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Ende der Kolonialzeit 1947

Indien feiert 65 Jahre Unabhängigkeit

Am 15. August 1947 erklärte sich Indien unabhängig von der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien. Heute hat die größte Demokratie der Welt gut 1,2 Milliarden Einwohner - und die sind im Schnitt nur 26 Jahre alt. Silke Diettrich über die Hoffnungen und Wünsche des jungen Indiens, 65 Jahre nach der Unabhängigkeit.

Von Silke Diettrich, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi

"Was das junge Indien will", so lautet der Titel des neuen Buchs von Bestseller-Autor Chetan Bhagat. Damit hat er eine große Debatte losgetreten. Kurz zusammengefasst sagt Bhagat: "Was die Menschen wirklich wollen, ist ein toller Freund oder eine tolle Freundin und einen guten Job."

Und das meint er völlig ernst. Der ehemalige Investment-Banker reist seit Jahren durch Indien, auf der Suche nach Stoffen für seine Romane. Bhagat sieht sich als Sprachrohr und Meinungsführer der jungen indischen Mittelschicht. "Sie wollen ein gutes Leben", fasst er seine Eindrücke zusammen. "Es interessiert sie nicht, was sie studieren. Hauptsache, sie haben nach ihrem Studium einen guten Job! So bleibt die Bildung bei uns auf der Strecke. Die junge Generation will nur wissen, wie sie ihr eigenes Ding im Leben durchziehen kann!"

Indien feiert 65 Jahre Unabhängigkeit
S. Diettrich, ARD Neu-Delhi
14.08.2012 11:23 Uhr

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Problem Analphabetismus

Ein Kind sammelt auf den Straßen Neu Delhis Wasser in Kanistern.
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Noch immer sind Armut und Analphabetismus große Probleme in Indien.

Tatsächlich ist vor kurzem eine Studie erschienen, die belegt, dass 40% der jungen Ingenieure nicht in Jobs vermittelbar sind. Aber das sei ein Problem der urbanen Mittelschicht, um die es bei diesem Diskurs meistens gehe, sagt Parlamentsmitglied Shashi Tharoor. Man dürfe nicht vergessen: Indien sei weltweit gesehen das Land mit den meisten Analphabeten. "Es gibt überall junge Inder, und es gibt mehr von ihnen auf dem Land als in der Stadt, und die meisten haben noch nie eine Schule von innen gesehen, geschweige denn eine Universität", so Tharoor. "Wir haben eine große Vielfalt an jungen Menschen, aber sie alle eint eine Sache: Sie sind ungeduldig und voller Hoffnung. Sie wollen ein besseres Leben, als das ihrer Eltern."

Das bestätigen auch die jungen Menschen am India Gate. Rund um den Triumphbogen in Neu-Delhi schlendern Freunde und Familien mit Kühlboxen im Arm, um zu picknicken. Egal, wen man hier fragt, alle sagen, sie seien stolz auf ihr Land.

"Wir haben kein Problem mit Pakistan"

90.000 Namen sind am India Gate eingraviert, Soldaten, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben verloren haben. Das sei ja schon längst Vergangenheit und auch die Kriege gegen Pakistan seien ja schon lange her, sagt der Callcenter-Angestellte Prasan Jeet: "Wenn Pakistanis hierher kommen, sind wir die ersten, die sie umarmen! Wir haben kein Problem mit Muslimen oder Pakistanis, solange wir uns hier sicher fühlen können."

Brände nach Unruhen in der nordinidischen Provinz Assam.
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Immer wieder kommt es zu Unruhen, wie hier in der nordinidischen Provinz Assam.

Das spiegelt aber nicht ganz die Realität wider. Erst am Wochenende gab es in Mumbai eine Demonstration von Muslimen, die gegen Diskriminierung protestierten. Zwei Menschen starben und hundert wurden verletzt. Ein Problem der Politik, so denken viele junge Inder. Politiker in Indien haben keinen guten Ruf. Die meisten seien korrupt, unfähig und ohne Visionen, findet auch Aman Andrajog. Der 23-jährige Anwalt, der gerade mit seiner Familie einen Sonntagsspaziergang macht, meint, man habe eigentlich keine richtige Wahl in Indien, trotz Demokratie. "Wir haben eigentlich nur zwei Parteien, und man weiß gar nicht, welche von beiden mal wählen soll. Die sind beide schlecht. Ich denke, wir brauchen unbedingt neue Führer, junge Leute müssen in die Politik!"

Familie hat weiter hohen Stellenwert

In die Politik wollen nur wenige aus der Mittelklasse, aber sie wollen in Indien bleiben. Nur so könnten sie ihr Land nach vorne bringen und zugleich bei ihrer Familie sein. Die ist auch für die junge indische Generation immer noch sehr wichtig. Schließlich haben viele Eltern ihr Leben lang gespart, damit ihre Kinder nun studieren können. Der junge Anwalt Andrajog geht sogar noch einen Schritt weiter: "Ich will, dass mein Vater stolz auf mich sein kann", sagt Aman grinsend. Das ist sein einziges Ziel im Leben.

Stand: 14.08.2012 12:57 Uhr

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