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Ein Linienbus verbindet Indien und Pakistan
Eine Brücke zwischen zwei Nationen
Pakistan und Indien wollen die Einreise in das jeweils andere Land erleichtern. Die Visa-Beschränkungen sollen abgebaut werden - ein Zeichen dafür, dass sich die verfeindeten Staaten annähern. Doch noch ist die Reise von Indien nach Pakistan schwer. Über die Grenze fährt ein einziger Bus.
Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi
6:00 Uhr. Alles sauber. Gepäck und Passagiere sind abgetastet und abgeschnüffelt. Das Bombenentschärfungsteam hat seine Arbeit erledigt. Abfahrt aus Neu Delhi. Der etwas angerostete, grün-weiße Reisebus könnte auffälliger nicht sein. Auf der linken und rechten Seite prankt die pakistanische Flagge mit Halbmond und Stern.
Bewaffnete Polizisten nehmen den Bus mit zwei Jeeps in die Zange. Rammböcke auf vier Rädern. Und drinnen, gleich hinter dem Fahrer, sitzen zwei weitere Polizisten mit Gewehren im Schoß. Niemand darf dem Delhi-Lahore-Express zu nahe kommen. Die Angst vor Extremisten fährt mit.
Symbolischer Annäherungsversuch
"Es gibt da draußen nur eine Handvoll Terroristen. Die große Mehrheit will in Frieden und Wohlstand leben. Aber eine Handvoll reicht aus. Du brauchst ein ganzes Team, um ein Haus zu bauen, aber nur ganz wenige, um es zum Einsturz zu bringen."
Die 71-jährige Sonderpädagogin Fatima lebt in der pakistanischen Hafenstadt Karatschi. Sie fährt zum zweiten Mal mit dem Delhi-Lahore-Express. Der Bus pendelt seit 1999 sechsmal pro Woche zwischen der indischen Hauptstadt und der Metropole im Osten Pakistans. Ein symbolischer Annäherungsversuch für rund 20 Euro pro Ticket.
Eine Brücke zwischen zwei Nationen
S. Petersmann, ARD Neu-Delhi
06.09.2012 16:58 Uhr
Fliegender Wechsel an der Grenze
Dreimal fahren die Inder, dreimal die Pakistaner. An der Grenze wechselt der Polizeischutz wie ein Staffelstab. Außerplanmäßige Stopps sind streng verboten. "Die Grenze ist wie eine Mauer. Ich will meine Familie besuchen. Ich habe das Geld, ich habe als Rentnerin auch die Zeit, oft zu reisen, aber die indischen Behörden lassen mich nicht."
Fatimas Familie ist wie tausende andere in zwei Hälften gesprengt. Weil sich Pakistan und Indien seit der Teilung des Subkontinents 1947 feindlich gegenüberstehen. Bis an die Zähne hochgerüstet - auch atomar. Es gab drei Kriege, dazu kommt die schwelende Gewalt in Kaschmir. Beide Seiten beanspruchen die Himalaja-Region für sich. Für Fatima aus Pakistan bedeutet das den Verlust ihrer beiden älteren Schwestern in Indien.
"Die Politik ist das Problem"
"Es ist so gut wie unmöglich ein Visum zu bekommen. Das letzte Mal durfte ich 2008 zur Beerdigung meines Schwagers nach Indien reisen. Für 60 Tage. Jetzt haben sie mir nur ein Visum für 30 Tage gegeben. Das ist viel zu kurz, wir durften uns doch vier Jahre lang nicht sehen. Und keiner weiß, ob wir uns wiedersehen werden", so die Rentnerin. Gegen 2:00 Uhr nachmittags ist die Grenze erreicht. Mensch und Gepäck werden genau unter die Lupe genommen. Erst auf der einen, dann auf der anderen Seite. Ein Geduldspiel. Bis zum Ziel sind es nur noch 20 Kilometer.
19:00 Uhr. Der Bus erreicht Lahore. 530 Kilometer in 13 Stunden. Die Passagiere klettern müde aus ihren Sitzen. Fatima hofft auf ein schnelles nächstes Mal. "Wer weiß, die Berliner Mauer ist am Ende eingestürzt. Und Pakistan und Indien waren ja auch mal ein Land wie Deutschland. Muslime und Hindus haben Jahrhunderte lang friedlich zusammengelebt. Die Menschen verstehen sich. Die Politik ist das Problem."
Stand: 09.09.2012 01:06 Uhr
