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[Bildunterschrift: Wird inzwischen weltweit gesucht: Der Chef des Brustimplantate-Herstellers PIP, Jean-Claude Mas. ]
Interpol fahndet weltweit nach dem Gründer des französischen Brustimplantate-Herstellers PIP. Aber nicht, wie zunächst angenommen, wegen des Skandals um seine Firma, sondern wegen Trunkenheit am Steuer. Hintergrund für den internationalen Fahndungsaufruf sei eine mutmaßliche Trunkenheitsfahrt im Juni 2010 in Costa Rica, stellte Interpol auf seiner Internetseite richtig. Die Suche nach Jean-Claude Mas habe nichts mit dem Skandal um die Silikonkissen des Unternehmens zu tun, betonte die Polizeibehörde in einer Stellungnahme. Zunächst war gemeldet worden, Mas werde in Costa Rica wegen Verbrechen in Zusammenhang mit "Leben und Gesundheit" gesucht.
Das zentralamerikanische Land hatte demnach bereits im Juni diesen Jahres die Fahndung über Interpol erwirkt, die am Freitag nach dem bisher einzigartigen Aufruf der französischen Behörden zur Entfernung der offenbar gesundheitsgefährdenden Implantate von PIP Aufsehen erregt hatte.
Mas drohen wegen des Trunkenheitsdeliktes drei Jahre Haft. Nach Angaben von Interpol will Costa Rica seine Auslieferung beantragen, sollte der 72-Jährige in einem der Mitgliedsländer der Polizeibehörde verhaftet werden.
Der Skandal um Billig-Brustimplantate hatte zuvor einen neuen Höhepunkt erreicht. Das französische Gesundheitsministerium hatte eine vorsorgliche Entfernung der minderwertiger Brustimplantate empfohlen. Gesundheitsminister Xavier Bertrand erklärte, "selbst ohne klinische Hinweise auf einen Verschleiß des Implantats" sei dies ratsam. Die Kosten für die Entfernung übernimmt laut französischem Gesundheitsministerium die staatliche Krankenversicherung. Eine derartige staatlich empfohlene Rückruf-Aktion ist im Bereich der Schönheitschirurgie bisher beispiellos.
[Bildunterschrift: Bisher sind in Frankreich acht Krebsfälle nach gerissenen Implantaten bekannt. ]
Der Grund für die Warnung sind acht Fälle von Krebserkrankungen bei Frauen, deren Implantate gerissen waren und sich das Gel den Körper verbreiteten. Allerdings ist bislang kein ursächlicher Zusammenhang zwischen den minderwertigen Implantaten und den Krebserkrankungen nachgewiesen. Das Gesundheitsministerium in Paris teilte mit, dass es nach Einschätzung des Nationalen Krebsinstituts (INCa) "bislang kein erhöhtes Krebsrisiko" für Frauen mit Einlagen der Firma Poly Implant Prothèse (PIP) gegenüber anderen Implantaten gebe.
Allerdings bestehe bei den PIP-Implantaten das Risiko von Rissen und in der Folge auch von Entzündungen, wodurch die Entfernung der Einlagen erschwert werde. In Frankreich ließen sich etwa 30.000 Frauen aus ästhetischen Gründen oder nach einer Brustkrebsoperation Silikoneinlagen des südfranzösischen Unternehmens PIP einsetzen. Die französischen Behörden stellten fest, dass die meisten Brustimplantate, die seit 2001 hergestellt wurden, nicht mit dem ursprünglich vorgesehenen Silikon-, sondern mit einem "hausgemachten Gel" gefüllt waren. Angeblich wurde der Stoff auch zur Herstellung von Badezimmer-Dichtungen, KFZ-Zubehör und Matratzen benutzt.
Mehr als 2000 Frauen haben seit März 2010 in Frankreich gegen die PIP-Implantate vor Gericht geklagt. Etwa 500 Frauen haben sich bereits auf den Rat ihrer Ärzte hin freiwillig ihre Silikon-Einlagen wieder herausoperieren lassen. Sie waren durch die Berichte verunsichert und wollten keine "Zeitbomben im Körper" haben.
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