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Polizeieinsatz gegen illegale Garküchen Mehr als 100 Verletzte in Hongkong

Stand: 09.02.2016 14:42 Uhr

Bei einem Polizeieinsatz gegen Betreiber von Garküchen ohne Lizenz ist es in Hongkong zu gewaltsamen Zusammenstößen gekommen. Weit mehr als 100 Menschen wurden verletzt, Dutzende festgenommen. Sie hatten versucht, die Schließung der Stände zu verhindern.

In Hongkong ist es nach einem Polizeieinsatz gegen unlizensierte Essensstände zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. Nach Angaben der Sicherheitskräfte wurden 90 Polizisten verletzt, auf der Gegenseite soll es ebenfalls Dutzende Verletzte geben.

Lokale Medien berichteten, eine Gruppe von Protestierenden habe versucht, die Schließung von Straßenständen zu verhindern, an denen ohne Genehmigung Essen verkauft wurde. Die Polizei ging mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen die Beteiligten vor. Einige warfen mit Steinen nach Polizisten. Mülleimer wurden angezündet und Straßenschilder umgestoßen. Ein Beamter habe zwei Schüsse mit seiner Pistole abgefeuert, als die Situation eskalierte, teilte die Polizei mit. Die örtliche U-Bahn-Station wurde geschlossen.

Mehrere Dutzend Festnahmen

Es waren die schwersten Ausschreitungen in Hongkong seit den Zusammenstößen bei den Protesten der Demokratiebewegung Ende 2014. Bis zum Morgen hatte sich die Lage aber wieder beruhigt.

Nach Polizeiangaben wurden 54 Menschen festgenommen. Ihnen wird unter anderem Widerstand gegen die Staatsgewalt und Störung der öffentlichen Ordnung vorgeworfen. Bei einer Verurteilung wegen Teilnahme an den Unruhen drohen ihnen bis zu zehn Jahre Gefängnis. In Berichten hieß es, unter den Festgenommenen sei ein Kandidat für örtliche Nachwahlen am 28. Februar: Edward Leung gehört zu den Politikern, die den Einfluss der Volksrepublik China auf Hongkong zurückdrängen wollen.

Hongkongs Verwaltungschef Leung Chun Ying verurteilte die Gewalt des "Straßenmobs". Er kündigte zugleich an, dass das Feuerwerk zum chinesischen Neujahr am Abend wie geplant stattfinden werde. Dazu werden Zehntausende Schaulustige erwartet.

alt Landkarte von China mit den Städten Peking und Hongkong

Hongkong - "ein Land, zwei Systeme"

Das sieben Millionen Einwohner zählende Hongkong gehört als Sonderverwaltungsregion zu China. Als eigenständiges Territorium mit Zollschranken und Passkontrollen an seinen Grenzen wird das asiatische Wirtschafts- und Finanzzentrum heute autonom verwaltet. Seit der Rückgabe der früheren britischen Kronkolonie 1997 an China gilt der Grundsatz "ein Land, zwei Systeme".

Grundlage ist die Gemeinsame Erklärung von Großbritannien und China von 1984. Darin verspricht China, den freiheitlichen Lebensstil und das marktwirtschaftliche System für mindestens 50 Jahre wahren zu wollen.
Demokratie will China ebensowenig einführen wie freie Wahlen erlauben. Ein Wahlkomitee bestimmt den Regierungschef, während das Parlament (Legislativrat) nur teilweise demokratisch besetzt wird. Die Bevölkerung besteht zu 92 Prozent aus Chinesen, die meist Kantonesisch sprechen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Februar 2016 um 07:30 Uhr.

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