Demonstranten in Hongkong halten am 16.1.2016 ein Bild des verschwundenen Verlegers Lee Bo. | Bildquelle: AFP

Nach dem Verschwinden in Hongkong Vermisster Buchhändler aus China zurück

Stand: 24.03.2016 17:15 Uhr

Nach drei Monaten ist ein chinakritischer Buchhändler nach Hongkong zurückgekehrt - von einer freiwilligen Reise nach China, wie er sagt. Sein zwischenzeitliches Verschwinden schürt in Hongkong die Sorge vor dem wachsenden Einfluss Pekings.

Der zeitweise vermisste regierungskritische Verlagsmitarbeiter Lee Bo ist aus China nach Hongkong zurückgekehrt. Dies teilte die Polizei mit. Lee sei befragt worden und habe versichert, dass er freiwillig aufs Festland gereist und die ganze Zeit dort frei gewesen sei.

Der Fall wirft für Aktivisten in der Sonderverwaltungszone Hongkong trotzdem Fragen auf. Lee ist einer von fünf Mitarbeitern des kleinen Verlags Mighty Current, der Bücher verlegte, die in China verboten sind. Verleger Gui Minhai verschwand im Oktober aus seiner Wohnung in Thailand, drei weitere Kollegen wurden ebenfalls zeitweise in China vermisst. Lee Bo hatte Hongkong im Dezember völlig unvermittelt verlassen und war drei Monate nicht auffindbar.

Freiwillige Hilfe für chinesische Justiz?

Nun erklärte er nach offiziellen Angaben aus Hongkong, er sei nach China gereist, um bei einem Gerichtsverfahren zu helfen. Er sei nicht verschleppt worden. Verleger Gui hatte im Januar zunächst ebenfalls gesagt, er sei freiwillig nach China gereist. Im Februar meldeten Staatsmedien dann, Gui habe zugegeben, mit dem Versand verbotener Bücher gegen chinesische Gesetze verstoßen zu haben.

China räumt Festhalten Hongkonger Verlagsmitarbeiter ein

Anfang Februar gab die chinesische Polizei erstmals zu, drei seit dem vergangenen Jahr vermisste Mitarbeiter eines chinakritischen Verlags aus Hongkong festzuhalten. In einem Brief an die Polizei der Sonderverwaltungszone schreibt die Polizei der südchinesischen Provinz Guangdong, Lui Por, Cheung Chi Ping und Lam Wing Kee würden wegen "illegaler Aktivitäten auf dem Festland" festgehalten. Gegen die Männer liefen Ermittlungen. Zudem seien sie in den Fall eines weiteren Verlagsmitarbeiters Gui Minhai, verwickelt, heißt es in einem Schreiben an die Hongkonger Polizei. Gui, der einen schwedischen Pass besitzt, war im Januar im chinesischen Staatsfernsehen vorgeführt worden. Dort gestand er, er habe sich wegen eines Verkehrsunfalls vor elf Jahren gestellt.

Die drei verschwundenen Kollegen Lees sollen inzwischen auf Bewährung frei sein. Hongkong gehört zwar zu China, hat aber als Sonderverwaltungszone besondere Rechte. 2014 hatte es monatelang Demonstrationen für mehr Demokratie gegeben. Das Verschwinden der Verlagsmitarbeiter hatte Befürchtungen aufkommen lassen, dass Peking das Prinzip "ein Land, zwei Systeme" aushöhlen könnte. Dieses gilt, seit Großbritannien 1997 die Kontrolle über Hongkong an China abtrat.

Demonstration in Hongkong | Bildquelle: AP
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Im Januar gingen in Hongkong Tausende Menschen auf die Straßen, um gegen das Verschwinden der Verlagsmitarbeiter zu protestieren. Der Fall Lee Bo hat alles verändert, dieser Slogan war allgegenwärtig auf der Demo. Der Mit-Organisator, Lee Cheuk-Yan sagte: "Das ist ein Wendepunkt! Das ist jetzt die Wegmarke, an der wir alle rauskommen und protestieren müssen, um unsere Freiheit zu schützen und das Prinzip: Ein Land, zwei Systeme."

Verärgerte Staatsspitze in Peking

Es gibt Mutmaßungen über die Gründe der chinesischen Aktivitäten rund um den Verlag Mighty Current. Er ist bekannt für Veröffentlichungen über Intrigen und Liebesgeschichten, die im Milieu ranghoher chinesischer Politiker spielen. Vor dem Verschwinden der fünf Männer gab es Vorbereitungen zu einem Buch über eine ehemalige Geliebte des chinesischen Präsidenten Xi Jinping.

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