Massenproteste in Hongkong

Hongkong "Regenschirm"-Inhaftierte rufen zum Durchhalten auf

Stand: 30.09.2017 13:45 Uhr

Drei Jahre nach den gewaltigen "Regenschirm"-Protesten in Hongkong rufen inhaftierte Aktivisten mit Briefen zum Durchhalten auf. Sie wehren sich gegen den Einfluss durch Festland-China. Peking verstößt zunehmend gegen das Prinzip "Ein Land - zwei Systeme".

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Zum dritten Jahrestag der Regenschirm-Revolte haben mehrere der Inhaftierten Briefe verfasst. Der 24-jährige Studentenführer Nathan Law rief die Menschen in Hongkong aus seiner Gefängniszelle heraus dazu auf, sich nicht unterkriegen zu lassen - trotz des wachsenden Einflusses Festlandchinas auf die Stadt. Die Zivilgesellschaft müsse stark bleiben. Wörtlich schrieb Law in dem Brief, der dem ARD-Hörfunk vorliegt:

"Nach unserer Verurteilung mögen einige unserer Anhänger den Glauben an die Rechtsstaatlichkeit und in die Institutionen Hongkongs verloren haben. Dennoch bitte ich Euch, nicht aufzugeben. Jeder von uns muss die Rechtsstaatlichkeit schützen."

Nathan Law
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Studentenführer Nathan Law

Eine Unterstützerin der inhaftierten Demokratie-Aktivisten, die anonym bleiben will, sagte: "Diese Briefe  geben uns Hoffnung. Sie können der Öffentlichkeit und der Zivilgesellschaft neuen Schwung verleihen. Wir hoffen, dass diese Briefe der Demokratiebewegung neue Stärke verleihen. Wir wollen in dieser autoritären Zeit vereint für unsere Ziele weiter kämpfen."

Pekings Einfluss immer stärker

Die ehemalige britische Kolonie Hongkong gehört seit 20 Jahren zu China. Bei der Übergabe damals wurde das weltweit einzigartige Prinzip "Ein Land, zwei Systeme" vereinbart. Anders als in Festlandchina genießen die Menschen in Hongkong zum Beispiel Meinungs- und Pressefreiheit. Es gibt keine Zensur. Auch die Wirtschaft Hongkongs ist frei. Doch der politische und gesellschaftliche Einfluss der Pekinger Führung nimmt immer weiter zu. Die Forderung der Regenschirm-Bewegung nach mehr Demokratie wurde von der pekingtreuen Stadtregierung Hongkongs bisher nicht umgesetzt.

Inhaftierte Regenschirm-Aktivisten
S. Wurzel, ARD Shanghai
30.09.2017 13:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 30. September 2017 um 13:11 Uhr.

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