San Francisco 49ers' Colin Kaepernick (7) und Eric Reid (35) knien während der US-Nationalhymne vor einem NFL-Spiel. | Bildquelle: AP

Streit im US-Sport Während der Hymne sitzen oder knien?

Stand: 23.09.2016 22:04 Uhr

US-Footballstar Colin Kaepernick kniet weiter. Der medienwirksame Protest des NFL-Spielers gegen soziale Missstände in den USA und Gewalt gegen Schwarze bekommt durch die Proteste in Charlotte eine neue Dimension.

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

In der vergangenen Woche wurden zwei Schwarze von Polizisten erschossen. Als Folge kam es zu schweren Ausschreitungen in den Straßen von Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina. Immer mehr Profisportler beziehen nun Position. Angefangen hat alles mit Colin Kaepernick. Der Quarterback der San Francisco 49ers kniet seit Ende August vor den Spielen seines Teams, wenn die US-Nationalhymne gespielt wird. "Die Botschaft ist: Wir haben viele Themen in den USA, die wir angehen müssen. Wir haben Leute, die unterdrückt sind, die nicht die gleichen Chancen bekommen. Polizeigewalt muss auch angegangen werden", sagt der Profisportler.

Todesdrohungen und Solidarität

Kaepernick hat Todesdrohungen bekommen. Ihm werden mangelnder Patriotismus und Respektlosigkeit vorgeworfen. Andere Sportler wiederum werden nachdenklich. Cam Newton, Quarterback der Carolina Panthers, spielt am Sonntag in Charlotte: "Ich bin Afro-Amerikaner. Ich bin nicht glücklich damit, wie über die Jahre mit Gerechtigkeit umgegangen wurde. Es gibt Unterdrückung in unseren Communities. Aber auch wir Schwarzen müssen es richtig machen. Wir dürfen nicht scheinheilig sein."

Immer mehr Sportler schließen sich Kaepernicks Protest an: Fußball-Nationalspielerin Megan Rapinoe, Football-Spieler der Miami Dolphins, der New England Patriots sowie der Tennessee Titans - auch Basketballer, Männer und Frauen.

Ein Protest mit verschiedenen Gesten

Manche knien, andere haken sich als Team unter oder recken eine Faust in den Himmel - wie die beiden schwarzen US-Sprinter bei den Olympischen Spielen 1968. Eric Reid war einer der ersten, der seinen Teamkollegen Kaepernick unterstützte: "Wir wählen zwar alle unterschiedliche Gesten für unseren Protest, aber wir sind uns einig darin, dass die Leute über das Thema diskutieren müssen. Ich freue mich, dass Kollegen da jetzt mitmachen." Brandon Marshall, Linebacker beim amtierenden Meister Denver Broncos, hat wegen seines knienden Protests zwei Sponsoren verloren, aber auch einen neuen dazu gewonnen.

Das Thema spaltet die Gesellschaft

Obama stellt sich hinter Kaepernick, Trump rät ihm zur Ausreise aus den USA. Kritik kommt von NFL-Spielern, Fans und TV-Kommentatoren. Eine Sportreporterin fragt nach den Toten in Tulsa und Charlotte in einem Artikel: "Wo seid ihr? Warum schweigt ihr Kritiker jetzt?"

Demonstranten sitzen auf einer Straße in Charlotte, North Carolina. | Bildquelle: AP
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Demonstranten blockieren ein Straße in Charlotte, North Carolina.

Der Cornerback der Seattle Seahawks, Richard Sherman, hat in einer Pressekonferenz diese Woche keine Fragen beantwortet. Stattdessen nur ein Zwei-Minuten-Statement. Sherman wollte los werden, was ihm persönlich auf der Seele lag: "Der Grund, warum diese Jungs knien, warum wir uns unterhaken ist, dass wir die Leute zusammenbringen wollen. Dass wir den Leuten bewusst machen wollten, dass es nicht richtig ist, was passiert, dass Menschen auf der Straße umgebracht werden."

Dunkle Zeiten

Sherman erzählt davon, dass er sich als Freiwilliger engagiert, um Kinder zu ermutigen besser und ehrgeiziger zu werden. Und er erklärt, was er den Kindern sagt und wie die Wirklichkeit dem entgegensteht: "Man erklärt einem Kind, dass es die Hände heben und allen Kommandos folgen soll, wenn es mit der Polizei zu tun hat, und trotzdem könnte es sein, dass dieses Kind erschossen wird, ohne dass jemand zur Rechenschaft gezogen wird. Das sind die dunklen Zeiten, in denen wir leben."

Hymnenstreit im US-Sport nach Charlotte: Sitzen oder knien zur Nationalhymne?
M. Buttler, ARD Washington
23.09.2016 21:06 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 24. September 2016 um 11:15 Uhr

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