Flüchtlinge verlassen die Stadt Idlib | Bildquelle: AFP

Syrien-Konflikt Türkei fordert Ende der Idlib-Offensive

Stand: 10.01.2018 16:06 Uhr

Die Türkei hat die Syrien-Verbündeten Russland und Iran aufgefordert, auf einen Stopp der Idlib-Offensive zu drängen. Außenminister Cavusoglu sprach von einem Angriff auf die Deeskalationszone. Zehntausende fliehen aus der Region.

Die Türkei drängt auf ein Ende der syrischen Militäroffensive in der nordwestlichen Provinz Idlib. Ankara rief die Verbündeten des syrischen Machthabers Bashar al-Assad auf, ihrer "Verantwortung" gerecht zu werden, und Damaskus zum Stopp der Offensive zu bewegen. Nach Angaben der Türkei verletzt die Offensive die geltende Deeskalationszone in Idlib. "Der Iran und Russland sollten ihre Verantwortung erfüllen. Wenn ihr Garantiemächte seid, und das seid ihr, müsst ihr das Regime stoppen", sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Das türkische Außenministerium hatte bereits am Dienstagabend den iranischen und den russischen Botschafter einbestellt, um ihnen das "Unbehagen" der Türkei über die "Verletzung der Grenzen der Deeskalationszone in Idlib" zu übermitteln. Die Türkei hat Truppen im Norden von Idlib stationiert, um die Deeskalationszone abzusichern.

Welche Absicht hat das Regime?

Die am 25. Dezember gestartete Offensive sei nicht einfach eine Luftoffensive, sagte Cavusoglu. "Das Regime dringt nach Idlib ein. Es hat eine andere Absicht." Demnach verletzt die Offensive die Deeskalationszone, die auf Initiative der Türkei, Russlands und des Iran in Idlib eingerichtet worden war.

Zerstörte Häuser in Idlib | Bildquelle: AFP
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Bei den schweren Luftangriffen in der Region wurden laut Aktivisten bereits viele Zivilisten getötet.

Die Schutzzone sieht eine Waffenruhe zwischen Rebellen und Regierungstruppen vor. Allerdings gilt diese nicht für die Dschihadisten der Fateh-al-Scham-Front, die große Teile von Idlib kontrolliert. Seit dem 25. Dezember rücken die syrischen Regierungstruppen mit Unterstützung der russischen Luftwaffe im Südosten von Idlib vor. Dabei eroberten sie bereits dutzende Dörfer.

Warnung vor Fluchtwelle

Bei den schweren Luftangriffen in der Region wurden laut Aktivisten bereits viele Zivilisten getötet. Beobachter warnen vor einem weiteren Ansteigen der Flüchtlingszahlen. Nach UN-Angaben wurden von Dezember bis Anfang dieser Woche fast 100.000 Menschen aus dem Norden der Provinz Hama und dem Süden der Provinz Idlib vertrieben. Ende vergangener Woche hatten die UN noch von rund 70.000 Vertriebenen aus dieser Region gesprochen. Die Türkei rechnet damit, dass viele davon über ihre Südgrenze das Land erreichen. UN-Menschenrechtskommissar Said Raad al-Hussein äußerte sich zutiefst besorgt über die Situation in der syrischen Provinz Idlib. Die Sicherheit von Hunderttausenden Zivilisten sei gefährdet.

Neue Spannungen

Die Türkei unterstützt seit Beginn des Konflikts die Rebellen, näherte sich aber zuletzt Russland, das mit dem Iran die Regierung in Damaskus unterstützt. Der Streit um Idlib signalisiert nun aber eine erneute Zunahme der Spannungen in dem Trio.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Januar 2018 um 05:40 Uhr.

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