Generika in Indien: Medizin aus der Apotheke der Armen

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Produktion von Generika in Indien

Heiß umkämpfte "Apotheke der Armen"

Sogenannte Generika sind für viele die einzige Chance auf Heilung und in Indien ein riesiges Geschäft. Pharmakonzerne und Hersteller der Nachahmer-Medikamente liefern sich Rechtsstreits. Dabei geht es um mehr als den Kampf "Patent gegen Patient".

Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Neu Delhi

Über einen "Sieg für die Patienten" freuten sich Anfang April Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen, als Indiens Oberstes Gericht dem Pharma-Giganten Novartis das Patent für ein Krebs-Medikament verweigerte. Patienten in Indien könnten jubilieren, aber auch in anderen Entwicklungsländern, so Ärzte ohne Grenzen.

Apotheke der Armen - Generika in Indien
K. Küstner, ARD Neu-Delhi
29.04.2013 02:06 Uhr

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In diesen Jubel-Chor stimmte die indische Firma NATCO mit ein. Die verdient ihr Geld mit der Herstellung so genannter Generika, also billiger Nachahmer-Medikamente.

"Mit dem Novartis-Produkt kostet eine Krebsbehandlung im Monat umgerechnet fast 2000 Euro, mit unserem Medikament keine 200", erklärt der hochrangige NATCO-Manager Adi Naraynan. Seine Firma macht mittlerweile rund 85 Millionen Euro Umsatz im Jahr und trägt entscheidend dazu bei, dass Indien auch als Apotheke der Armen bezeichnet wird.

Mittlerweile, erklärt der NATCO-Manager nicht ohne Stolz, seien die Medikamente so verbreitet, dass ein Krebs-Patient zum Laden an der Ecke oder zu seiner Distriktverwaltung gehen könne, um an seine Arznei heranzukommen.

Rechtsstreits vorprogrammiert

Der schweizer Pharmakonzern Novartis
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Indiens oberstes Gericht verweigerte Novartis Anfang April das Patent für ein Krebsmittel.

Adi Naraynan hat zum Interview ein Liste mitgebracht, keine Liste der von NATCO hergestellten Medikamente, sondern eine Liste mit Rechtsstreits. Als Generika-Anbieter läuft man ständig Gefahr, des simplen Abkupferns angeklagt zu werden.

Er hoffe natürlich in allen Fällen, so wie neulich mit Novartis, Recht zu bekommen: "Andernfalls leiden darunter die Patienten. Wenn die Gerichte Patente aufrechterhalten und der Inhaber des Patents keine Zulassung für andere Hersteller erteilt, dann müssen die Patienten genau dieses eine Medikament kaufen."

Kleine Veränderungen oder große Forschung?

Nach einem simplen Kampf "Patent gegen Patient" sieht das alles aus. Aber so einfach ist es auch wieder nicht. Die großen Pharma-Firmen argumentieren: "Wie sollen wir jemals die unglaublich hohen Ausgaben für unsere Forschung wieder hereinbekommen, wenn unsere Medikamente billig kopiert werden dürfen?

NATCO und andere halten dagegen: "Das Haupt-Molekül ist längst erfunden. Dann führen die ein paar Veränderungen hier und da durch und behaupten dann, das sei ein ganz neues Produkt. Dagegen wehren wir uns."

Also werden die Gerichte, ob in Indien oder anderswo, auch weiterhin viel zu tun haben. Sie müssen jedes Mal genau hinsehen: Handelt es sich um eine echte - patentwürdige - Neuentwicklung oder nicht? Dass die Rechtsstreit-Liste der Firma NATCO schnell zusammenschrumpfen dürfte, ist auch nicht abzusehen.

Stand: 29.04.2013 03:35 Uhr

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