Warteschlange für Lebensmittel im Südsudan | Bildquelle: dpa

Vereinte Nationen Hungersnot im Südsudan

Stand: 20.02.2017 14:46 Uhr

Hunderttausende Menschen im Südsudan sind vom Hungertod bedroht. Und das, obwohl das Land sehr fruchtbar ist. Die Gründe für die Krise seien menschengemacht, kritisieren UN-Vertreter.

Im Südsudan ist eine verheerende Hungersnot ausgebrochen. In zwei Teilen des nördlichen Bezirks Unity litten bereits mehr als 100.000 Menschen darunter, meldeten die Vereinten Nationen.

Die Organisation fürchtet eine weitere Ausbreitung der Hungerkrise. Rund die Hälfte der Südsudanesen - das heißt etwa 5,5 Millionen Menschen - litten bereits unter Ernährungsunsicherheit und schwebten damit in den kommenden Monaten in Lebensgefahr, heißt es in dem Bericht. Zudem hätten etwa drei Viertel aller Haushalte in dem ostafrikanischen Land nur mangelhaftes Essen.

UN: Unsere schlimmsten Befürchtungen wurden wahr

Grund für die Not sei der andauernde Bürgerkrieg und sowie eine ökonomische Krise in dem Land, heißt es in dem UN-Bericht. Südsudan leidet unter einer starken Inflation. Die Währung ist im vergangenen Jahr um 800 Prozent abgestürzt. Diese Entwicklung macht Nahrungsmittel für viele Familien unerschwinglich. Von einer Hungersnot sprechen die Vereinten Nationen nur, wenn bereits Menschen an Unterernährung gestorben sind.

"Unsere schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden", sagte Serge Tissot, Chef der UN-Ernährungsorganisation im Südsudan. Der Bürgerkrieg habe das normalerweise sehr fruchtbare Land zerrissen. Die Menschen müssen von den Pflanzen und Fischen leben, die sie gerade finden und fangen könnten.

Diese Hungersnot ist "menschengemacht", kritisierte auch Joyce Luma, Chefin des Welternährungsprogramms in Südsudan. Wenn es Sicherheit und Frieden in einem Land nicht gebe, könne humanitäre Hilfe immer nur begrenzt helfen.

Auch die südsudanesische Regierung hatte den Hungernotstand ausgerufen. Gleichzeitig blockiere Präsident Salva Kiir aber immer noch die Lebensmittelzufuhr in manchen Regionen, heißt es aus UN-Quellen.

südsudanesische Frau füllt einem Kind Flaschen mit Trinkwasser | Bildquelle: AFP
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Eine Frau füllt einem Kind Trinkwasser in Flaschen. 250.000 Kinder sind akut unterernährt.

250.000 Kinder in Lebensgefahr

Viele Kinder würden sterben, wenn sie nicht bald Nahrungsmittel erreichten, warnt Jeremy Hopkins, Chef des Kinderhilfswerks UNICEF in dem Land. 250.000 Kinder seien bereits stark unterernährt, was für sie akute Lebensgefahr bedeute.

Im Südsudan tobt schon seit Jahren ein Bürgerkrieg. Das Land war erst 2011 mit Hilfe der USA unabhängig geworden. Nach einem Machtkampf an der Staatsspitze waren aber Ende 2013 Kämpfe ausgebrochen. Alle Befriedungsversuche scheiterten bisher.

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR hat der Bürgerkrieg bereits mehr als 1,5 Millionen Menschen in die Flucht getrieben. Die Vereinten Nationen riefen bereits vor einigen Tagen auf, für die Menschen im Südsudan zu spenden.

Dürre auch in anderen afrikanischen Ländern

Auch andere Länder der Region sind von der schweren Dürre betroffen. Die Bundesregierung teilte mit, insgesamt 16,5 Millionen Euro für humanitäre Hilfe in Somalia, Äthiopien und Kenia zur Verfügung zu stellen. Schwerpunkte der Hilfe sollten die Nahrungs- und Trinkwasserversorgung sowie die Koordinierung der Hilfsmaßnahmen sein.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Februar 2017 um 15:00 Uhr.

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