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23.02.2012

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Ausland
Homöopathen im Einsatz gegen Malaria
Homöopathen ohne Grenzen

Mit Milchzuckerkugeln gegen Malaria

Der Kampf gegen Malaria in Afrika ist eines der Ziele der "Homöopathen ohne Grenzen". Dafür ernten sie auch Kritik, denn die Homöopathen wollen ohne die Mittel der Schulmedizin heilen. Viele Menschen in den abgelegenen Dörfern von Sierra Leone setzten trotzdem auf sie.

Von Alexander Göbel, ARD Hörfunkstudio Westafrika

Eine Homöopathin notiert die Krankengeschichte einer Patientin. Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Wie hier in einem kleinen Dorf behandeln die Homöopathen in Sierra Leone an manchen Tagen mehrere hundert Menschen. ]
"Ärzte ohne Grenzen" kennt jeder. Dass die engagierten Schulmediziner gebraucht werden, gerade in den ärmsten Gegenden der Welt, ist unbestritten. Aber es gibt auch Organisationen, die in Afrika keine Tabletten verteilen, sondern Kügelchen. Tief im Landesinneren von Sierra Leone gehen die Menschen bei den "HOGs" in die Sprechstunde - bei den deutschen Heilpraktikern von "Homöopathen ohne Grenzen". Ganze Dorfgemeinden schwören auf Naturheilkunde und homöopathische Globuli. Denn die, sagen sie, helfen gegen Krankheiten aller Art - auch gegen die gefürchtete Malaria.

In der Dorfhütte von Worreh Makankry ist Sprechstunde - seit Stunden, und das bei tropischen 40 Grad unter dem Strohdach. Längst hat sich herumgesprochen: Die Deutschen sind da. Sie sind keine Ärzte, aber sie versprechen Heilung. Kristina Lotz und Renate Blum sitzen schweißgebadet an Holztischen und sprechen mit ihren Patienten. Die beiden Heilpraktikerinnen vom Verein "Homöopathen ohne Grenzen" haben noch einige hundert Patienten vor sich. "Die Anamnese läuft hier unwahrscheinlich einfach und klar", sagt Blum, "weil die Leute hier sehr deutlich ihre Symptome beschreiben können. Und wir sind absolut überrascht, wie gut die Homöopathie hier hilft, denn die Leute sind noch sehr rein, sie leben mit der Natur und sind noch sehr sensibel vom Organismus her."

Homöopathie:

Homöopathische Arzneimittel sollen den Körper dazu bringen, sich selbst zu heilen. Basis sind pflanzliche, mineralische und tierische Substanzen. Nach dem Prinzip "Heile Ähnliches mit Ähnlichem" werden stark verdünnte Wirkstoffe in Form von Tropfen, Tabletten oder Kügelchen eingesetzt, die bei Gesunden in hohen Dosen Symptome der jeweiligen Krankheit hervorrufen würden. Intensivmedizinische oder chirurgische Behandlungen kann Homöopathie nicht ersetzen.

Obwohl die Wirksamkeit der Homöopathie von Wissenschaftlern angezweifelt wird, haben laut einer vom Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller 2009 in Auftrag gegebenen Umfrage schon 57 Prozent aller Deutsche homöopathische Arzneimittel genommen.

Die Homöopathie wurde im 19. Jahrhundert von dem Arzt Samuel Hahnemann (1755-1843) begründet. Sein Förderer und Patient war Herzog Ferdinand von Anhalt-Köthen. Die Homöopathie verbreitete sich noch zu Lebzeiten Hahnemanns in ganz Europa bis nach Indien und auf dem amerikanischen Kontinent.
 

Kein Strom, kein sauberes Wasser - dafür unzählige Krankheiten

Im Busch von Sierra Leone gibt es oft weder sauberes Wasser noch Strom, dafür unzählige Krankheiten. Besonders grassiert hier die Malaria, damit hat sich auch der Dorfälteste Usman Dao in die Hüttenpraxis geschleppt. Der Dorfheiler war ratlos, und einen Arzt oder teure Medikamente kann sich Usman Dao nicht leisten. Von den Homöopathinnen bekam er einen Papierbeutel mit Arznei - abgezählte Globuli, so groß wie Stecknadelköpfe. Behandlungskosten 80 Cent. Man hat ihm erklärt, in den Milchzuckerkugeln sei ein pflanzlicher Wirkstoff versteckt, stark verdünnt, aber mit geistiger Kraft. Diese Kraft werde seinem Körper helfen, sich selbst zu heilen. Dran glauben könne auch nicht schaden. "Als ich diese kleinen Kügelchen gegen Malaria genommen habe, ging es mir gleich viel besser", freut sich der Dorfälteste. "Das Fieber ging runter, ich konnte sogar auf dem Feld arbeiten. Nie wieder Malaria!"

Heilpraktikerin Kristina Lotz sieht sich durch solche Behandlungserfolge bestätigt. Keine chemischen Keulen, keine Nebenwirkungen, dafür ein ganzheitlicher Ansatz. Mittlerweile haben die Homöopathen ohne Grenzen auch Sierra Leones Gesundheitsminister überzeugt. Nebenbei bilden sie Krankenschwestern und -pfleger in klassischer Homöopathie aus. "Homöopathie ist Wahnsinn. Wenn man sieht, was man damit erreichen kann, dann kann man nur dabei bleiben. Ich hab auch anders angefangen und dann alles weggelassen, weil dies das am besten wirkende Mittel war, und auch am einfachsten anzuwenden, wenn man die Prinzipien kennt", sagt Lotz.

"Ärzte ohne Grenzen" wollen sich nicht äußern

Frauen aus einem Dorf in Sierra Leone warten auf die Behandlung der "Homöopathen ohne Grenzen". Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Das "Wartezimmer" ist voll: vor allem Malaria bedroht die Menschen in Sierra Leone. ]
Die Schulmedizin ist allerdings skeptisch, die Wirkung von Homöopathie nicht wissenschaftlich bewiesen. Die Mediziner von "Ärzte ohne Grenzen", die ebenfalls in Sierra Leone arbeiten, wollen sich zum Projekt der Homöopathen ebenso wenig äußern wie das Institut Pasteur in Paris oder die Weltgesundheitsorganisation WHO. Kristina Lotz kennt ihre Kritiker. Schon oft musste sie sich anhören, Globuli seien nichts als fauler Zauber, wirkten nur wie Placebos, also wie  Scheinmedikamente - und seien außerdem das Letzte, was arme Menschen in Afrika brauchten: "Also, da kann man reden, was man will, diese Debatte interessiert mich überhaupt nicht. Die Leute kommen, weil sie wissen, es tut ihnen gut. Heute morgen habe ich eine Frau behandelt wegen Menstruationsprobemen, jetzt sagt sie schon, es geht ihr besser. Gibt’s etwas Schnelleres? Für mich nicht. Also, ich bin wirklich überzeugt davon."

Natürlich stoße Homöopathie an ihre Grenzen, sagt Kristina Lotz, etwa bei schweren Verletzungen, bei Diabetes oder Aids. Doch die Heilpraktikerinnen lassen sich nicht beirren. Was in Deutschland funktioniere, könne in Afrika nicht schlecht sein. Das findet auch Dorfchef Usman Dao - ehrfürchtig spricht er von den "deutschen Wunderheilerinnen". Schließlich hätten sie ihn von der Malaria befreit: "Sie machen sehr gute Arbeit, ich will, dass sie wiederkommen und für immer hierbleiben!"

Stand: 30.05.2011 03:58 Uhr
 

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