Polizei am Grenzübergang Idomeni | Bildquelle: REUTERS

Proteste im Flüchtlingslager Idomeni "Wir haben gehört, die Grenze geht heute auf"

Stand: 27.03.2016 17:04 Uhr

Seit Wochen warten Tausende Flüchtlinge im Lager Idomeni darauf, ihren Weg auf der Balkanroute fortsetzen zu dürfen. Nun sorgte ein neues Gerücht für Unruhe: "Wir haben gehört, die Grenze geht heute auf", sagte ein Syrer. Die Polizei dementierte umgehend.

Am griechisch-mazedonischen Grenzübergang Idomeni haben sich Hunderte Flüchtlinge aus Protest gegen die Grenzschließung versammelt. Sie skandieren "open the borders". Viele Menschen hielten weiße Tücher in der Hand, um zu symbolisieren, dass sie friedlich unterwegs sind.

"Wir haben gehört, die Grenze geht heute auf", sagte ein aus Syrien stammender Flüchtling im griechischen Rundfunk. Andere gaben an, sie hätten gehört, dass internationale Journalisten und Mitarbeiter des Roten Kreuzes ihnen helfen würden, die Grenze zu durchbrechen. "Sie sagten uns, dass das Rote Kreuz und 500 Journalisten aus aller Welt mit uns sein würden", wird ein Flüchtling zitiert. Ein anderer junger Syrer sagte, seine Schwester in Deutschland habe dasselbe im Internet gelesen und ihn alarmiert.

Polizei sichert Grenzzaun

Die Polizei informierte über Lautsprecher auf Arabisch und Farsi, dass die Gerüchte nicht stimmten und die Grenze nicht geöffnet werde, berichteten Augenzeugen.

Um die Migranten daran zu hindern, den Grenzzaun zu stürmen, wurden starke Einheiten der griechischen Bereitschaftspolizei zwischen dem Zaun und den Flüchtlingen positioniert, wie das griechische Fernsehen zeigte. Flüchtlinge standen auch auf der Eisenbahntrasse, die Griechenland mit Mazedonien verbindet. 1500 Flüchtlinge hätten sich an der Aktion beteiligt, schätzten Reporter vor Ort. Einige jüngere Migranten waren sichtlich wütend und aufgebracht. Am Nachmittag beruhigte sich die Lage, wie das Staatsfernsehen berichtete.

Hunderte Flüchtlinge demonstrieren vor Grenzzaun in Idomeni
tagesschau 20:00 Uhr, 27.03.2016

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Herkunft der Gerüchte unklar

Ein Sprecher der griechischen Behörde, die den Hilfseinsatz in der Flüchtlingskrise koordiniert, sagte, einige Menschen würden aus unbekannten Gründen "falsche Hoffnungen" wecken. Gegen wen sich der Vorwurf richtet, ist bisher unklar.

Eine Rolle bei der Entstehung der Gerüchte könnte möglicherweise auch eine Äußerung des thüringischen Ministerpräsident Bodo Ramelow gespielt haben. Dem "Spiegel" hatte er gesagt, sein Land könnte bei einer "koordinierten Aktion mehrerer Bundesländer" 1000 bis 2000 Flüchtlinge aus Idomeni aufnehmen. Voraussetzung sei, dass die Bundesregierung in Visafragen und bei der Logistik helfe. Ob die Gerüchte in Idomeni auf diese Äußerungen zurückgingen, ist jedoch unklar.

Weiter mehr als 10.000 Flüchtlinge in Idomeni

Derzeit harren etwa 11.600 Flüchtlinge in dem provisorischen Lager in Idomeni aus, nachdem vor einigen Wochen die Länder entlang der Balkanroute ihre Grenzen dichtgemacht hatten. Griechenland bemüht sich, die Flüchtlinge zu überreden, in offizielle Lager umzusiedeln. Am Freitag und Samstag wurden 600 Flüchtlinge mit Bussen in andere Lager gebracht.

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