Mount-Elizabeth-Krankenhaus in Singapur (Bildquelle: AFP)

Studentin erliegt in Singapur ihren Verletzungen Inderin stirbt nach Gruppenvergewaltigung

Stand: 29.12.2012 04:14 Uhr

Zwei Wochen nach einer brutalen Vergewaltigung durch sechs Männer in einem Bus in Neu Delhi ist eine junge Inderin ihren schweren Verletzungen erlegen. Das Verbrechen hatte in Indien landesweite Proteste gegen sexuelle Gewalt ausgelöst. Indiens Regierung will nun die Gesetze ändern.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Hörfunkstudio Südostasien

Am frühen Morgen, kurz vor 5 Uhr Ortszeit, ist die junge Frau aus Indien im Mount-Elizabeth-Krankenhaus in Singapur gestorben. Wie die Krankenhaus-Leitung mitteilte, erlag die 23-Jährige ihren schweren Verletzungen. In der Mitteilung der Klinik war von Organversagen die Rede, infolge von schweren Kopfverletzungen und inneren Verletzungen im Unterleib.

Vor zwei Tagen Transport nach Singapur

Die Studentin war vor zwei Tagen in die Spezialklinik für Transplantationen nach Singapur gebracht worden. Eine Gruppe von sechs Männern hatte die Frau am 16. Dezember in einem Bus in Neu Delhi vergewaltigt und mit einer Eisenstange misshandelt und geschlagen.

Indiens Hochkommissar in Singapur, T.C.A. Raghavan (Bildquelle: dapd)
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"Wir haben es nicht geschafft, ihr Leben zu retten" - Indiens Hochkommissar in Singapur, T.C.A. Raghavan

Der Hochkommissar der indischen Vertretung in Singapur, T.C.A. Raghavan, gab am Morgen den Tod der jungen Frau bekannt. "Wir haben es nicht geschafft, ihr Leben zu retten. Obwohl wir alles getan haben, um die bestmögliche medizinische Versorgung zu gewährleisten und sie dafür sogar hierher nach Singapur geflogen haben", sagte er. "Aber am Ende ist sie ihren Verletzungen erlegen, die wirklich sehr schwer waren."

Die Angehörigen der Studentin, die die ganze Zeit über am Krankenbett waren, seien am Boden zerstört, sagte der indische Hochkommissar. "Die Familie hat darum gebeten, ihre Privatsphäre  zu respektieren und sie in dieser schweren Stunde in Ruhe um ihre verstorbene Tochter trauern zu lassen", sagte er. "Die vergangenen Tage waren eine große Belastung für die Angehörigen. Die junge Frau war die ganze Zeit nicht bei Bewusstsein und ich muss sagen, die Angehörigen haben den ganzen Prozess mit großer Tapferkeit und großem Mut ertragen."

Indisches Vergewaltigungsopfer in Singapur gestorben
B. Musch-Borowska, NDR Singapur
29.12.2012 04:31 Uhr

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Protestwelle nach Vergewaltigung

In Indien hatte die Vergewaltigung vor rund zwei Wochen große Proteste ausgelöst. In Neu Delhi und anderen indischen Städten gab es Demonstrationen für ein entschlosseneres Vorgehen gegen sexuelle Gewalt. In den meisten Fällen werden die Täter gar nicht strafrechtlich verfolgt. Erst vor wenigen Tagen hatte eine junge Frau im Norden Indiens Selbstmord begangen, weil sie nach einer Vergewaltigung von der Polizei gedrängt worden war, die Anzeige zurückzunehmen und stattdessen ihren Vergewaltiger zu heiraten.

Gesetze sollen überprüft werden

Demonstration gegen sexuelle Gewalt in Indien (Bildquelle: dpa)
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Die brutale Vergewaltigung löste in den vergangenen Tagen in ganz Indien heftige Proteste aus.

Indiens Premierminister Manmohan Singh kündigte an, dass die Gesetze überarbeitet würden. "Die Regierung ist entschlossen, die Schuldigen so schnell wie möglich vor Gericht zu bringen", sagte er. "Was die Strafen bei solchen Verbrechen angeht, haben wir eine Kommission gebildet, die Vorschläge machen soll, in welcher Weise die Strafen bei sexueller Gewalt gegen Frauen geändert werden können."

Medienberichten zufolge soll eine Datenbank vorbereitet werden, in der alle verurteilten Vergewaltiger des Landes erfasst werden. Ihre Namen, Porträtfotos und Adressen sollen auf Internetseiten der Polizei veröffentlicht werden. In Neu Delhi werde die Polizei eine spezielle Notrufnummer für Frauen einrichten, hieß es. Außerdem sollen Straßen besser beleuchtet und Busse häufiger kontrolliert werden.

Dieser Beitrag lief am 29. Dezember 2012 um 07:20 Uhr auf NDR Info.

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