Die neu entdeckte Menschenart Homo Naledi | Bildquelle: AFP

Sensationsfund in Südafrika Neue Menschenart entdeckt?

Stand: 10.09.2015 14:20 Uhr

Er war gerade einmal 1,50 Meter und sein Gehirn so groß wie eine Orange: In Südafrika ist offenbar eine neue Menschenart entdeckt worden. Die Wissenschaftler sprechen von einer Sensation, doch es gibt auch skeptische Stimmen.

In Südafrika haben Forscher offenbar die Überreste einer bislang unbekannten Menschenart entdeckt. Sie fanden in der Höhle Rising Star im Nordwesten von Johannesburg die Fossilien der Homo naledi benannten, bisher unbekannten Menschenart. Diese zeichnete sich laut Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig auch durch die Fähigkeit zu langen Wanderungen und zum Klettern aus.

Die neu entdeckte Menschenart Homo Naledi | Bildquelle: dpa
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So könnte unser Vorfahre ausgesehen haben ...

Besonders erfreulich für die Wissenschaft: In der Kammer fanden sich fast alle Knochen mehrfach, berichtet Teamleiter Lee Berger. Daher sei Homo naledi der Wissenschaft schon jetzt besser bekannt als alle anderen fossilen Vertreter der menschlichen Abstammungslinie. Er war demnach etwa 1,50 Meter groß und wog 45 Kilogramm. Einen "sehr grazilen Körperbau" bescheinigen ihm die Forscher - und ein nur etwa orangengroßes Gehirn.

"Überraschend menschenähnliche Eigenschaften"

Homo naledis Schädel, Zähne, Schultern und Becken ähnelten zwar den frühesten Vertretern unserer Gattung. In anderen Punkten sahen die Forscher aber auch "überraschend menschenähnliche" Eigenschaften: Die Füße etwa seien kaum von denen eines modernen Menschen zu unterscheiden. Mit den Händen war er wohl geschickt genug, um Werkzeuge zu benutzen. Die vergleichsweise stark gebogenen Finger deuteten zudem darauf hin, dass Homo naledi klettern konnte, erklärt die Paläo-Anthropologin Tracy Kivell vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie.

Wie alt die Fossilien von mindestens 15 Individuen sind, sei noch nicht genau geklärt, schreibt das internationale Team im Fachblatt "eLIFE". Die Überreste der Art gehören zu einem umfangreichen Fund von Fossilien, den Forscher der südafrikanischen University of the Witwatersrand 2013 machten. Geborgen wurden bislang mehr als 1550 Teile - wie viele noch in der Höhle liegen, sei unklar, sagte eine Sprecherin des Max-Planck-Instituts.

Urmenschen-Skelette "Homo-Naledi" in Südafrika entdeckt
tagesschau 17:00 Uhr, 10.09.2015, M. Ebert, SWR

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Fundort deutet auf Bestattungsritual hin

Wegen des Fundorts nehmen die Forscher an, dass die Toten bewusst in der Höhle abgelegt wurden. Dass Verstorbene bestattet werden, galt bislang als Ritual des modernen Menschen, Homo sapiens. Andere Szenarien könnten wohl ausgeschlossen werden, so die Forscher. Da die Knochen relativ unbeschadet sind, sei unwahrscheinlich, dass Raubtiere oder Wasser die Körper in die Kammer befördert haben. Die wenigen nichtmenschlichen Fossilienteile dort stammen demnach von zufällig in die Kammer geratenen Mäusen und Vögeln.

Züricher Forscher zweifelt an Thesen

"Das Material ist fantastisch", sagte der Anthropologe Christoph Zollikofer von der Universität Zürich zu dem Fund. "Die daraus abgeleiteten zwei Hauptthesen allerdings sind fragwürdig." Dass eine neue Art gefunden wurde, die zudem auch noch ihre Toten beerdigte, sei eine tolle Geschichte - die aber auf tönernen Füßen stehe. "Einer wissenschaftlichen Überprüfung hält das nicht stand."

"Verblüffende Übereinstimmungen mit frühem Homo erectus"

Die Knochen zeigten "verblüffende Übereinstimmungen" zu denen, die bei Fossilien des frühen Homo erectus in Georgien gefunden wurden - etwa bei Beinen und Füßen. Wahrscheinlich seien die Knochen aus der Höhle dieser Art zuzuordnen, vermutet Zollikofer. Auch an der These, es habe eine Art Bestattung der Toten gegeben, zweifelt der Züricher Forscher. "Seit deren Tod ist extrem viel Zeit vergangen, auch relativ unwahrscheinlich Wirkendes kann in so langer Zeit passieren." Das habe sich schon bei anderen zunächst spektakulär wirkenden Fundsituationen gezeigt. Es sei fatal, Hinweise so vorschnell überzuinterpretieren.

Sensationsfund in Südafrika - Fossilien einer bislang unbekannten Menschenart entdeckt
Leonie March, ARD-Hörfunkstudio Johannesburg
11.09.2015 09:50 Uhr

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