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Vergewaltigungsprozess in Indien
Winkelzüge gegen die drohende Todesstrafe
Die Öffentlichkeit darf nicht miterleben, wie den fünf mutmaßlichen Vergewaltigern einer Studentin in Neu-Delhi der Prozess gemacht wird. Nach dem ersten Auftritt der Angeklagten vor Gericht legten die Verteidiger ihre Strategien vor. Jeder geht anders vor.
Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Südasien
Der erste Auftritt der fünf Beschuldigten vor dem Schnellgericht war ein äußerst kurzer. In Polizei-Bussen, die mit winzigen Fenstern vergittert waren, wurden die mutmaßlichen Vergewaltiger vor Gericht abgesetzt. Wenig später verließen sie das Gelände auch schon wieder Richtung Gefängnis.
Kurz zuvor hatte der zuständige Richter alle Medienvertreter des Saales verwiesen. Auch weiterhin wird die Öffentlichkeit also von den Verhandlungen vor Gericht ausgeschlossen sein. Obwohl einer der Anwälte nach eigenem Bekunden beantragt hatte, die Medien zuzulassen. Er sagte: "Verbrechen richtet sich gegen die Gesellschaft als Ganzes. Deshalb hat die Gesellschaft auch ein Anrecht darauf zu erfahren, was vor Gericht passiert. Welche Beweise werden vorgelegt, wie verhält sich der Richter, die Verteidigung, die Anklage?"
Anwalt will Mordvorwurf widerlegen
Letztlich droht allen fünf Beschuldigten die Todesstrafe. Einer der Anwälte hat sich aber dem Vernehmen nach vorgenommen, den Vorwurf des Mordes zu widerlegen. Die 23-jährige Studentin sei an ihren Verletzungen gestorben, so seine Argumentation, weil sie von den Ärzten nicht richtig behandelt worden sei.
Ein anderer Verteidiger beantragte beim Obersten Gericht, der Prozess möge weit außerhalb der Hauptstadt stattfinden. "In Delhi fragt derzeit jedes Kind seine Eltern: Wann werden die Beschuldigten gehängt?", so Anwalt Manohar Lal Sharma. "Die Juristen können sich dieser Stimmung nicht entziehen und den Prozess so nicht abhalten. Deshalb habe ich beantragt, dass das Verfahren transferiert wird an einen Ort weit weg von Delhi, im Süden Indiens." Eine Entscheidung des Obersten Gerichts in dieser Sache wird für morgen erwartet. Das Schnellgericht verhandelt den Fall am Donnerstag weiter.
Indien diskutiert weiter seine Frauenfeindlichkeit
Auch weiterhin stellt sich Indien bohrende Fragen über sich selbst und die Ursachen der weit verbreiteten Frauenfeindlichkeit. "Wir bringen unseren Mädchen bei: Geht nicht aus dem Haus. Tragt bestimmte Kleidung, zieht keine kurzen Hosen an", erklärt ein Student. "Was aber Jungs angeht, so erlauben wir ihnen alles. Auch wird dem männlichen Nachwuchs alles vergeben. Wir sagen ihnen nicht: Benehmt Euch, was Mädchen angeht, so oder so."
Mehrere Protestler hatten sich auch an diesem Tag wieder außerhalb des Gerichts versammelt. Harte Strafen allein, sagen einige von ihnen, würden nicht genügen. Die nun angestoßene Debatte müsse weitergehen, fordern sie. Nur so könne sich das Land langsam verändern.
Vergewaltigungsprozess in Indien
tagesschau 14:00 Uhr, 21.01.2013, Gabor Halasz, ARD Neu-Delhi
Stand: 21.01.2013 16:41 Uhr
