Houston: US-Waffenlobby feiert Sieg über Obama

Ein Junge testet eine ausgestellte Waffe. (Bildquelle: AP)

Jahrestreffen der NRA in Houston

US-Waffenlobby feiert Sieg über Obama

Fünf Monate nach dem Amoklauf an der Grundschule in Newtown bejubelt sich die US-Waffenlobby NRA, weil sie es geschafft hat, Präsident Obamas Vorschläge für ein schärferes Waffengesetz zu verhindern. Viele Abgeordnete wagen es nicht, sich gegen die NRA zu stellen, denn sie ist reich und hilft ihren Anhängern gern mit Wahlkampfspenden.

Martin Ganslmeier, ARD-Hörfunkstudio Washington

Einen besseren Zeitpunkt hätte sich die mächtige Waffenlobby in den USA, die National Rifle Association (NRA), für ihre Jahresversammlung kaum aussuchen können als dieses Wochenende.

Denn fünf Monate nach dem schockierenden Amoklauf an einer Grundschule in Newtown ist es der Waffenlobby gelungen, die Vorschläge von US-Präsident Barack Obama für schärfere Waffengesetze zu verhindern. Entsprechend selbstbewusst begann das Treffen der Waffenbefürworter im texanischen Houston.

US-Waffenlobby NRA trifft sich in Houston
M. Ganslmeier, NDR Washington
04.05.2013 04:22 Uhr

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Jahrestreffen und Waffenshow

Es ist ein Treffen der Superlative: Bis zu 80.000 Mitglieder erwartet die Waffenlobby in Houston - mehr als je zuvor. Hinzu kommen rund 500 Waffenhersteller und Aussteller. Die NRA-Versammlung ist auch eine der größten Waffenshows in Amerika.

Schon zur Begrüßung gibt sich NRA-Präsident David Keene kämpferisch: "Habt Ihr gesehen, was im Senat passiert ist? Hätte jemand im Januar für möglich gehalten, dass wir heute soweit sind?"

NRA-Präsident David Keene (Bildquelle: REUTERS)
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NRA-Präsident David Keene...

NRA-Vize Wayne LaPierre (Bildquelle: AP)
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...und NRA-Vize Wayne LaPierre

Seit der Schlappe für Präsident Obama bei der Abstimmung im Senat kann die Spitze der Waffenlobby vor Kraft kaum laufen: "Die NRA-Mitglieder haben den elitären Waffengegnern direkt in die Augen geschaut", verkündete NRA-Vize Wayne LaPierre: "Und wir haben sie niedergezwungen."

Waffenshow während des Jahrestreffens der US-Waffenlobby NRA in Houston (Bildquelle: AP)
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Massenweise werden auf der Messe, die parallel zur NRA-Jahresversammlung veranstaltet wird, Waffen präsentiert.

Obamas gescheiterte Vorschläge

Drei zentrale Vorschläge hatte Präsident Obama nach dem Massaker von Newtown gemacht. Alle drei sind seit zwei Wochen auf absehbare Zeit gescheitert. Ein Verbot von halbautomatischen Sturmgewehren schien selbst vielen Demokraten unrealistisch. Auch ein Verbot von Patronenmagazinen mit mehr als zehn Schuss fand keine Mehrheit im Kongress.

Doch dass selbst strengere Überprüfungen von Waffenkäufern, insbesondere auf Waffen-Basaren, im Senat scheiterten, war eine bittere Niederlage für Obama: "Alles in allem war dies ein beschämender Tag für Washington", sagte der Präsident anschließend. Und die neben ihm stehenden Familienangehörigen der Opfer von Newtown tröstete er: "Unsere Anstrengung ist noch nicht vorbei!"

Männer testen ausgestellte Waffen. (Bildquelle: AP)
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Nicht nur Erwachsene dürfen hier die Ausstellungsstücke begutachten. Jeder Interessierte, ob groß oder klein, darf die Waffen in die Hand nehmen.

NRA - reich und gut organisiert

Wenn sich nach Newtown nichts tut, wird sich nie etwas ändern, meinen politische Beobachter in Washington. In Umfragen hatten sich fast 90 Prozent der Bürger für strengere Überprüfungen von Waffenkäufern ausgesprochen. Aber den starken Arm der Waffenlobby fürchten vor allem die Abgeordneten und Senatoren aus ländlichen Bundesstaaten. Kaum eine Organisation in Amerika hat mehr Geld und eine besser organisierte Basis.

Wer die Ziele der NRA unterstützt, kann mit satten Spenden der Waffenhersteller rechnen. Wer jedoch die Waffengesetze verschärfen will, wird mit Schmäh-Spots auf allen Kanälen angegriffen. Dieser "Kulturkampf" werde fortgesetzt, kündigte Vizepräsident LaPierre in Houston an: "Wir werden niemals davon abrücken, die Rechte der gesetzestreuen Waffenbesitzer zu verteidigen."

Waffengegner wollen nicht aufgeben

Die Befürworter strengerer Waffengesetze wollen dennoch nicht resignieren. Angehörige der Opfer von Newtown und Aurora sind ebenfalls nach Houston gekommen. Die Waffengegner werden es aber schwer haben, Gehör zu finden.

Teilnehmer der NRA-Jahrestaguzng applaudieren den Rednern. (Bildquelle: AP)
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Applaus für die Redner auf dem Jahrestreffen der Waffenlobby in Texas.

Um so mehr Applaus bekam der Gouverneur von Texas, Rick Perry. Er appellierte an Waffenhersteller, ihre Produktion nach Texas zu verlagern, wenn sie in anderen Bundesstaaten kritisiert werden: "Es gibt noch einen Ort in Amerika, der die Freiheit liebt", sagte Perry, "dieser Ort heißt Texas!"

Die NRA hat also nicht nur mit dem Zeitpunkt ihrer Jahresversammlung Glück gehabt. In Amerika gibt es wohl kaum einen gastfreundlicheren Ort für die Waffenlobby als Houston in Texas.

Dieser Beitrag lief am 4. Mai 2013 um 06:41 Uhr im Deutschlandfunk.

Stand: 04.05.2013 10:40 Uhr

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