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28.05.2012

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Gründer der Brustimplantatefirma PIP gibt Täuschung des TÜV zu
Skandal um billige Brustimplantate

PIP-Gründer gibt Täuschung des TÜV zu

Der Gründer der umstrittenen Brustimplantate-Firma Poly Implant Prothèse (PIP), Jean-Claude Mas, hat zugegeben, den TÜV Rheinland bei der Kontrolle seiner Prothesen jahrelang getäuscht zu haben. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf ein Protokoll seines Polizeiverhörs im Oktober.

PIP-Brustimplantate (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: PIP-Brustimplantate ]
Demnach ordnete Mas bereits 1993 an, vor dem TÜV "die Wahrheit zu verschleiern". Der eigentliche Betrug begann nach Angaben des früheren technischen PIP-Leiters, Thierry Brinon, 2001 mit der Produktion der Silikoneinlagen, die Mas zum Großteil mit hausgemachtem Billiggel füllen ließ.

"Der TÜV kündigte seinen Besuch zehn Tage vorher an. Es war schon Routine, dass ich die Anweisung gab, alle Unterlagen zu verstecken, die einen Bezug zu dem nicht zugelassenen PIP-Gel hatten", sagte der 72-Jährige, der seine Firma 2010 auflösen musste, dem Protokoll zufolge. Seine Angestellten hätten sogar ganze Container verschwinden lassen. Nur ein Viertel seiner Brustprothesen habe das gegenüber dem TÜV angegebene US-Gel Nusil enthalten, sagte Mas. Drei Viertel seien dagegen mit einer viel billigeren hausgemachten Masse gefüllt gewesen.

Mas ging es nach Angaben Brinons bei dem Betrug ums Geld. 2009 lagen die Kosten für Nusil bei 35 Euro pro Liter, das hausgemachte PIP-Gel kostete dagegen nur fünf Euro pro Liter. Die billige Füllmasse für die hausgemachten Kissen lieferte der deutsche Chemiegroßhändler Brenntag, der allerdings nach eigenen Angaben darauf hinwies, dass das Silikon nur für die Industrieproduktion bestimmt sei.

Möglicherweise alle PIP-Implantate Billigprodukte

Laut Brinon sparte PIP nicht nur am Gel, sondern auch an den Hüllen für die Implantate. Das Ergebnis: 2009 wurden Risse an bis zu 40 Prozent der Produkte gemeldet. Nach Erkenntnissen der französischen Kontrollbehörde für Medizinprodukte, Afssaps, waren möglicherweise alle PIP-Kissen Billigprodukte. Bei Kontrollen sei kein einziges Silikonkissen gefunden worden, das in Ordnung gewesen sei. Von 1638 entfernten Kissen seien 1143 gerissen gewesen, 495 hätten zu Entzündungen geführt.

Audio: Bewusster Betrug: Produzent der Brustimplantate ohne Reue

AudioDaniela Kahls, MDR-Hörfunkstudio Paris 06.01.2012 16:35 | 1'21
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Der TÜV Rheinland muss sich am 2. Februar wegen der PIP-Kontrollen vor dem Handelsgericht Toulon verantworten. "Wir werden dort unsere Position darlegen: Wir halten die Klage für unzulässig und substanzlos", sagte ein TÜV-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa. Der TÜV Rheinland war lange Zeit für die Zertifizierung der Silikon-Implantate zuständig. Er hatte seinerseits vor einem Jahr wegen Täuschung Strafanzeige gegen PIP erstattet hatte.

PIP hatte weltweit hunderttausende Brustimplantate verkauft. Die französischen Behörden empfahlen vor Weihnachten etwa 30.000 Trägerinnen in Frankreich, sich die Kissen herausnehmen zu lassen.

Stand: 06.01.2012 14:56 Uhr
 

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