Trauer um eine getötete UNICEF-Mitarbeiterin  | Bildquelle: dapd

Attacke gegen UNICEF in Pakistan Sechs Tote bei Angriffen auf Polio-Impfteams

Stand: 08.02.2013 13:11 Uhr

In Pakistan sind sechs einheimische Mitarbeiter einer UNICEF-Impfkampagne gegen Kinderlähmung (Polio) erschossen worden. Bislang übernahm niemand die Verantwortung für die Angriffe. Allerdings hatten die Taliban ein Impfverbot in ihren Stammesgebieten ausgesprochen - angeblich aus Angst vor Impotenz und Spionage.

Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi

Die Attentäter haben an verschiedenen Orten zugeschlagen und gezielt auf die Helfer geschossen. Alle Todesopfer waren für eine dreitätige Impfkampagne von UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, unterwegs.

Die Hafenstadt Karatschi im Süden des Landes meldet die meisten Opfer. Aus Sicherheitsgründen stoppten die Verantwortlichen dort die Anti-Polio-Kampagne. Dabei ist die größte Stadt Pakistans mit ihren 18 Millionen Einwohnern eine Hoch-Risiko-Zone für Polio, genauso wie die Stammesgebiete entlang der afghanischen Grenze und die Provinzen Khyber-Pakhtunkkwa und Belutschistan.

Tödliche Schüsse auf Polio-Impfteams in Pakistan
S. Petersmann, ARD Neu-Delhi
18.12.2012 13:26 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

200 gelähmte Kinder in einem Jahr

Neben Nigeria und Afghanistan ist Pakistan das einzige Land, in dem Polio nach wie vor endemisch ist. Im vergangenen Jahr lähmte das Virus fast 200 pakistanische Kinder.

Doktor Janbaz Afridi vom staatlichen Impfprogramm erklärt: "Es gibt zwei sehr einfache Gründe für die Polio-Situation in Pakistan. Zu allererst das Verhalten und die fehlende Bildung auf Seiten der Eltern. Wenn die Eltern mehr über die Kinderlähmung wüssten, würden sie ihre Kinder besser schützen. Und der zweite Grund ist die nachlassende Impfleistung."

Denn militante Islamisten bekämpfen die groß angelegten, landesweiten Impfrunden, die die Verbreitung des gefährlichen Virus stoppen sollen.

Taliban: Impfungen machen impotent

Ein pakistanisches Kind erhält eine Polio-Schluckimpfung. | Bildquelle: dpa
galerie

Hunderte Kinder könnten mittels der einfachen Schluckimpfung vor der Kinderlähmng geschützt werden, doch die Taliban verbieten die Impfung.

Vor allem die pakistanischen Taliban greifen die Impfteams an und streuen über Mullahs das Gerücht, dass die Kampagnen in Wahrheit westliche Spionage seien und dass die Schluckimpfung impotent mache.

Die Angriffe der Islamisten haben zugenommen, seit der US-Auslandsgeheimdienst CIA im vergangenen Jahr die Hepatitis-Kampagne eines pakistanischen Arztes benutzt hat, um Osama bin Laden ausfindig zu machen.

Der betroffene Arzt, Schakil Afridi, ist anschließend in einem zweifelhaften Verfahren durch pakistanisches Stammesgericht zu über 30 Jahren Haft verurteilt worden. Die USA verlangen seine Freilassung.    

Darstellung: