Hollande besuchte den Verletzten im Krankenhaus von Aulnay-sous-Bois. | Bildquelle: http://www.elysee.fr/photos/renc

Brutaler Vorfall in Frankreich Hollande besucht Opfer von Polizeigewalt

Stand: 07.02.2017 21:02 Uhr

Seit Tagen kommt es in einer Pariser Vorstadt zu Ausschreitungen, Demonstranten fordern "Gerechtigkeit für Théo": Bei einer Festnahme hatten Polizisten den jungen schwarzen Mann schwer verletzt. Nun hat Präsident Hollande den 22-Jährigen im Krankenhaus besucht.

Der französische Staatspräsident François Hollande hat sich persönlich in einen spektakulären Fall vermuteter Polizeigewalt eingeschaltet. In einem Krankenhaus von Aulnay-sous-Bois nordöstlich von Paris besuchte er einen 22-Jährigen, der bei seiner Festnahme Ende vergangener Woche schwer verletzt wurde. Hollande lobte den jungen Mann mit dem Vornamen Théo. Er habe würdig und verantwortungsvoll auf die Vorfälle reagiert.

Der Vorfall, der sich Ende vergangener Woche ereignet hatte, löste eine Welle der Empörung aus: Bei einer Überprüfung mehrerer Personen wollten die Beamten den Angaben zufolge den jungen Schwarzen festnehmen, den sie des Drogenhandels verdächtigten. Der Mann wehrte sich. Die Polizisten setzten Tränengas ein, verletzten ihn mit Schlagstockhieben. Vier Beamte wurden mittlerweile suspendiert, gegen sie wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet. Gegen einen wird auch wegen des Verdachts der Vergewaltigung ermittelt - er soll den Mann mit einen Schlagstock im Rektalbereich verletzt haben.

Demonstranten fordern in Aulnay-sous-Bois "Gerechtigkeit für Theo", der Opfer von Polizeigewalt wurde | Bildquelle: AP
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In Aulnay-sous-Bois forderten Demonstranten "Gerechtigkeit für Théo", der Opfer von Polizeigewalt wurde.

Ausschreitungen und Festnahmen

In den Fall hatte sich bereits auch der französische Premierminister Bernard Cazeneuve eingeschaltet. Er kündigte ein hartes Vorgehen gegen die Täter an. Cazeneuve sagte, auf die Tat müsse mit "größter Entschiedenheit" reagiert werden. Zwar zeigte der Premier Verständnis für die angespannte Lage von Polizei und Gendarmerie im Anti-Terror-Kampf. "Sie müssen aber stets absolut vorbildlich sein", forderte er. Präsident Hollande warb um Vertrauen in die Justiz. Sie beschütze alle Bürger vor Straftaten - auch, wenn ein Mitglied der Sicherheitskräfte daran beteiligt sei.

In Aulnay-sous-Bois hatte es nach dem Vorfall mehrere Tage in Folge Ausschreitungen gegeben. In der Nacht zum Dienstag gingen dort mehrere Autos in Flammen auf, 26 Menschen wurden vorläufig festgenommen.

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