Flüchtlinge an griechisch-mazedonischer Grenze | Bildquelle: REUTERS

Flüchtlinge an der griechischen Grenze "Sind wir keine Menschen?"

Stand: 07.12.2015 05:56 Uhr

Tausende Migranten kämpfen derzeit in der Grenzregion der griechischen Stadt Idomeni um die Einreise nach Mazedonien. Viele wollen weiter Richtung Österreich und Deutschland. Doch für Einige endet ihr Weg dort.

Von Wolfgang Landmesser, ARD-Hörfunkstudio Athen

Passkontrolle am Grenzzaun von Idomeni. Es ist gerade dunkel geworden, die Temperatur ist auf fast null Grad gefallen. Alles geht ganz schnell: Der mazedonische Polizist schaut auf die Dokumente. Wenn die Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan kommen, dürfen sie passieren. Andere müssen wieder zurück. "Gefälschter Pass", sagt der Grenzpolizist, die drei jungen Männer wenden sich wortlos ab, als hätten sie damit gerechnet. Ein Versuch eben, doch über die Grenze zu kommen.

Im Camp von Idomeni warten viele Menschen aus dem Iran, aus Pakistan und aus afrikanischen Ländern, dass sich die Grenze vielleicht doch noch für sie öffnet. Er komme aus Belutschistan, sagt ein 30-jähriger Mann, der seinen Namen nicht nennen möchte - aus Angst vor der iranischen Regierung. "Ich habe meine Mutter und meine vier jüngeren Geschwister verlassen, um eine bessere Zukunft zu haben. Und jetzt bin ich in dieser furchtbaren Situation", sagt er. "Sie gehen sehr unfair mit uns um. Sind wir keine Menschen wie die Syrer, Iraker und Afghanen?"

Weder voran noch zurück

Weil seine Volksgruppe vom Staat verfolgt werde, könne er nicht in seine Heimat zurückkehren. Und Asyl in Griechenland zu beantragen, kann er sich auch nicht vorstellen: "Ich will hier nicht bleiben, Griechenland ist sehr klein und nicht gut entwickelt, sie können es sich nicht leisten alle diese Menschen zu ernähren. Ich habe die Situation gesehen, ich war in Athen."

Nach Athen sollen die Flüchtlinge, die nicht nach Mazedonien einreisen dürfen, jetzt wieder zurück. Die griechische Regierung stellt die Busse kostenlos zur Verfügung. In den letzten Tagen haben jeweils Hunderte das Angebot angenommen. Gleichzeitig kommen jetzt offenbar weniger Flüchtlinge neu in Idomeni an, die keine Chance haben, die Grenze zu passieren.

Flüchtlinge an griechisch-mazedonischer Grenze | Bildquelle: AP
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Seit Tagen harren Flüchtlinge in Idomeni aus

Jiorgos Kosmopoulos, Geschäftsführer der griechischen Sektion von Amnesty International, zweifelt daran, dass die Rückkehr der Menschen nach Athen eine Lösung ist: "Wir müssen abwarten, was passiert. Aber die Situation in Athen ist nicht einfach. Es gibt für diese Leute keine richtigen Unterkünfte, nicht kurz- und schon gar nicht langfristig. Was wir fordern sind ordentliche Aufnahmestellen und dass die Menschen nicht wegen ihrer Nationalität diskriminiert werden."

Warten in der Kälte

Noch immer warten um die 1500 Menschen vor der mazedonischen Grenze darauf, dass sich doch noch etwas bewegt - und haben dort eine weitere kalte Nacht verbracht. Immerhin haben die Flüchtlinge Decken bekommen und die großen Zelte sind beheizt.

Osman aus Marokko will sich auf keinen Fall damit abfinden, dass sein Weg nach Deutschland hier zu Ende ist. Er habe so viel dafür aufs Spiel gesetzt: "Ich warte jetzt, was die Behörden mit uns vorhaben. Ich befürchte es wird gut für sie sein, aber nicht für uns. Ich habe einen starken Willen. Wenn mich Soldaten zwingen zu gehen, werde ich gehen. Sonst nicht. Ich werde hier bleiben." Um Osman scharen sich etwa zehn weitere Marokkaner und reden auf Arabisch auf ihn ein. "Wir haben keine bösen Absichten", übersetzt er, "wir sind keine Terroristen. Und wir haben fast alle Berufsabschlüsse".

In Idomeni wird damit gerechnet, dass die Polizei bald auch diejenigen Menschen wegbringen wird, die nicht freiwillig gehen wollen. Der griechische Migrationsstaatssekretär Jannis Mouzalas hatte Ende vergangener Woche angekündigt, die Situation an der mazedonischen Grenze zu beenden.

 

Die Lage im Flüchtlingscamp Idomeni
Wolfgang Landmesser, WDR-Hörfunkstudio Brüssel
07.12.2015 01:45 Uhr

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