Jubel und Enttäuschung nach US-Urteil zu Homo-Ehe

Demonstranten vor dem Supreme Court in den USA. (Bildquelle: AP)

US-Reaktionen auf Urteil zur Homo-Ehe

"Das Falsche ins Richtige verwandelt"

Die erste Gratulation kam von ganz oben: Präsident Obama saß schon im Flugzeug nach Afrika, als das Urteil des Obersten Gerichts zur Homo-Ehe würdigte. Enttäuscht reagierten dagegen Konservative und Kirchen auf die rechtliche Gleichstellung.

Von Martin Ganslmeier, NDR-Hörfunkstudio Washington

US-Präsident Obama war schon unterwegs nach Afrika, als der Oberste Gerichtshof sein bahnbrechendes Urteil verkündete. Vom Flugzeug-Telefon aus in der "Air Force One" gratulierte Obama den Klägern: "Sie können stolz auf diesen Tag und Ihren Mut sein!"

In einer schriftlichen Erklärung würdigte Obama das höchstrichterliche Urteil als wichtigen Fortschritt: "Der Supreme Court hat das Falsche ins Richtige verwandelt. Wenn alle Amerikaner gleich behandelt werden, dann sind wir alle freier."

Reaktionen auf das Homo-Ehen-Urteil des Supreme Court
M. Ganslmeier, ARD Washington
27.06.2013 03:37 Uhr

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Die Frage der Gleichbehandlung von Homo-Ehe und Hetero-Ehe war letztlich entscheidend für die Obersten Richter. Das "Gesetz zum Schutz der Ehe" aus dem Jahr 1996 definierte die Ehe ausschließlich als Lebensbund zwischen Mann und Frau. Homosexuelle Ehepartner mussten deshalb auf steuerliche Vorteile und soziale Leistungen wie die Hinterbliebenen-Rente verzichten.

Verstoß gegen Gleichheitsgrundsatz

Edith Windsor nach dem Urteil des US-Supreme Courts zur Homo-Ehe (Bildquelle: AP)
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Edith Windsor (rechts) hatte gegen die rechtliche Ungleichbehandlung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit heterosexuellen Paaren geklagt - und gewonnen

Das aber verstößt gegen den Gleichheitsgrundsatz in der Verfassung, meinten fünf der neun Obersten Richter: Wenn es schon in einigen Bundesstaaten die Homo-Ehe gebe, dann sei es "Unrecht, dass ihre Ehe weniger wert ist als die Ehe anderer". Sie gaben damit der 84-jährigen Klägerin Edith Windsor Recht, die nach dem Urteil ihr Glück kaum fassen konnte: "Wir haben alles gewonnen, was wir erhofft hatten. Ich fühle mich geehrt und bin sehr froh, dass ich dies heute hier erleben kann."

Allerdings äußerte sich der Oberste Gerichtshof bewusst nicht grundsätzlich über das Für und Wider der Homo-Ehe. Die Entscheidung darüber bleibt weiter den einzelnen Bundesstaaten vorbehalten. Zwölf Bundesstaaten und die Hauptstadt Washington erlauben die Homo-Ehe, in mehr als 30 Bundesstaaten ist sie verboten. Als 13. Bundesland kommt in Kürze das bevölkerungsreichste Bundesland Kalifornien dazu. Denn in seinem zweiten Urteil wies der Oberste Gerichtshof ebenfalls mit 5:4 Stimmen eine Klage gegen die Homo-Ehe in Kalifornien aus formalen Gründen ab.

Oberstes US-Gericht stärkt Rechte homosexueller Paare
tagesthemen 22:15 Uhr, 26.06.2013, Tina Hassel, ARD Washington

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Beide Urteile sind ein Sieg für die Homo-Ehe, sagt die aus Kalifornien stammende Fraktionschefin der Demokraten im Abgeordnetenhaus, Nancy Pelosi. "Tausende homosexuelle Familien überall im Land haben heute Gerechtigkeit erfahren."

Ein "tragischer Tag" für Konservative und Kirchen

Heirat gleichgeschlechtlicher Paare (Bildquelle: picture alliance / AP Photo)
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Homo-Ehen in den USA müssen rechtlich gleichgestellt werden.

Scharfe Kritik am Obersten Gerichtshof kam von konservativen Republikanern und mehreren Kirchen. Die Katholische Bischofskonferenz sprach von einem "tragischen Tag". Ähnlich äußerten sich Mormonen und Baptisten. Pfarrer Albert Mohler von den Southern Baptists warnte auf CNN vor den "verheerenden Folgen" des Urteils für das Land. "Ich glaube, dass die Ehe immer ein Bündnis zwischen Mann und Frau war und sein muss." Der republikanische Mehrheitsführer im Abgeordnetenhaus, John Boehner kündigte an, seine Partei werde sich jetzt in den einzelnen Bundesstaaten für die traditionelle Ehe stark machen. Auch nach Ansicht seines Fraktionskollegen Louie Gohmert aus Texas verstößt die Homo-Ehe "gegen die Gesetze der Natur und gegen den Gott der Schöpfung".

Doch eine Mehrheit von 55 Prozent der US-Bürger ist mittlerweile für die Homo-Ehe. Selbst konservative Rechtsexperten sprechen von einem dramatischen Meinungswandel. Insofern ist die Abschaffung des "Gesetzes zum Schutz der Ehe" konsequent. Die US-Regierung muss nun rund 1000 rechtliche Bestimmungen und hunderte Gesetze ändern, damit homosexuelle Ehepaare die gleichen Rechte und Vorteile erhalten wie heterosexuelle Ehepaare.

Stand: 27.06.2013 05:45 Uhr

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