Demonstrationen in Indien Toter bei Protesten gegen sexualisierte Gewalt

Stand: 23.12.2012 15:20 Uhr

Ungeachtet neuer Zugeständnisse der Regierung ist es in Indien erneut zu Massenprotesten gegen die Gruppenvergewaltigung einer 23-jährigen Studentin gekommen. Die Polizei ging in der Hauptstadt Neu-Delhi mit Wasserwerfern und Tränengas gegen Hunderte Demonstranten vor, die die Todesstrafe für die Vergewaltiger der jungen Frau forderten.

Seit Tagen wird Indien von einer massiven Protestwelle erschüttert. Bereits am Samstag hatten Tausende ihrem Ärger über den Angriff auf die Studentin Luft gemacht, die vor einer Woche in einem Bus vergewaltigt, brutal geschlagen und schwer verletzt worden war. Die Polizei erließ inzwischen ein Demonstrationsverbot für das Zentrum der Hauptstadt.

Journalist von Polizei erschossen

Die Vergewaltigung in Neu-Delhi ist nicht der einzige Fall, der derzeit für Aufsehen sorgt. In Imphal im Bundesstaat Manipur eröffnete die Polizei das Feuer auf eine Kundgebung gegen sexualisierte Gewalt. Nach Informationen des ARD-Hörfunkstudios Südasien wurde dabei der 29-jährige Journalist Nanao Singh von einer Kugel tödlich in die Brust getroffen. Er erlag seinen schweren Verletzungen im Krankenhaus.

Der Journalist war auf den Straßen von Imphal im Einsatz, um über einen Generalstreik zu berichten, der in Gewalt umschlug. Der Generalstreik war von Filmemachern und Schauspielern ausgerufen worden, um die Verhaftung eines bekannten Separatistenführers durchzusetzen. Der Mann wird beschuldigt, eine Schauspielerin aus Manipur in aller Öffentlichkeit sexuell belästigt zu haben.

Proteste in Indien gegen sexualisierte Gewalt gegen Frauen
tagesthemen 23:15 Uhr, 23.12.2012, Gábor Halász, ARD Neu-Delhi

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Regierung kündigt Maßnahmen an

Angesichts der seit Tagen andauernden Proteste kündigte der indische Innenminister Sushilkumar Shinde neue Schritte der Regierung zum Schutz von Frauen im Land an. Er reagierte am Samstag auch auf Forderungen der Demonstranten, die Todesstrafe gegen die sechs mutmaßlichen Vergewaltiger der Studentin zu verhängen. Die Regierung werde sich mit diesen Forderungen auseinandersetzen, versprach er. Zugleich kündigte er eine Untersuchung des Zwischenfalls vom vergangenen Sonntag an. Shinde sagte, nach dem Vorfall seien fünf Polizisten vom Dienst suspendiert worden. Ihnen wurde vorgeworfen, nicht schnell genug auf den Angriff reagiert zu haben.

Zusammenstöße in Indien | Bildquelle: AFP
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In Indien hören die Proteste gegen sexuelle Gewalt nicht auf.

Zusammenstöße in Indien | Bildquelle: AFP
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Die Polizei ging erneut mit Tränengas gegen die Demonstranten vor.

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