Inderin stirbt nach Gruppenvergewaltigung | Bildquelle: AFP

Studentin stirbt nach Gruppenvergewaltigung Trauer und Wut in Indien

Stand: 29.12.2012 10:10 Uhr

Zwei Wochen nach der brutalen Vergewaltigung ist die junge Frau in Singapur ihren schweren Verletzungen erlegen. Sie soll heute noch nach Indien übergeführt werden. Bereits wenige Stunden nach ihrem Tod gingen in Indien hunderte Menschen auf die Straße. Aus Sorge vor erneuten Eskalationen sperrten die Behörden U-Bahn-Stationen und Hauptverkehrsstraßen.

Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Neu Delhi

Indiens Hochkommissar in Singapur, T.C.A. Raghavan | Bildquelle: dapd
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"Wir haben es nicht geschafft, ihr Leben zu retten" - Indiens Hochkommissar in Singapur, T.C.A. Raghavan

Es oblag dem indischen Botschafter in Singapur, die Öffentlichkeit zu informieren. Er trat in den frühen Morgenstunden im Krankenhaus vor die vielen indischen Journalisten, die in den vergangenen zwei Tagen nach Singapur gereist waren. "Die Familie möchte in dieser schweren Stunde alleine sein, in der es nicht gelungen ist, ihre Tochter zu retten", erklärte der Botschafter. Dann fügte er an, dass die junge Frau so schwer verletzt gewesen sei, dass auch ein achtköpfiges Spezialistenteam sie nicht retten konnte.

Die 23-jährige Studentin starb nach Angaben ihrer behandelnden Ärzte an Organversagen. Sie war in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag aus der indischen Hauptstadt in die Spezialklinik für Transplantationen nach Singapur ausgeflogen worden. Ihre Familie war an ihrer Seite, als sie ihren schweren Verletzungen erlag.

Demonstranten: Staat versagt beim Schutz von Indiens Frauen

Die junge Frau war am 16. Dezember nach einem Kinobesuch mit ihrem Freund in einem Bus überfallen worden. Sechs Männer fielen über das Paar her. Die Täter schlugen mit Eisenstangen auf ihre Opfer ein und vergewaltigten die Studentin fast eine Stunde lang im fahrenden Bus.

Das brutale Sexverbrechen hat landesweite, zum Teil gewaltsame Proteste ausgelöst. Die überwiegend jungen Demonstranten werfen dem Staat vor, korrupt und tatenlos zu sein und beim Schutz von Indiens Frauen zu versagen. Viele fordern die Todesstrafe für die sechs Vergewaltiger, die in Haft sind. Ihnen wird ab Anfang Januar in einem Schnellverfahren der Prozess gemacht.

Doch mehrere zehntausend andere Vergewaltigungsfälle werden von der Polizei verschleppt oder verstauben als Gerichtsakten. Die Regierung hat auf Grund der anhaltenden Proteste versprochen, für mehr Sicherheit zu sorgen. Zwei Untersuchungskommissionen sollen Vorschläge erarbeiten. Im Gespräch ist zum Beispiel eine öffentliche Datenbank für Sexverbrecher. Indiens Premierminister Manmohan Singh hatte erst gestern persönlich versichert, Schuldige so schnell wie möglich vor Gericht zu bringen.

Jungen sind das traditionell bevorzugte Geschlecht

Der Regierungschef hat zudem der Familie der Verstorbenen sein Beileid ausgesprochen. In seiner öffentlichen Mitteilung betonte er, dass man das Opfer am besten ehre, in dem man alle Gefühle bündele und konstruktiv nutze. Indien brauche eine leidenschaftslose Debatte, um gesellschaftlichen Wandel anzustoßen und soziale Verhaltensmuster zu ändern.

In Indien sind Jungen traditionell das bevorzugte Geschlecht. Kinder werden entsprechend erzogen. Viele Männer nehmen sich in aller Öffentlichkeit das Recht, Frauen sexuell zu belästigen. Die Regierung befürchtet nach dem Tod der 23-jährigen Studentin neue Massenproteste.

Dieser Beitrag lief am 29. Dezember 2012 um 08:33 Uhr im Deutschlandfunk.

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