Amtseinführung von Indiens Premier Modi Ein Händedruck, der Hoffnungen weckt

Stand: 26.05.2014 18:19 Uhr

Indiens neuer Premier Modi ist im Amt. Doch die eigentliche Nachricht ist, wer bei der Zeremonie dabei war. Der Besuch von Pakistans Premier Scharif weckt Hoffnungen auf eine Annäherung an den Erzfeind.

Von Jürgen Webermann, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi

Punkt 18 Uhr Ortszeit, Neu-Delhi. Gespannt warten mehr als dreitausend Menschen auf dem Raisina Hill, im politischen Herzen der Stadt, vor dem Präsidentenpalast.

Modi und Scharif in Neu-Delhi | Bildquelle: AFP
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Ein besonderer Händedruck: Indiens neuer Premier Modi und Pakistans Regierungschef Scharif am Rande der Amtseinführung.

Gekommen sind Bollywood-Größen, milliardenschwere Konzernlenker, der bisherige Premierminister Manmohan Singh, die Gandhi-Familie - die gerade die Parlamentswahlen mit ihrer Kongresspartei so haushoch verloren hat - und die Regierungschefs von sieben südasiatischen Staaten. Darunter sogar Pakistans Premierminister Nawaz Scharif. Pakistan ist seit der Unabhängigkeit von den Briten Indiens Erzfeind. Eine derart große politische Zeremonie hat Indien seit langem nicht mehr gesehen.

Hoffnungen und Befürchtungen

Begleitet von Gardesoldaten schreitet Präsident Pranab Mukherjee die Stufen hinab. Narendra Modi steht unmittelbar danach von seinem Stuhl auf und tritt ans Mikrofon. Ganz ruhig, ohne weitere Regung, spricht Modi den Amtseid: "Ich, Narendra Modi, schwöre, dass ich das Amt des Premierministers so vertrauenswürdig ausfüllen werde wie es mir möglich ist, und dass ich alles tun werde, um die Verfassung und das Recht zu schützen, und dass ich der Indischen Republik und ihren Menschen dienen werde." Applaus brandet auf.

Modi bei der Amtseinführung | Bildquelle: AFP
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Indiens neuer Premier Modi bei der Amtseinführung.

Modis großer Moment ist gekommen, er ist jetzt Indiens neuer Premierminister. Modi hatte die Parlamentswahlen mit seiner Partei BJP mit absoluter Mehrheit gewonnen. Doch viele Inder befürchten, dass er das Land spalten könnte, weil die BJP als rechtsgerichtete Hindu-Partei gilt und in Indien geschätzt 180 Millionen Muslime leben. Allerdings haben die meisten Wähler für Modi gestimmt, weil er als effektiver Wirtschaftspolitiker gilt.

Indien steckt derzeit in einer Wirtschafts- und auch in einer Vertrauenskrise, viele Bürokraten und auch viele Politiker gelten als extrem korrupt. Modis Einladung an Pakistans Premierminister bestimmt schon seit Tagen die Schlagzeilen. Angeblich hat Modi Scharif am Telefon davon überzeugt anzureisen.

Indien und Pakistan - Signale der Entspannung

Indien und Pakistan senden seit Tagen Signale der Entspannung, und auch der Empfang Scharifs in Neu-Delhi war herzlich. Modi will Scharif voraussichtlich am Dienstag treffen, genauso wie Afghanistans Präsidenten Hamid Karsai. Für einen Frieden in Afghanistan spielen Indien und Pakistan eine entscheidende Rolle. Pakistan unterstützt seit Jahren die afghanischen Taliban, auch um Indiens Einfluss in Afghanistan zu begrenzen.

Zunächst aber präsentierte Modi seine Regierung: 44 Minister legten nach ihm den Amtseid ab. Das klingt zwar nach einem enorm großen Kabinett, tatsächlich ist es aber deutlich kleiner als das bisherige. Modis Parole lautet "smart governance", also eine intelligente Regierungsführung.

Genau das erwarten die meisten Inder von ihm: Einen raschen Aufschwung auch für die rund 800 Millionen Menschen, die an oder unterhalb der Armutsgrenze leben müssen, weniger Korruption und Jobs für die vielen jungen Inder, die jedes Jahr auf den Arbeitsmarkt strömen. Die Herausforderungen könnten kaum größer sein für den neuen indischen Premier.

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