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Wassermangel in Indien
Hinter den Dämmen staut sich nur Trockenheit
Wasser - in dieser Woche beraten Experten und Politiker aus aller Welt in Stockholm über das lebenswichtige und kostbare Gut. Auch in Indien ist Wasser immer ein Thema. Der Monsun bringt zwar Regen, aber auch Tod und Zerstörung. Und die Regenmonate sind meistens zu kurz, um den Durst der Inder zu stillen.
Von Silke Diettrich, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi
Donner, Blitze, Regen - der heiß ersehnte Monsun ist endlich in Indien angekommen. In diesem Jahr allerdings erst ziemlich spät. Und in Rajahstan, im Nordwesten Indiens, auch noch nicht mit seiner ganzen Kraft. "Wir haben Strom und Wasserprobleme. Der Damm hier war bis gestern noch trocken, nach dem Regen heute ist ein bisschen Wasser drin, sonst ist er immer trocken. Wasser ist ein großes Problem hier", sagt Laloo Khan. Er sitzt in einer offenen Strohhütte und spielt Karten mit anderen Männern aus dem Dorf Ballana.
Wasserprobleme in Indien
27.08.2012, Silke Diettrich, ARD Neu-Delhi
"Es fehlt an Wasser"
Es ist ein merkwürdiges Bild: Ballana liegt direkt neben einem Damm, der 1910 gebaut wurde. Am Rand leuchten dunkelrote Pavillons mit goldenen Kuppeln. Davor liegen ein See und saftiggrüne Wiesen. Pure Idylle, so scheint es. Doch das Bild trügt: Dieser Damm ist einer von 25 in der Gegend und der einzige, der Wasser führt. Und davon noch viel zu wenig, wie der Dorfälteste erzählt: "Es ist schwer, unser Land hier zu bewirtschaften. Es fehlt an Wasser. Unsere Pumpen laufen eine halbe Stunde und dann müssen wir wieder warten, denn auch das Grundwasser ist zu wenig. Jetzt können wir nur noch zu Gott beten, dass der Regen stärker wird."
Doch das allein wird wohl nicht reichen. Der Umweltjournalist Narinder Singh setzt sich seit Jahren dafür ein, dass das Wasser in dieser Gegend besser genutzt wird. Das Regenwasser in der Region müsse aufbereitet werden, stattdessen versickere es in wenigen Wochen. "Wir müssen Wasser kaufen, in großen Tank-Wagen. Die kommen zu uns nach Hause und verkaufen uns die Container mit Wasser. Acht Monate im Jahr müssen wir das mittlerweile machen. Das ist unsere Krise."
"Die Politiker kommen nur im Wahlkampf"
Doch arme Menschen aus Dörfern wie Ballana können sich keine Wasser-Container leisten. Sie haben keine Toiletten, kein fließendes Wasser. Um zu baden oder Kleidung zu waschen, müssen sie in der Trockenzeit Kilometer weit laufen. Trinkwasser kommt mit der Handpumpe, die die Regierung aufstellen ließ. "Wir wollen mehr Wasserpumpen von der Regierung", sagt Laloo Khan. "Sie müssen tiefer bohren, damit wir mehr Wasser bekommen, aber wir sind arme Leute, uns hört keiner zu. Die Politiker kommen immer nur im Wahlkampf zu uns, nach der Wahl kommen sie nicht mehr."
Wassermangel in Indien
S. Diettrich, ARD Neu Delhi
26.08.2012 21:20 Uhr
Der Grundwasserpegel sinkt
Während die Männer lamentieren, pumpen die Frauen das Wasser in Matkas. Das sind Tonkrüge, in die nur für Trinkwasser gefüllt werden darf. Die vollen Matkas balancieren sie danach auf ihren Köpfen nach Hause. Voll werden die Krüge aber nicht immer, der Grundwasserspiegel sinkt immer weiter. Die Stauseen bleiben leer, weil neue Straßen gebaut werden oder Menschen ihre Häuser mitten in die Dämme errichten. Das Wasser aus den Bergen wird geblockt, damit die neuen Siedlungen nicht baden gehen. Der Klimawandel sei sicher ein Problem, sagt Umweltjournalist Singh, aber hier in der Gegend gäbe es ja eigentlich genug Wasser. "Das Wasser hier wird aber verschwendet. Und genau das ist das Problem."
Stand: 27.08.2012 01:36 Uhr
