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"Wir wollen Gerechtigkeit": In Indien demonstrieren Christen gegen radikale Hindus, die im Bundesstaat Orissa Kirchen in Brand setzen und kirchliche Einrichtungen zerstören. Auch Todesopfer gab es bereits, zahlreiche Christen sind auf der Flucht.
Von Sabina Matthay, ARD-Hörfunkstudio Südasien
[Bildunterschrift: Christen suchen in den verbrannten Überresten ihres Hauses im Distrikt Kandhamal im Bundesstaat Orissa nach verwertbaren Gegenständen. ]
Christen sind in Indien eine verschwindend kleine religiöse Minderheit, doch jetzt waren sie in vielen Städten des Subkontinents laut und deutlich zu vernehmen: "Wir wollen Gerechtigkeit!", skandierten diese Demonstranten in der indischen Hauptstadt Neu Delhi. Sie protestierten gegen religiös motivierte Gewalt im Bundesstaat Orissa.
Seit mehr als einer Woche setzen Hindus dort Kirchen in Brand, zerstören sonstige kirchliche Einrichtungen, errichten Straßenblockaden und liefern sich Zusammenstöße mit der Polizei. Als sie ein Waisenhaus in Brand setzten, kam eine Frau in den Flammen ums Leben. Mehr als zehn Menschen sollen inzwischen bei Überfällen und Brandstiftungen getötet worden sein. Hunderte flohen vor der Gewalt.
[Bildunterschrift: Landesweit - wie hier in Neu-Delhi - protestieren Christen gegen die Übergriffe radikaler Hindus. ]
"Die Fundamentalisten lehnen unsere Verfassung ab", sagt Erzbischof Vincent Concessao, der sich unter die Demonstranten gemischt hat; "sie haben keinen Respekt vor den Menschenrechten, vor der Glaubensfreiheit – wir Christen fühlen uns jetzt sehr unsicher."
Spannungen zwischen Christen und Hindus gibt es in Orissa schon lange. 1999 verbrannten der Missionar Graham Staines und seine beiden Söhne dort bei lebendigem Leib, als radikale Hindus ihren Wagen in Brand setzten. Anlass der jüngsten Übergriffe war der Tod von Laxmanananda Saraswati, eines führenden Vertreters des Welthindurates. Die Polizei vermutet Maoisten hinter der Tat, Hindu-Gruppen machten jedoch umgehend Christen für die Tat verantwortlich. Denn Saraswati hatte eine Kampagne zur Konvertierung von Christen zum Hinduismus angeführt.
[Bildunterschrift: Das Dorf Tengedapathar, ebenfalls im Distrikt Kandhamal gelegen, wurde bei einem Überfall radikaler Hindus zerstört. Die Bewohner flohen in ein Lager. ]
Indiens Christen rekrutieren sich zum größten Teil aus Ureinwohnern und auch aus ehemaligen Hindus, die den niedrigen Kasten angehören, oder Dalits, Unberührbare, sind. Von der Bekehrung zum Christentum erhoffen sie sich die Befreiung von den Benachteiligungen des indischen Kastensystems. Dass Papst Benedikt XVI. die Überfälle auf Christen scharf verurteilt hat, begrüßten Vertreter der indischen Gemeinden jetzt: "Der Papst hat damit den Christen, eigentlich allen Glaubensgruppen, aufgetragen, dass sie sich für Frieden einsetzen und für Dialog engagieren sollen, der zur Versöhnung führt", sagt Ram Gidoomal, Chef der christlichen Lobby-Gruppe "South Asian Concern".
Bereits am Donnerstag trafen Vertreter der Christen den indischen Premierminister Manmohan Singh und verlangten die sofortige Intervention seiner Regierung, um die Gewalt in Orissa zu beenden. Mehr als 3.000 Polizisten wurden unterdessen in dem Bundesstaat stationiert. Die Welle der Gewalt ebbte dadurch aber noch nicht ab.
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