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Fortschritte im Kampf gegen Unterernährung
Die Zahl der Hungernden sinkt
Die gute Nachricht: Die Zahl der Hungernden in der Welt ist in den vergangenen Jahren gesunken. Die schlechte: Noch immer ist jeder achte Mensch ohne ausreichende Ernährung. Mit knapp 870 Millionen Menschen bleibe die Zahl der Hungernden unannehmbar hoch, mahnt die UNO.
Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom
Trotz Missernten, Hungersnöten und ständig steigender Lebensmittelpreise - die Zahl der Hungernden sinkt. Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO leiden weltweit 870 Millionen Menschen Hunger. Damit ist diese Zahl seit 1990 stärker zurückgegangen als bislang angenommen.
Sie sei dennoch "inakzeptabel hoch", so der Generaldirektor der FAO, José Graziano da Silva. "Einer von acht Menschen hungert", betont er, "und das in einer Welt, in der es eigentlich genügend gibt. Das ist nicht hinnehmbar. Für uns als FAO ist die einzig akzeptable Zahl Null."
Statistik und Methodik überprüft
In den vergangenen Jahren sprach die Welternährungsorganisation plakativ von einer Milliarde Hungernden in der Welt. Nun hat man die eigene Statistik und Methodik überprüft und stellt fest: Es sind deutlich weniger als bislang angenommen. Das UN-Milleniumsziel aus dem Jahr 2000, bis 2015 die Zahl der unternährten und hungernden Menschen zu halbieren, scheine erstmals in erreichbare Nähe gerückt, sagt Keith Wiebe, bei der FAO zuständig für Entwicklungspolitik.
UN-Hungerbericht: Jeder achte Mensch hungert
T. Kleinjung, ARD Rom
09.10.2012 13:10 Uhr
Dies sei die gute Nachricht, denn es zeige, es gehe vorwärts. "Wir sind nicht ganz in der Spur", so Wiebe, "aber wir sind näher als wir dachten." Es gebe viele Regionen, die gute Fortschritte machten, betont er: "Asien, vor allem Süd-Ost Asien. Oder Lateinamerika. Wenn wir uns mehr anstrengen, wenn die Wirtschaft wieder wächst und die sozialen Sicherungssysteme effektiver werden, haben wir eine gute Chance, diese Ziele zu erreichen."
Keine guten Nachrichten aus Afrika
Gegen den Trend entwickelt sich Afrika südlich der Sahara. Hier hat die Zahl der Hungernden in den vergangenen Jahren ständig zugenommen. Das liegt natürlich auch an ständig steigenden Weltmarktpreisen für Weizen, Soja oder Reis. Das trifft die Ärmsten der Armen besonders hart, denn die geben fast ihr gesamtes Einkommen für Ernährung aus. Profitiert von dieser Preisentwicklung haben vor allem Bauern in Europa und Nordamerika. "Die Bauern in den Entwicklungsländern hatten nicht diese Gelegenheit", erklärt FAO-Experte Wiebe. "Sie haben diese hohen Weltmarktpreise gesehen, konnten aber lokal nicht davon profitieren. Außerdem haben sie keinen Zugang zu Düngemitteln oder Krediten und anderen Faktoren, die ihnen helfen zu wachsen."
Deshalb will die UN-Ernährungsorganisation einen besonderen Schwerpunkt auf die Kleinbauern in den Entwicklungsländern legen. "Die übersehen wir oft", sagt Wiebe und fordert: "Kleinbauern brauchen besseren Zugang zu Land, Ressourcen, Krediten und vor allem Wissen." Oft gehe es nur um bessere Information, erklärt Wiebe: "Dass sie wissen, was sind die Signale, die die Preisentwicklung bestimmen. Wo muss ich investieren? Es geht also um das Umfeld, in dem Kleinbauern arbeiten. Da steckt ein unglaubliches Potential."
100 Millionen Kinder untergewichtig
Trotz der positiven Entwicklung - es gibt noch eine Zahl, die der FAO Sorgen macht: die Zahl der hungernden Kinder. "Dass 100 Millionen Kinder unter fünf Jahren untergewichtig sind", sagt Generaldirektor da Silva, "halten wir in der Welt von heute mit all ihren technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten für nicht hinnehmbar".
Stand: 09.10.2012 13:25 Uhr
