Protest gegen Freilassung von jugendlichem Vergewaltiger  | Bildquelle: AFP

Drei Jahre nach tödlicher Vergewaltigung in Indien Jüngster Täter wieder frei

Stand: 20.12.2015 16:24 Uhr

2012 hatte eine Gruppe junger Männer in Neu-Delhi eine Studentin so brutal vergewaltigt, dass sie starb. Weil der jüngste der Angreifer zum Tatzeitpunkt minderjährig war kam er jetzt frei - trotz Protesten.

Von Sandra Petersmann, ARD-Studio Neu-Delhi

Die Eltern des Opfers haben vergeblich gegen die Freilassung des jungen Mannes protestiert. Sie fordern auch für ihn die Todesstrafe. Doch der jüngste der sechs Gruppenvergewaltiger von Neu-Delhi ist nach drei Jahren Haft aus einer Jugendstrafanstalt in der indischen Hauptstadt entlassen worden.

Mit drei Jahren hat er die Höchststrafe abgesessen, die jugendlichen Straftätern zum Tatzeitpunkt für eine Vergewaltigung drohte. Der junge Mann war damals 17.

Mutter des Opfers protestiert gegen Freilassung von jugendlichem Vergewaltiger | Bildquelle: AFP
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Die Mutter des Opfers kristisiert die Freilassung scharf: "Wir haben nicht die Gerechtigkeit bekommen, die uns zugesichert wurde."

Das Jugend-Strafmaß für Vergewaltigungen in Indien wurde erst nach der tödlichen Gruppenvergewaltigung von Neu-Delhi verschärft. Die Behörden haben den Freigelassenen heute an eine Hilfsorganisation überstellt, da sie um seine Sicherheit fürchten. Er soll eine neue Identität erhalten.

Weltweites Entsetzen

Am 16. Dezember 2012 hatte eine sechsköpfige Gruppe von Männern einen leeren Bus entwendet, zu dem einer der Täter einen Schlüssel hatte. Nach einer anfänglich ziellosen Fahrt durch die Stadt hatten die Täter schließlich die 23-jährige Physiotherapiestudentin Jyoti und ihren Freund an Bord genommen.

Das junge Paar wollte nach einem abendlichen Kinobesuch mit dem Bus nach Hause fahren. Sie hielten den Wagen für einen normalen Bus. Die sechs Männer fielen dann während der Fahrt über das Paar her und schlugen den Freund des Opfers zusammen, bevor sie die junge Frau abwechseln bestialisch vergewaltigten.

Anschließend warfen die Täter ihre Oper aus dem Bus an den Straßenrand. Die Studentin erlag am 29. Dezember 2012 ihren schweren inneren Verletzungen.

Proteste und Strafrechtsänderungen

Die Tat hatte weltweit für Entsetzen gesorgt und im konservativen Indien eine Debatte über sexuelle Gewalt und die Rolle der Frau in der Gesellschaft ausgelöst. "Hängt sie" war eine der Forderungen der Massenproteste, die nach der Tat ausbrachen und vor allem junge Inder auf die Straßen trieb.

Vier der erwachsenen Vergewaltiger wurden zum Tode verurteilt, doch sie legten Berufung gegen das Urteil ein. Der mutmaßliche Anführer der Gruppe war im März 2013 erhängt in seiner Zelle aufgefunden worden.         

Freilassung nach Vergewaltigung in Indien
S. Petersmann, ARD Neu-Delhi
20.12.2015 15:10 Uhr

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