Hollywood-Produzent Harvey Weinstein | Bildquelle: dpa

Weinstein-Skandal Staatsanwalt ermutigt mögliche Opfer

Stand: 18.10.2017 11:07 Uhr

Der Skandal um Produzent Weinstein bricht das Tabu um das Thema sexueller Missbrauch: Die Justiz spricht Opfern Mut zu, an die Öffentlichkeit zu treten. Ein Appell, der gehört wird: Immer mehr Frauen - ob in Hollywood oder über soziale Netzwerke - teilen ihre Erfahrungen.

Im Skandal um Harvey Weinstein hat der Staatsanwalt von Los Angeles, Mike Feuer, den möglichen Opfern des Hollywood-Produzenten Mut zugesprochen. "Bitte treten Sie vor, damit ermittelt werden und Gerechtigkeit geübt werden kann", appellierte Feuer.

Natürlich erfordere es "ungeheuren Mut", mit den "oft intimen Details sexueller Belästigung oder sexuellen Missbrauchs" an die Öffentlichkeit zu treten. Doch der Staatsanwalt versicherte, die Justiz nehme solche Vorwürfe sehr ernst, "und wo die Tatsachen für eine Verurteilung sprechen, werden wir sie strafrechtlich verfolgen". "Viele fragen sich: Wird mir jemand glauben und wird jemand für mich einstehen? Ich verspreche, dass wir es werden", betonte Feuer weiter.

Schauspielerin Angelina Jolie | Bildquelle: AP
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Sie sprachen in der "New York Times" von sexueller Belästigung durch Weinstein: Die Schauspielerin Angelina Jolie ...

Schauspielerin Gwyneth Paltrow | Bildquelle: AP
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... und ihre Kollegin aus der Filmbranche, Schauspielerin Gwyneth Paltrow.

Ein Bericht der "New York Times" hatte die ersten Vorwürfe gegen den 65-jährigen Produzenten, der etwa an Filmen wie "Sin City", "Aviator" oder "Pulp Fiction" beteiligt war, Anfang des Monats aufgeworfen. Nach und nach bekannten immer mehr Schauspielerinnen und Mitarbeiterinnen der Produktionsfirma, von Weinstein sexuell belästigt worden zu sein - von verbalen Äußerungen bis hin zu mehreren Vergewaltigungsvorwürfen.

Der Fall Weinstein habe ein "Schlaglicht auf sexuelle Belästigung und sexuellen Missbrauch, besonders am Arbeitsplatz geworfen", sagte Staatsanwalt Feuer. Auch wenn der Produzent selbst vehement bestreitet, jemals eine Frau sexuell belästigt zu haben.

Weinstein verliert weiteren Firmenposten

Doch trotz des Dementis von Weinsteins Seite zieht der Skandal immer umfassendere Konsequenzen nach sich: Als Produzent war Weinstein bereits vor rund zwei Wochen vom eigenen Unternehmen, der "Weinstein Company", gefeuert worden. Nun trat er auch von seinem Posten im Verwaltungsrat des Konzerns zurück. Zudem war Weinstein vom Verband der Oscar-Akademie ausgeschlossen worden und auch privat hatten die Missbrauchsvorwürfe Folgen: Ehefrau Georgina Chapman hatte die Trennung angekündigt.

Mit dem Skandal um Weinstein bricht das Tabu um den sexuellen Missbrauch. Es mehren sich die Stimmen aus Hollywood, die von eigenen Erfahrungen mit sexueller Belästigung berichten. Zuletzt eröffnete auch Oscar-Preisträgerin Jennifer Lawrence, die mit Weinstein für den Film "Silver Linings" zusammenarbeitete, zu Beginn ihrer Karriere erniedrigende und diskriminierende Erlebnisse in der Filmbranche gemacht zu haben.

Zehntausende Frauen bekennen sich

Sexuelle Belästigung - in Hollywood also offenbar kein Einzelfall. Auch der Chef der Amazon Studios, Roy Price, trat von seinem Posten zurück. Ende der vergangenen Woche hatte ihm die Schauspielerin Rose McGowan vorgeworfen, sie mehrfach sexuell belästigt zu haben. Daraufhin war Price zunächst suspendiert worden.

"Me too" wird zum Schlagwort bei Twitter

Doch der Aufschrei gegen Belästigung und Diskriminierung von Frauen hat inzwischen ein internationales Ausmaß erreicht. Ein Beispiel ist eine Aktion auf Twitter, angestoßen von der Schauspielerin Alyssa Milano. Sie rief per Tweet Frauen, die ebenfalls schon einmal Opfer sexueller Belästigung oder Übergriffe geworden seien, dies unter dem Hashtag "me too" ("Ich auch") öffentlich aufzuzeigen. Zehntausende Nutzerinnen folgten dem Aufruf.

Alyssa Milano @Alyssa_Milano
If you’ve been sexually harassed or assaulted write ‘me too’ as a reply to this tweet. https://t.co/k2oeCiUf9n

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. Oktober 2017 um 18:08 und 19:20 Uhr.

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