen theoretisch mit dem Wassereimer nachgespült wird, weil das weniger Wasser verschwendet. Aber es gibt keine Eimer. Und die Toilette für die Jungen ist abgeschlossen. Die Schüler pinkeln gegen die Schulmauer und in die Ecken.

Es bleibt bei den Klagen

Mütter, die ihre Kinder zur Schule bringen, beklagen sich draußen vor dem Schultor. Nicht nur die Klos, auch die Klassenzimmer seien dreckig und würden vernachlässigt. Aber es bleibt bei den Klagen. Keiner packt an. Keiner fühlt sich verantwortlich. Die Lehrer nicht, die Eltern nicht, und die Schüler auch nicht.   

Abgeschraubte Wasserhähne in einer Schultoilette in Indien.
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Wasser marsch: Bei einem Besuch in der Schule wird hektisch gereinigt.

Tatsächlich gibt es in Indien mehr Menschen mit Mobiltelefonen als mit Toiletten zu Hause. Der zuständige Minister für Trinkwasser und Abwasser behauptet sogar spöttisch, dass es in Indien mehr Tempel als Toiletten gibt. Die junge Sozialarbeiterin Sunita stimmt zu. "Der Minister hat Recht." Die Menschen müssten ihre Einstellung ändern. Sie müssten begreifen, dass Toiletten genauso wichtig sind wie das eigene Haus oder der Tempel. Sie müssten lernen, dass ein Leben ohne Toilette krank machen kann.

Toilettenvorgabe bis 2013

Wenn viele Menschen auf engem Raum zusammenleben und im Freien ihr Geschäft verrichten, können sich Krankheiten ausbreiten. Kot und Urin gelangen ins Trinkwasser. Der zuständige Minister hat angeordnet, dass jede indische Schule bis März 2013 Toiletten für Jungen und Mädchen haben muss. Aber wenn die Toiletten dann verdrecken, weil sich niemand verantwortlich fühlt, ist das Problem nicht gelöst.

Dieser Beitrag lief am 19. November 2012 um 06:41 Uhr bei Deutschlandradio Kultur.

Stand: 19.11.2012 00:40 Uhr

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