Apple-Logo an einem Verkaufsladen in China

Apple-Daten chinesischer Nutzer iCloud zieht nach China

Stand: 28.02.2018 10:53 Uhr

Der US-Internetkonzern Apple muss die Daten seiner chinesischen Nutzer von Servern in den USA an einen lokalen Partner in China abgeben. Der Grund: neue Gesetze. Datenschützer befürchten Missbrauch.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Apple-Nutzer in China bekamen in den vergangenen Wochen gleich zweimal folgende E-Mail: "Hallo! Vielen Dank, dass du iCloud verwendest. Wir haben einige wichtige Informationen bezüglich iCloud in Festlandchina für Dich."

iCloud ist der Online-Speicherdienst des US-Konzerns. Wer ein Telefon, ein Tablet oder andere Produkte von Apple kauft, wird automatisch Mitglied. Ob man den Speicherdienst nutzt, bleibt jedem selbst überlassen. Standardmäßig bietet Apple an, diverse Nutzer-Daten vom Gerät in die Cloud zu kopieren: Kontakte, E-Mails, Kalendereinträge und Kurznachrichten zum Beispiel.

Von Nutzern in China wurden diese hochsensiblen Daten bisher auf Servern in den USA gespeichert. Also vermeintlich sicher vor dem Zugriff chinesischer Behörden. Doch das ändert sich nun. "Ab dem 28. Februar wird der Betrieb von iCloud-Diensten, die mit deiner Apple‑ID verknüpft sind, von GCBD übernommen", so steht es weiter in der Mail.

Ein Mann und ein Mädchen betrachten Apple-Produkte in einem Geschäft. | Bildquelle: dpa
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130 Millionen Menschen nutzen in China das iPhone.

Daten in Gefahr

GCBD steht für Guizhou-Cloud Big Data. Das ist eine staatlich kontrollierte Internet-Firma mit Sitz in der südchinesischen Provinz Guizhou. Von dort aus werden nun alle iCloud-Daten von Apple-Kunden verwaltet, die eine chinesische Nutzerkennung haben, eine sogenannte Apple-ID. Betroffen sind also alle Nutzer, die bei der Anmeldung für eine solche Kennung eine chinesische Adresse angegeben haben. Sprich: Fast alle Nutzer in China. Und deren Daten seien ab sofort in Gefahr, warnt Cédric Alviani von der nichtstaatlichen Organisation "Reporter ohne Grenzen".

"Es besteht nun die Möglichkeit, dass chinesische Behörden direkten Zugriff haben auf alle Daten chinesischer Nutzer, die in der iCloud gespeichert sind", erklärt Alviani. Apple selbst weist jegliche Verantwortung von sich und verweist auf neue Gesetze zur Cybersicherheit, die in China seit vergangenem Jahr gelten. "Das bedeutet, dass die Daten chinesischer Nutzer nun - anders als vorher - unter chinesische Gesetzgebung fallen", erläutert Carly Ramsey von der Beratungsfirma "Control Risks" in Shanghai. "Chinesische Behörden haben damit einen leichteren Zugriff auf diese Daten."

Kritiker werfen Apple Heuchelei vor

Während Apple argumentiert, man habe keine Wahl, werfen Kritiker dem Unternehmen Heuchelei vor. Sie verweisen auf einen Fall vom Februar 2016. Damals weigerte sich Apple, mit der US-Bundespolizei FBI zusammenzuarbeiten und Nutzerdaten eines mutmaßlichen Terroristen zu entschlüsseln. Apple ließ sich damals in den USA als Retter des Datenschutzes feiern.

Anders nun im Falle Chinas. Hier händige Apple die Daten seiner Nutzer nicht nur an die Firma GCBD aus, sondern de facto auch an staatliche Behörden, sagen Kritiker. Und tatsächlich: Zwar gelten auch in China gewisse Datenschutz-Gesetze, im Zweifel hat der Staat aber immer das letzte Wort. Das ist auch der Unterschied zur EU. Auch dort gelten mit der Datenschutz-Grundverordnung inzwischen Regeln, nach denen bestimmte Nutzerdaten in Europa gespeichert werden müssen. Diese Daten aber sind durch ein funktionierendes rechtsstaatliches System vor staatlichem Zugriff geschützt.

Mehr als 130 Millionen Menschen betroffen

In China hingegen könnten Sicherheitsbehörden die Daten missbrauchen, um gegen kritische Bürger vorzugehen, warnt Alviani. "Seit vergangenem Jahr haben Gerichte in China mehrmals Privatleute verurteilt, weil sie sich in privaten Textnachrichten kritisch geäußert haben. Auch in dieser Hinsicht ist das Verlagern von Daten nach China durch Apple gefährlich."

Wie viele Apple-Nutzer betroffen sind, ist nicht klar. Es dürften mehr als 130 Millionen Menschen sein, allein so viele iPhone-Nutzer gibt es in China. "Es gibt nur wenige Konzerne auf der Welt, die so mächtig sind wie Apple", sagt Alviani. "Wenn es eine Firma gibt, die China die Stirn bieten kann, dann ist es Apple. Wenn Apple einknickt - welche andere soll denn dann noch Widerstand leisten?"

Datenschützer protestieren: Apple verlagert iCloud-Daten nach China
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
28.02.2018 09:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 28. Februar 2018 um 10:41 Uhr in der Wirtschaft.

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