Kanzlerin Merkel und Premierminister Modi  | Bildquelle: dpa

Kanzlerin Merkel in Indien Deutsche Firmen hoffen auf Vorfahrt

Stand: 05.10.2015 14:36 Uhr

Der Besuch von Kanzlerin Merkel in Indien soll vor allem die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder in Schwung bringen: Denn die sind noch ausbaufähig, berichtet ARD-Korrespondent Gabor Halasz. Besonders die Bürokratie in Indien bereitet deutschen Firmen Probleme.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist zum Auftakt der deutsch-indischen Regierungskonsultationen mit militärischen Ehren begrüßt worden. Sowohl Indiens Präsident Pranab Mukherjee als auch Premierminister Narendra Modi empfingen die Kanzlerin in der Hauptstadt Neu-Delhi.

Schwerpunkt der Konsultationen ist die wirtschaftliche Zusammenarbeit beider Länder. So sollen deutsche Firmen künftig einfacher in Indien investieren und arbeiten können. Dafür wurde ein Abkommen über ein sogenanntes "Fast-Track-Verfahren" unterzeichnet. Es soll deutschen Unternehmen unter anderem einen einzigen Ansprechpartner in der indischen Verwaltung geben.

Am Rande des Besuchs unterschrieben deutsche Unternehmen vier Vereinbarungen mit indischen Firmen und staatlichen Organisationen. Siemens möchte beim Aufbau der sogenannten Smart Cities helfen, das sind vernetzte, energieeffiziente Metropolen. Außerdem wurden Erklärungen zur Zusammenarbeit bei Projekten in der Solarenergie, der Halbleiterherstellung und Funkverkehr-Kommunikation unterzeichnet. Das Investitionsvolumen wurde zunächst nicht genannt. Die zwanzigköpfige Delegation deutscher Unternehmer ist die höchstrangige, die jemals in Indien war.

Gabor Halasz, ARD Neu Delhi, zur Merkel-Reise in Indien
tagesschau24 11:00 Uhr, 05.10.2015

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Wirtschaftsbeziehungen ausbaufähig

Noch sind die wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder für beide Seiten allerdings nicht zufriedenstellend. Laut ARD-Korrespondent Gabor Halasz liegt das vor allem an den Rahmenbedingungen in Indien. Weniger Bürokratie, weniger Korruption und eine bessere Infrastruktur seien zentrale Forderungen der deutschen Unternehmen. Zudem würden die Unternehmen über schlecht ausgebildete Facharbeiter klagen, berichtet Halasz.

Immer wieder seien öffentliche Ausschreibungen aus "ziemlich dubiosen Gründen" widerrufen worden, beklagte Airbus-Chef Thomas Enders. "Das hat uns sehr viel Geld gekostet." Boehringer-Ingelheim-Finanzchef Hubertus von Baumbach verlangte die Einhaltung internationaler Regeln und Standards. Auch Hubert Lienhard, Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft meinte, man sei beim Zoll noch immer "mit großen Hürden" konfrontiert.

Kanzlerin Merkel betonte, Deutschland wolle beim wirtschaftlichen Aufbau Indiens helfen. Premier Modi, der seit fast anderthalb Jahren im Amt ist, habe ein "sehr ambitioniertes" Programm vorgelegt. "Deutschland möchte ein guter und wichtiger Partner sein", sagte Merkel.

Merkel-Besuch in Indien
tagesschau 14:00 Uhr, 05.10.2015, Markus Spieker, ARD Neu Delhi

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Die beiden Regierungen wollten in den Bereichen Landwirtschaft, Wirtschaft, Entwicklungspolitik, Sicherheit, Verteidigung und finanzielle Beziehungen zusammenarbeiten. Auch würden internationale Konferenzen wie der große Klimagipfel im Dezember in Paris vorbereitet. Geplant ist zudem eine Vereinbarung zu einem gemeinsamen Solarenergie-Projekt mit einem Investitionsvolumen von einer Milliarde Euro. Außerdem will Merkel für die Wiederaufnahme der Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit Indien werben.

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