Erneut tödliche Schüsse auf Polio-Impfteams UNO setzt Impfkampagne in Pakistan aus

Stand: 19.12.2012 13:25 Uhr

In Pakistan haben Extremisten erneut ein UNICEF-Impfteam attackiert. Drei Mitarbeiter der Organisation, die Impfungen gegen Polio verteilt, starben dabei. Erst gestern waren sechs Mitarbeiter der Kampagne getötet worden. Die Vereinten Nationen setzten die Aktion vorerst aus.

Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi

Erneut haben Extremisten UNICEF-Mitarbeiter ermordet. | Bildquelle: AFP
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Die Opfer der Attacke wurden in Peschawar ärztlich versorgt. Die Hilfe kam jedoch zu spät.

Gezielt nehmen Militante in diesen Tagen Frauen und Männer ins Visier, die Kinder mit dem teilweise überlebenswichtigen Impfstoff gegen Kinderlähmung (Polio) zu versorgen versuchen. Im Nordwesten Pakistans feuerten Polizeiangaben zufolge mehrere Bewaffnete von Motorrädern aus auf den Wagen einer Mitarbeiterin der Impfkampagne. Die Frau und ihr Fahrer kamen dabei ums Leben. In anderen Landesteilen gab es weitere Angriffe.

Die Vereinten Nationen haben angesichts der erneuten tödlichen Attacken entschieden, die Schluckimpfungen vorerst auszusetzen: "Die Sicherheitslage ist prekär in diesem Moment. Bevor wir nicht genauer wissen, was die Ursache all dessen ist, treffen wir besondere Vorkehrungen, um die Unversehrtheit unseres Personals sicherzustellen", bestätigte der Chef des pakistanischen Polio-Programms der Weltgesundheitsorganisation WHO, Elias Durry, dem ARD-Hörfunkstudio Südasien per Telefon.

Taliban sind erbitterte Gegner der Kampagne

Bislang hat sich niemand zu den Angriffen bekannt. Doch es ist kein Geheimnis, dass unter anderem die Taliban erbitterte Gegner der Impfungen sind. Die Aktion sei der Versuch von Seiten der USA, pakistanische Familien auszuspionieren, so lautet eines ihrer Argumente. Der Westen wolle auf diese Weise Muslime unfruchtbar machen, lautet ein anderes.

"Wer ein Polio-Impfteam angreift, muss völlig verrückt sein. Wer so etws tut, hat keine Ahnung, wie wichtig das für die Menschen und unsere Kinder ist. Wer an Kinderlähmung erkrankt, wird das ganze Leben lang mit einer Behinderung leben müssen", bemerkt schockiert ein Bewohner der Stadt Karatschi. Hier waren erst gestern bei gleich mehreren Angriffen Mitarbeiter der Impfkampgne getötet worden.

Vielzahl von Attacken

Ein pakistanisches Kind erhält eine Polio-Schluckimpfung. | Bildquelle: dpa
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Hunderte Kinder könnten mittels der einfachen Schluckimpfung vor der Kinderlähmng geschützt werden, doch die Taliban verbieten die Impfung.

Wie lange der Feldzug gegen die Krankheit angesichts der Vielzahl von Attacken nun ausgesetzt werden muss, dazu mochte Elias Durry von der WHO zunächst keine Angaben machen: "Bis wir die Sicherheitslage besser einschätzen können, bitten wir unsere Mitarbeiter, von zu Hause aus zu arbeiten."

Pakistan ist neben Afghanistan und Nigeria eines von drei Ländern, in denen es die Kinderlähmung überhaupt noch gibt. Weltweit konnte der Polio-Erreger erfolgreich in die Enge getrieben werden. So war es Indien vor kurzem gelungen, das Virus komplett auszurotten.

Dieser Beitrag lief am 19. Dezember 2012 um 15:51 Uhr auf NDR Info.

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