Männerhände | Bildquelle: dpa

Gesetzentwurf im Senat Italien ringt um homosexuelle Partnerschaft

Stand: 23.01.2016 19:20 Uhr

Italiens Ministerpräsident Renzi will, dass sein Land homosexuelle Partnerschaften rechtlich anerkennt. In der kommenden Woche diskutiert der Senat ein entsprechendes Gesetz. Doch nicht nur Kirchenvertreter lehnen das ab. Auch konservative Abgeordnete der Regierungspartei PD stellen sich quer.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Studio Rom

Marilena Grassadonia will nicht mehr länger warten. Jahrzehntelang hat sie aus der Ferne dabei zugesehen, wie ein Land nach dem anderen in Europa homosexuelle Partnerschaften anerkannt hat. Die katholische Insel Malta hat inzwischen eine gesetzlich anerkannte gleichgeschlechtliche Partnerschaft und in Irland können Homosexuelle sogar heiraten. Fehlt nur noch Italien.

"Ich lebe mit meiner Partnerin seit 19 Jahren zusammen, aber für den italienischen Staat sind wir zwei Fremde, vollständig Fremde", erzählt Grassadonia. "Es gibt keine juristische Beziehung, wir haben keine Rechte und keine Pflichten füreinander."

Italiens Regierungschef Matteo Renzi | Bildquelle: dpa
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Italiens Regierungschef Matteo Renzi will die Homoehe durchsetzen

Gesetz nach deutschem Vorbild

Das soll sich ändern. Ende kommender Woche berät der italienische Senat ein Gesetz, das homosexuelle Partnerschaften nach deutschem Vorbild anerkennt. Nicht als Ehe. "Unione Civile" heißt die neue Rechtsform, ziviler Zusammenschluss. "Das Gesetz gesteht den Paaren, die aus zwei Männern oder zwei Frauen bestehen, eine Fülle von Rechten zu. Wie das deutsche Modell. Zum Beispiel bei allen Sozialleistungen, auch bei der Hinterbliebenen-Rente", sagt Monica Cirinnà, Senatorin des regierenden Partito Democratico (PD). Aus ihrer Feder stammt der Gesetzesentwurf.

Besonders umstritten ist der Paragraph, der das Adoptionsrecht regelt. Eine ganz wichtige Frage für Marilena Grassadonia und ihre Partnerin. Die beiden haben drei Kinder, geboren nach einer künstlichen Befruchtung in Spanien, Vater unbekannt. "Ich kann meine Kinder nicht von der Schule abholen, weil ich sie nicht auf die Welt gebracht habe", sagt sie. "Ich kann sie nicht zum Kinderarzt begleiten oder ins Krankenhaus. Das ist eine entsetzliche Situation."

Einfluss der katholischen Kirche schwindet

Mit dem neuen Partnerschaftsgesetz könnte Marilena die leiblichen Kinder ihrer Partnerin adoptieren. Den konservativen Kritikern des Gesetzes geht das bereits zu weit, sie fordern ein Verbot der Stiefkind-Adoption und wollen jede Form von Leihmutterschaft unter Strafe stellen. Der katholische Flügel in der PD von Regierungschef Matteo Renzi hat entsprechende Änderungsanträge eingereicht. Gegen das Gesetz sind auch die Forza Italia von Silvio Berlusconi und einige Vertreter der katholischen Kirche.

Papst Franziskus | Bildquelle: REUTERS
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Will sich nicht in die Debatte einmischen: Papst Franziskus

Giuseppe Fiorini Morosini, Erzbischof von Reggio Calabria, warf bei einem Marienfest sogar das geplante Gesetz in einen Topf mit organisierter Kriminalität, mit der 'Ndrangheta'. "Was für einen Sinn macht so ein Marienfest, wenn es eingetragene Partnerschaften gibt, mit dem Konzept von Familie, das sich heute einbürgert, mit der Gender-Ideologie?", sagt er. "Warum feiert man so ein Fest angesichts der bestehenden Korruption und der allgegenwärtigen ‘Ndrangheta?"

Der Einfluss der katholischen Kirche auf die Politik in Italien schwindet. Einige Bischöfe unterstützen deshalb eine Demonstration der Gegner, die in einer Woche unter dem Titel "Family Day" in Rom stattfinden soll.

"Staat ist Staat, Kirche ist Kirche"

Papst Franziskus will sich dagegen nicht in die laufende Debatte einmischen. Die PD Senatorin Cirinnà findet das richtig. "Mit seinem berühmten Satz, man möge über niemanden urteilen, hat er ja schon viel getan", sagt sie. "Einige eher konservative Bischöfe haben in diesen Tagen in den Zeitungen Stellung genommen. Doch ich denke, eine strikte Trennung ist notwendig. Der Staat ist der Staat, die Kirche die Kirche."

Für die Demokratische Partei geht es auch um die eigene Glaubwürdigkeit. Parteichef Matteo Renzi hatte versprochen, sich als Regierungschef für eine Anerkennung homosexueller Paare einzusetzen. Daran wollen ihn Schwule und Lesben an diesem Wochenende erinnern und in ganz Italien für Gleichberechtigung demonstrieren.

Italien streitet über Homoehe: Befürworter und Gegner machen Druck
Tilmann Kleinjung, ARD Rom
22.01.2016 03:37 Uhr

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