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21.03.2010

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Ausland
Internet-Adressen bald ohne lateinische Schriftzeichen möglich
Internet-Adressen ohne lateinische Schriftzeichen

Doppeltes Domain-Dolmetschen

Nach der Einführung von ein- und zweistelligen Internet-Adressen in Deutschland steht heute die nächste große Änderung an. Die Internet-Verwaltung ICANN will Adress-Endungen wie ".de" - sogenannte Top Level Domains - in nicht-lateinischen Schriftzeichen zulassen. Damit soll es erstmals möglich sein, auch komplette Internetadressen etwa mit chinesischen, koreanischen, kyrillischen oder arabischen Schriftzeichen zu registrieren.

"Fantastisch komplizierte Angelegenheit"

"Das ist die größte technische Änderung für das Internet seit seiner Erfindung vor 40 Jahren", sagt der Vorsitzende des ICANN-Verwaltungsrats, Peter Dengate Thrush. Die Einführung von chinesischen, kyrillischen, arabischen oder griechischen Domain-Namen sei "eine fantastisch komplizierte technische Angelegenheit".

Internetcafé in Peking  (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Internetcafé in Peking: Mehr als die Hälfte aller Internetnutzer benutzt eigentlich eine andere Schrift als die lateinische. ]
Bislang sind Internet-Adressen nur in lateinischen Schriftzeichen möglich - obwohl von den 1,6 Milliarden Internet-Nutzern weltweit mehr als die Hälfte in einem Kulturraum zuhause ist, der eine andere Schrift hat. Die Beschränkung hatte technische Gründe. Jede Adresse im Internet muss übersetzt werden: von der Version wie etwa www.tagesschau.de, die sich Menschen gut merken können, in eine maschinenlesbare Zahlenkombination - die IP-Adresse.

Von Chinesisch in Unicode in ASCII

Das Dolmetschen übernehmen sogenannte Namensserver. Deren Wörterbuch ist bislang beschränkt auf den ASCII-Schriftsatz. Dieser "American Standard Code for Information Interchange" enthält nur lateinische Zeichen - weder deutsche Umlaute noch chinesische Zeichen sind darin zu finden. Mit anderen Worten: Im Lexikon fehlten die Kapitel, um Adressen mit solchen Top Level Domains zu übersetzen. Der Teil vor dem Punkt darf allerdings schon jetzt aus anderen Zeichen bestehen, darunter "ä", "ö" oder "ü".

Die Internet-Lenker haben nun ein System entwickelt, um genau das auf Top Level Domains wie ".de" oder ".com" auszuweiten. Besteht sie aus einer anderen Schriftart als der lateinischen, wird künftig doppelt gedolmetscht. Denn alle Zeichen der Welt sind in dem universalen Schriftsatz Unicode festgehalten. Chinesische Symbole werden also künftig zunächst von Unicode in ASCII übertragen und anschließend in die IP-Adresse.

Erste Adressen Mitte 2010?

Nach der Entscheidung von ICANN könnte das Verfahren zur Genehmigung nichtlateinischer Domainnamen sofort eingeleitet werden, sagt der neue ICANN-Präsident Rod Beckstrom. Die ersten Adressen könnten dann irgendwann Mitte 2010 freigeschaltet werden.

Stand: 30.10.2009 06:04 Uhr
 

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