Milliardär Xiao Jianhua | Bildquelle: AFP

Milliardär verschwunden Wo ist Xiao Jianhua?

Stand: 02.02.2017 11:09 Uhr

Es klingt wie ein Spionagethriller: In Hongkong ist ein Milliardär spurlos verschwunden. Angeblich sollen chinesische Polizisten Xiao Jianhua "überredet" haben, sie aufs Festland zu begleiten. Vom 46-Jährigen selbst gibt es seit Freitag kein Lebenszeichen.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Die Geschichte hat alles, was ein Spionagethriller braucht: Ein 46-jähriger chinesischer Multimilliardär verschwindet plötzlich aus einem Luxus-Hotel in Hongkong. Zuerst weiß niemand, wo er hin ist, dann teilt seine Firma mit, dem Geschäftsmann gehe es gut, er halte sich im Ausland auf, um eine Krankheit auszukurieren. Später verschwindet diese Mitteilung plötzlich wieder aus dem Internet.

Neuesten Meldungen zufolge soll sich Xiao Jianhua in China aufhalten und bei strafrechtlichen Ermittlungen helfen. Einzelheiten oder gesicherte Informationen dazu gibt es nicht. Die üblicherweise gut informierte Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" zitiert einen nicht genannten Informanten. Demnach haben chinesische Polizisten Xiao "überredet", ihnen bei Ermittlungen zu helfen. Ganz freiwillig natürlich. Es gehe unter anderem um Finanzgeschäfte während des chinesischen Börsencrashs vor anderthalb Jahren.

alt Landkarte von China mit den Städten Peking und Hongkong

Hongkong - "ein Land, zwei Systeme"

Das sieben Millionen Einwohner zählende Hongkong gehört als Sonderverwaltungsregion zu China. Als eigenständiges Territorium mit Zollschranken und Passkontrollen an seinen Grenzen wird das asiatische Wirtschafts- und Finanzzentrum heute autonom verwaltet. Seit der Rückgabe der früheren britischen Kronkolonie 1997 an China gilt der Grundsatz "ein Land, zwei Systeme".

Grundlage ist die Gemeinsame Erklärung von Großbritannien und China von 1984. Darin verspricht China, den freiheitlichen Lebensstil und das marktwirtschaftliche System für mindestens 50 Jahre wahren zu wollen.
Demokratie will China ebensowenig einführen wie freie Wahlen erlauben. Ein Wahlkomitee bestimmt den Regierungschef, während das Parlament (Legislativrat) nur teilweise demokratisch besetzt wird. Die Bevölkerung besteht zu 92 Prozent aus Chinesen, die meist Kantonesisch sprechen.

Enge Verbindungen zur chinesischen Führung

Von dem Milliardär und Gründer der chinesischen Tomorrow-Firmengruppe selbst ist seit seinem Verschwinden am Freitag nichts zu hören. Die Tatsache, dass er enge Verbindungen zur chinesischen Staatsführung unterhält, heizt die Gerüchteküche zusätzlich an.

Der Fall verdeutlicht zwei Dinge. Zum einen zeigt er, wie undurchsichtig in China die Verknüpfungen zwischen Wirtschaft, Geld, Politik und Macht verlaufen. Zum anderen - und das macht vielen Menschen in Hongkong Angst - wie ausgehöhlt die Autonomie der Sieben-Millionen-Einwohner-Stadt inzwischen ist.

Peking mischt sich vermehrt in Hongkong ein

Eigentlich haben Ermittler und Sicherheitskräfte aus Festlandchina in Hongkong nichts zu melden. Die Realität hingegen sieht inzwischen ganz anders aus. So wurden vor gut einem Jahr Peking-kritische Hongkonger Buchhändler ganz offensichtlich nach China entführt. Auch hier hieß es später, das Ganze sei freiwillig passiert. Die Betroffenen hätten den chinesischen Ermittlern lediglich geholfen.

Auch politisch hat sich die Staatsführung in Peking in den vergangenen Monaten immer wieder in Hongkonger Angelegenheiten eingemischt. Großbritannien hatte die ehemalige Kolonie Mitte 1997 an China zurückgegeben. Alle Beteiligten versprachen damals, sich für 50 Jahre an das Prinzip "Ein Land, zwei Systeme" zu halten. Knapp 20 Jahre nach der Übergabe an China ist von der Hongkonger Selbstbestimmung und den Freiheitsrechten allerdings nicht mehr viel übrig.

Milliardär verschwindet aus Hongkong
Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai
02.02.2017 09:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. Februar 2017 um 09:33 Uhr.

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